Zukunftsperspektiven

Lösungsansätze für die Krise im Tourismus

v. l. n. r.: Nicolas Bideau, Isabelle Moret und Organisator Laurent Wehrli (Foto: © Montreux International Tourism Forum)
v. l. n. r.: Nicolas Bideau, Isabelle Moret und Organisator Laurent Wehrli (Foto: © Montreux International Tourism Forum)
Corona-Pandemie, Inflation, Ukrainekrieg – die Tourismusbranche ist gefordert. Daher kamen am 15. und 16. November 2022 rund 180 Fachleute aus dem Tourismus, der Hotellerie und Gastronomie zusammen. Sie diskutierten über Lösungsansätze und Zukunftsperspektiven.
Montag, 21.11.2022, 10:06 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Zum dritten Mal fand das Montreux International Tourismus Forum (MITF) an der Waadtländer Riviera statt. Drei zentrale Herausforderungen standen dabei im Mittelpunkt: die drohende Energieknappheit, der Fachkräftemangel sowie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Energiemangel – freiwillige und verhältnismäßige Maßnahmen

Verzicht auf künstlich beschneite Pisten oder Wellnessbereiche von Hotels schließen – dies sind nur einige der in der Öffentlichkeit breit diskutierten Maßnahmen zur Eingrenzung der drohenden Energiemangellage. Auch Stéphane Genoud sah am MITF in der Sparsamkeit den einzig möglichen Ansatz – dies stehe allerdings im Wiederspruch zum Tourismusmarketing, kritisierte der Professor für Energiemanagement an der HES-SO Wallis.

Ihm gegenüber standen mit Nicole Brändle Schlegel, Mitglied der Geschäftsleitung von Hotelleriesuisse, und Berno Stoffel, Direktor Seilbahnen Schweiz, zwei Vertreter aus der Wirtschaft. Beide wollen aufgezwungene Schließungen für die bereits unter den steigenden Preisen leidende Branche verhindern und plädieren für freiwillige Maßnahmen. Insbesondere in Anbetracht der für die Wirtschaft in den Berggebieten zentralen Bedeutung des Tourismus, wo ein Fünftel der Wertschöpfung direkt oder indirekt dem Tourismus zuzuschreiben ist.

Stoffel betonte den dem entgegenstehenden, verhältnismäßig tiefen Energieverbrauch: Nur 0.24 Prozent und 0.10 Prozent des nationalen Bedarfes seien für den Betrieb von Bergbahnen und für die Beschneiung der Pisten 2021 nötig gewesen. Auch die Hotellerie würde gemäß Brändle Schlegel bereits ihre Pflicht tun: seien es die Verwendung von LED-Beleuchtung, eine Reduktion der Heiztemperaturen oder Anpassungen der Wellnessöffnungszeiten.

Ansätze für den Kampf um Talente

Was zuvor ein schleichendes Problem war, wurde von der Corona-Pandemie drastisch beschleunigt: der Fachkräftemangel. Professor Roland Schegg riet auf Basis einer aktuellen Studie der HES-SO Wallis, dass Arbeitgeber ihre Strukturen und Organisation grundsätzlich überdenken sollten, um auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig bleiben zu können.

Die Schärfung der eigenen Unternehmenswerte, Viertagewoche, mehr Autonomie, angemessene Löhne und Arbeitszeiten sowie Zugang zur beruflichen Weiterentwicklung seien Maßnahmen, um die heranwachsende Generation für die Arbeit im Hotel- und Gastgewerbe gewinnen zu können.

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