
Foto: Franke Coffee
MODERNE GERÄTE ERÖFFNEN UMSATZPOTENZIALE BEI GLEICHZEITIG SINKENDEN BETRIEBSKOSTEN.
Automatisierung verändert die Versorgung
Während im Gastraum Inszenierung und Erlebnis im Vordergrund stehen, entwickelt sich im Hintergrund eine zweite Dynamik: die Automatisierung von Verpflegung. Unternehmen wie Apetito treiben diese Entwicklung mit Lösungen wie „Deine Pause 2.0“ voran. Das Konzept zeigt, wie weit Vending sich inzwischen von klassischen Automaten entfernt hat. Statt um standardisierte Snacks geht es um flexible, digital gesteuerte Versorgungssysteme, die rund um die Uhr verfügbar sind und sich nahtlos in die unterschiedlichsten Arbeits- und Lebensrhythmen integrieren lassen. „Das stärkste Argument ist die Einfachheit im Alltag“, beschreibt Alexander Eissing den Ansatz. „Karte ranhalten, Tür öffnen, auswählen, Tür schließen – fertig.“
Diese Form der automatisierten Verpflegung ist eine direkte Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen. Wo Personal fehlt oder eine klassische Gastronomie wirtschaftlich nicht darstellbar ist, entstehen neue Lösungen, die Versorgung sichern und gleichzeitig neue Umsatzpotenziale erschließen.

Kaffee in der Schlüsselrolle
Die Cafébar Nosh am Münchner LabCampus zeigt, welche strategische Rolle Cafés heute spielen können. Für Philipp Kirnbauer, Director Project & Design bei der Compass Group, geht es dabei um mehr als Versorgung: Kaffeebars schaffen gezielt Räume für spontane Begegnungen.
Im Fokus steht das Prinzip der Serendipität – also das zufällige Aufeinandertreffen, aus dem neue Ideen entstehen. Orte wie das Nosh sind bewusst so gestaltet, dass sie diese Momente im Alltag ermöglichen: niedrigschwellig, kommunikativ und jederzeit zugänglich.
Neue Geschäftsmodelle jenseits klassischer Öffnungszeiten
Mit Konzepten wie dem „Gustavomat“ zeigt das Unternehmen Stüwer Automatensysteme, wie weit diese Entwicklung gehen kann: Hier wird gastronomische Qualität vollständig automatisiert bereitgestellt – ganz unabhängig von Zeit und Personal.
Solche Systeme eröffnen Betrieben neue Möglichkeiten, Erlöse zu generieren und gleichzeitig ihre Abhängigkeit von personellen Ressourcen zu reduzieren. Automatisierung ist damit nicht Notlösung, sondern eigenständiges wirtschaftliches Modell.
Die Schnittstelle: Kaffee trifft Vending
Besonders spannend ist die Entwicklung dort, wo die beschriebenen Trends zusammenlaufen: Kaffeevollautomaten werden zunehmend in Self-Service- und Vending-Konzepte integriert und schaffen damit neue Formen des Konsums. Der Anspruch bleibt dabei unverändert hoch. Gäste erwarten auch in automatisierten Umgebungen eine Qualität, wie man sie aus dem Café kennt – kombiniert mit maximaler Verfügbarkeit und einfacher Bedienung. Genau an dieser Schnittstelle entsteht ein neues Segment, das Premiumkaffee und Convenience miteinander verbindet. Die Kaffeebranche entwickelt sich in zwei Richtungen: zum einen hin zu mehr Erlebnis, zum anderen
hin zu mehr Automatisierung. Entscheidend ist, dass sich beide Entwicklungen nicht widersprechen, sondern gegenseitig verstärken.
Fürs Gastgewerbe bedeutet das, Kaffee neu zu denken: als emotionales Produkt im Gastraum und als skalierbares Angebot im Hintergrund. Wer beides verbindet, erschließt nicht nur neue Zielgruppen, sondern auch ganz neue Geschäftsmodelle.

Im Gespräch mit Joachim Kühne
Leiter der J. J. Darboven Akademie und Innovationsmanager bei J. J. DarbovenHerr Kühne, wenn Sie über Kaffeetrends sprechen, meinen Sie oft mehr als neue Getränke. Was genau verstehen Sie darunter?
Ich glaube, dass wir Trends häufig zu kurzfristig denken. Für mich geht es weniger um einzelne Rezepturen als um grundlegende Veränderungen im Verständnis von Kaffee. Ein ganz zentraler Punkt ist, den Menschen wieder bewusst zu machen, wie wertvoll Kaffee eigentlich ist.
Warum gewinnt dieses Bewusstsein gerade jetzt an Bedeutung?
Weil sich die Rahmenbedingungen massiv verändern werden. Der Klimawandel wird auch den Kaffeeanbau stark beeinflussen. Prognosen besagen, dass künftig bis zu 50 Prozent der Anbauflächen wegfallen könnten. Das wirkt sich zwangsläufig auf Verfügbarkeit, Preise und Qualität aus. Kaffee, wie wir ihn heute trinken, wird in dieser Form nicht selbstverständlich bleiben.
Welche Rolle spielt dabei die Gastronomie?
Eine entscheidende. Die Gastronomie ist immer auch Vermittler. Es reicht nicht, einfach nur Kaffee auszuschenken. Wir müssen anfangen, Geschichten zu erzählen – über Herkunft, Verarbeitung und Geschmack. Genau das schafft Wertschätzung beim Gast.
Welche konkreten Trends sehen Sie im Angebot?
Ein großes Thema sind pflanzliche Milchalternativen. Gleichzeitig beobachte ich, dass viele Betriebe hier zu viel anbieten. Das kann schnell überfordern. Es geht eher darum, eine bewusste Auswahl zu treffen und diese gut zu erklären.
Wie verändert sich dadurch die Rolle des Barista?
Der Barista wird stärker zum Kommunikator. Es geht nicht mehr nur um Technik, sondern darum, Gäste mitzunehmen. Wer Begeisterung zu vermitteln weiß, schafft auch eine stärkere Bindung.
Und wirtschaftlich betrachtet?
Kaffee ist eines der spannendsten Produkte überhaupt. Die Margen sind hoch, aber man muss aktiv verkaufen. Wer es schafft, Kaffee emotional aufzuladen und richtig zu inszenieren, kann enormes Potenzial heben.
Ihr persönliches Fazit?
Kaffeegenuss wird sich verändern, aber nicht an Bedeutung verlieren. Im Gegenteil: Für Betriebe, die sich mit dem Thema intensiv beschäftigen, bleibt er eines der größten Zukunftsfelder.