Lisa Wehrmann
Familienbetriebe leben davon, Verantwortung zu teilen und gleichzeitig klare Rollen zu definieren. Lisa Wehrmann, Juniorchefin Strandhotel Ostseeblick; Foto: Strandhotel Ostsseeblick

Wenn Generationen Verantwortung übergeben

Neben der Transformation der Arbeitswelt steht die Branche derzeit auch vor einem zweiten großen Umbruch: dem Generationenwechsel. In vielen familiengeführten Hotels übernimmt jetzt die nächste Generation Verantwortung und bringt neue Perspektiven mit.

Ein Beispiel ist das Usedomer Strandhotel Ostseeblick, das von Familie Wehrmann bereits über mehrere Generationen hinweg geführt wird. Juniorchefin Lisa Wehrmann beschreibt den Übergang als gemeinschaftlichen Prozess. Verantwortung werde innerhalb der Familie geteilt, gleichzeitig gebe es klare Zuständigkeiten, fest definierte Rollen und Positionen, je nach Erfahrung und Kompetenz. „Gerade für langjährige Mitarbeiter ist es wichtig, dass Entscheidungsstrukturen transparent bleiben und klare Ansprechpartner existieren. Gleichzeitig bringen jüngere Generationen wie meine oft neue Ideen in Bereiche wie Digitalisierung, Marketing oder Mitarbeiterführung ein“, sagt die Nachwuchsführungskraft.

Der Generationenwechsel ist deshalb nicht nur eine organisatorische Veränderung, sondern häufig auch eine kulturelle. Viele junge Gastgeber legen großen Wert auf moderne Arbeitsmodelle, eine offene Kommunikation im Team und eine stärkere Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse. Lisa Wehrmann betont dabei: „Der Anspruch, mit der Zeit zu gehen und sich weiterzuentwickeln, ist zwar bei uns nichts völlig Neues, wir bringen aber noch einmal stärker die Perspektiven unserer eigenen Generation mit ein und verstehen uns hier auch ein Stück weit als Sprachrohr.“

Familienbetriebe stehen dabei vor einer besonderen Herausforderung: Tradition bewahren und gleichzeitig Innovation zulassen. Doch genau darin liegt laut vielen Branchenexperten auch ihre Stärke, insbesondere in einer Zeit, in der Gäste zunehmend nach authentischen Erlebnissen suchen.

Hermann Reischl
Technologie allein ist nicht entscheidend. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Hermann Reischl, Reischlhof; Foto: Reischlhof/Günter Standl

Tradition und Zukunft im Einklang

Wie dieser Spagat gelingen kann, zeigt das Wellness & Naturresort Reischlhof im Bayerischen Wald. Während Josef Reischl in den 1970er Jahren den Grundstein des heutigen Resorts legte und den Reischlhof zu einem geschätzten Urlaubsort entwickelt, ist es der Anspruch des aktuellen Inhabers Hermann Reischl und seines Sohns Dominik mit Partnerin Aleksandra, das Haus kulinarisch auf ein gehobenes Niveau zu heben und im Wellnessbereich als Vorreiter zu positionieren. 

Dazu gehört auch die heutige Longevity-Ausrichtung, ein Ansatz, der wissenschaftliche Gesundheitsanalysen mit Wellness und Prävention kombiniert. Dabei werden modernste Technologien genutzt, etwa Körperanalysen oder medizinische Diagnostik. Jede Generation bringt ihre eigenen Methoden (etwa über Social Media), Perspektiven sowie ihren Zeitgeist und Zugang zu den Gästen ein. „Gerade dieser lebendige Austausch macht unsere Stärke aus und ermöglicht es uns, Tradition und Innovation auf authentische Weise miteinander zu verbinden“, verrät Hermann Reischl. 

Gleichzeitig bleibt der persönliche Kontakt im Spannungsfeld zwischen Hightech und persönlicher Betreuung ein Schlüsselelement für den Erfolg. „Technologie allein ist nicht entscheidend, der Mensch steht im Mittelpunkt“, betont Reischl. Für viele familiengeführte Häuser besteht darin eine große Chance: Innovation wird nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Werkzeug, um die Qualität der Gastlichkeit weiter zu steigern.

