Im Übergang und Aufbruch
Die Frühjahrstagung der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland diskutierte die Rolle des „GM der Zukunft“ und verabschiedete mit Jürgen Gangl eine prägende Persönlichkeit
von Karoline GiokasSichtlich gerührt eröffnete Jürgen Gangl, langjähriger erster Vorsitzender der HDV, zum letzten Mal die Frühjahrstagung. In seinem Grußwort blickte er auf bewegte Jahre zurück, die geprägt waren von tiefgreifenden Veränderungen in der Branche.

„Der Fachkräftemangel, die Digitalisierung und der steigende Wettbewerbsdruck haben die Hotellerie stark verändert. Gerade in solchen Zeiten zeigt sich, wie wichtig ein starkes Netzwerk ist“, hob er hervor. Besonders stolz zeigte er sich über die Entwicklung der HDV mit ihren innovativen Veranstaltungsformaten und dem Engagement für den Branchennachwuchs. „Wir machen herausragende Veranstaltungen und genau das müssen wir noch viel stärker nach außen tragen.“ Mit Blick auf die kommende Generation des neuen Verbandsvorstands, dessen Neuwahl (Seite 3) im Rahmen der Tagung anstand, zeigte sich Gangl optimistisch. „Wir haben den Nachwuchs in den vergangenen Jahren bewusst gefördert und auf zukünftige Aufgaben vorbereitet. Die jungen Nachfolger erfrischen unsere Branche. Also wartet nicht auf bessere Zeiten, gestaltet sie.“
Branche mit politischem Gewicht
Den Auftakt der inhaltlichen Diskussionen der Frühjahrstagung gestaltete Angela Inselkammer, Präsidentin des DEHOGA Bayern. Sie betonte in ihrem Grußwort, dass die Branche geschlossen auftreten müsse, um politisch stärker wahrgenommen zu werden. „Wir müssen es schaffen, mit einer Stimme zu sprechen.“ Gastgeber seien längst ein zentraler Pfeiler der deutschen Wirtschaft: Arbeitgeber, Ausbildungsstandort, Integrationsmotor und Garant für Lebensqualität. „Wir sind kein schmückendes Beiwerk einer Volkswirtschaft, sondern Teil ihres Fundaments.“

Die „Gastwelt“ als Zukunftsmotor
Einen wirtschaftspolitischen Blick auf die Branche warf Dr. Marcel Klinge, Vorstandssprecher der Denkfabrik DZG. Angesichts globaler Krisen und wachsender finanzieller Herausforderungen für den Staat brauche Deutschland neue Wachstumsimpulse. „Wir sind auf Wachstum in Deutschland angewiesen und irgendjemand muss dieses auch erwirtschaften.“
Klinge stellte die „Gastwelt“ in den Mittelpunkt – gemeint sind damit die Hotellerie, die Gastronomie, die Freizeitwirtschaft und gastnahe Dienstleistungen. Mit mehr als sechs Millionen Beschäftigten und rund 500 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung sei diese Branche ein unterschätzter Wirtschaftsfaktor. „Wir sind das Herz der Gesellschaft. Wir bringen Menschen zusammen.“ Um das Potenzial auszuschöpfen, müsse die Branche ihre gesellschaftliche Rolle stärker betonen und ihre Interessen aktiver in die politische Debatte einbringen.
