Interview

The Hearts Hotel führt Energiepauschale ein

Das The Hearts Hotel rechnet nach aktuellen Preisen mit Mehrkosten für Wärme und Energie in Höhe von 200.000 Euro pro Jahr. Daher hat das Hotel in Braunlage jetzt eine Energiepauschale in Höhe von drei Euro pro Nacht und Gast eingeführt. Im Interview mit HOGAPAGE erklärt Geschäftsführer Meik Lindberg, inwiefern diese die höheren Kosten ausgleichen soll.

Dienstag, 04.10.2022, 12:17 Uhr, Autor: Sarah Kleinen
The Hearts Hotel

Das The Hearts Hotel hat eine Energiepauschale von 3 Euro pro Gast und Nacht eingeführt. (Foto: © The Hearts Hotel)

Mike Lindberg
Mike Lindberg, Geschäftsführer des Hearts Hotels (Foto: © The Hearts Hotel)

Herr Lindberg, was bedeuten die Mehrkosten für das The Hearts Hotel? Wie wird es diese stemmen?

Neben der steigenden Inflationsrate stellen wir eine geringere Nachfrage insbesondere auf höherwertige Kategorien fest. Höhere Kosten können somit nicht durch Mehrumsatz oder Preissteigerungen kompensiert werden. Unsere aktuelle Planung weist aufgrund der hohen Kostenstruktur – insbesondere für die Wintermonate – Verluste auf, womit unsere Liquidität schwindet. Der Liquiditätsabfluss ist besorgniserregend. Ausgehend von den aktuellen Preisen am Strom- und Gasmarkt und einer weiterführenden Inflation sehen wir keine Chance, den ansonsten kerngesunden Betrieb, aufrechtzuerhalten. Spätestens im März wären alle Reserven aufgebraucht, bei weiter ansteigenden Gaspreisen wäre schon vorher „Feierabend“.

Seit dem 1. Oktober hat das The Hearts Hotel eine Energiepauschale in Höhe von 3 Euro pro Gast und Nacht eingeführt, um die Mehrkosten auszugleichen. Warum hat man stattdessen nicht einfach die Zimmerpreise erhöht?

Eine Ausweisung der Energiepauschale ist fair, für jeden sichtbar und kann den Bedingungen anpasst werden. Nach Bekanntwerden des Hilfspaketes in Höhe von 200 Milliarden Euro haben wir den Wert unmittelbar auf 3 Euro gedrosselt. Dies in der Hoffnung, dass die Energiemehrkosten im Einkauf günstiger sind als der heutige Marktpreis. Dieses Beispiel zeigt, dass wir auf die Preisdynamik direkt und fair reagieren können. Ein Aufschlag auf die Zimmerpreise ist dagegen umfangreich und macht das Produkt unmittelbar teurer und das in einem Moment, wo die Gäste eh sehr preissensitiv agieren.

Wie glauben Sie, werden die Gäste auf die Pauschale reagieren?

Im Vorfeld haben wir unsere Gäste befragt und stets Verständnis erhalten. Gleichzeitig haben wir versucht, herauszufinden, ab welchen Wert das Verständnis ausbleibt. Dies war deutlich bei einem Betrag ab 10 Euro für einen Gast pro Nacht. Wichtig ist die proaktive Mitteilung. Bei einigen OTAs, insbesondere bei booking.com, mussten wir durch Kontaktaufnahme, den Hinweis zur Energiepauschale einbauen lassen. Im Direktvertrieb wird die Pauschale bei Buchung bereits ausgewiesen. Sofern der Gast frühzeitig auf die Pauschale hingewiesen wird, sehen wir da keine Umstände. Unser Personal wurde auch entsprechend geschult, um auf Nachfragen verständnisvoll einzugehen.

Das Buchungsverhalten ist für das The Hearts Hotel derzeit nicht kalkulierbar, die Gäste sind deutlich preissensitiver, buchen sehr viel kurzfristiger und meiden die teureren Zimmerkategorien. Wird die Erhöhung nicht zu einem zusätzlichen Abschreckungsfaktor?

Wir glauben nicht, dass der Betrag die Konversion im Buchungsverhalten nachteilig beeinflusst. Gäste sparen am Urlaub, verreisen vielleicht nur zweimal im Jahr anstatt wie sonst dreimal. Dabei wird die Entscheidung auf Qualität des Produktes eine große Bedeutung haben. Genau hier sehen wir uns optimal positioniert. Unser Hotelprodukt vermittelt ein positives Lebensgefühl, das wird in diesen Tagen noch mehr gebraucht als in der Vergangenheit.

Für welchen Zeitraum ist die Pauschale derzeit geplant?

Zunächst planen wir die Pauschale bis zur endgültigen Beschlussfassung aus dem Hilfspaket. Sobald wir dies verbindlich kalkulieren können, wird es eine Preisänderung, im besten Fall sogar eine Aussetzung der Energiepauschale geben.

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