Carmen Dücker
KI kann Prozesse erleichtern und Teams entlasten, aber die Kernkompetenz eines Hotels bleibt die persönliche Begegnung mit dem Gast. Carmen Dücker, Geschäftsführerin BWH Hotels Central Europe; Foto: BWH Hotels

KI als neuer Kollege

Künstliche Intelligenz gehört derzeit zu den meistdiskutierten Themen der Branche. Für viele Betriebe stellt sich dabei die Frage, in welchen Bereichen Technologie tatsächlich einen Mehrwert schafft und wo sie möglicherweise eher zum Selbstzweck wird. Aus Sicht von Carmen Dücker, Geschäftsführerin von BWH Hotels Central Europe, liegt das größte Potenzial vor allem dort, wo Daten analysiert oder komplexe Abläufe geplant werden müssen. Bereiche wie CRM, Marketing oder Revenue Management profitieren bereits heute von intelligenten Auswertungssystemen, die fundiertere und schnellere Entscheidungen ermöglichen.

Auch im operativen Alltag kann KI Teams spürbar entlasten. Beispiele sind automatisierte Kommunikationsprozesse mit Gästen oder eine optimierte Einsatzplanung, z. B. im Housekeeping oder Service. Wichtig sei jedoch, zunächst die zugrunde liegenden Abläufe zu betrachten. „Schlechte Prozesse werden durch Digitalisierung nicht besser“, betont Dücker. Erst wenn Ziele und Abläufe klar definiert sind, könne Technologie ihr volles Potenzial entfalten.

Gleichzeitig dürfe der technologische Fortschritt nicht dazu führen, dass die eigentliche Stärke der Branche aus dem Blick gerät. Hotels leben von persönlicher Begegnung, Aufmerksamkeit und echter Gastfreundschaft. KI sollte deshalb vor allem dort eingesetzt werden, wo sie Mitarbeitern den Rücken freihält, damit mehr Zeit für genau diese Momente bleibt. Für die Zukunft bedeutet das auch eine Verschiebung der Kompetenzen: Kommunikationsfähigkeit, Empathie und Offenheit für Veränderung werden noch wichtiger, während zugleich die Notwendigkeit für ein grundlegendes Verständnis digitaler Technologien im Unternehmen wächst.

Signature You Training
Fachliche Exzellenz sowie persönliche und soziale Kompetenzen werden den Erfolg in der Hospitality künftig maßgeblich prägen. Althoff fördert genau diese Faktoren durch die Kooperation der eigenen Academy mit der Deutschen Hotelakademie. Programme wie „Signature You Training“ stärken die Persönlichkeit, schärfen die eigene Haltung und das nötige Selbstvertrauen, um verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Foto: Althoff Hotels /Jannis Hagels

Die Zukunft der Hospitality

Ob neue Führungsmodelle, generationenübergreifende Zusammenarbeit oder intelligente Technologien, die Hospitality befindet sich derzeit in einer Phase tiefgreifender Transformation. Dabei wird immer deutlicher: Die Zukunft der Branche entscheidet sich nicht allein an der Rezeption, im Marketing oder in der IT.

Sie entscheidet sich vor allem dort, wo Mitarbeiter ihre Aufgaben erfüllen, Teams zusammenfinden und Gastgeber ihre Werte leben, denn erfolgreiche Betriebe schaffen es, wirtschaftliche Stabilität, innovative Ideen und eine starke Unternehmenskultur miteinander zu verbinden.

Gerade in einer Branche, die so stark von Emotionen und persönlichen Begegnungen lebt, bleibt der menschliche Faktor der wichtigste Erfolgsbaustein. Technologie kann unterstützen, Prozesse optimieren und neue Möglichkeiten eröffnen, doch echte Gastfreundschaft entsteht weiterhin im direkten Miteinander.  

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