
Apéro ist nicht ein bestimmter Drink, sondern ein Moment
Bier entdeckt die Bar neu
Eine bemerkenswerte Renaissance erlebt derzeit aber eine andere Getränkekategorie: Bier erobert die Barkultur zurück. Über dessen Rolle als Aperitif, First Drink und Icebreaker diskutierten gerade erst Barbetreiber und Branchenexperten auf dem Bar Symposium Cologne 2026.
Viele Cocktailbars führen mittlerweile bewusst eine kleine kuratierte Bierauswahl. „Bier ist in Deutschland gewissermaßen der Aperitif Nummer eins und gehört für mich in jede Bar“, meint Felix Engels. Besonders gefragt seien kleinere Gebinde zwischen 0,2 und 0,3 Litern. Sie bleiben länger kühl, wirken leichter und entsprechen dem Wunsch vieler Gäste nach bewussterem Konsum. Dass mit Heineken inzwischen sogar einer der weltweit größten Bieranbieter gezielt die Barszene adressiert, zeigt, wie stark sich die Grenzen zwischen klassischen Getränkekategorien verschieben.
Umsatz steigern an der Bar – wir fragen Berlin
Barleiterin Khatia Dvali vom Beast Berlin: „Wir haben viel in Komplexität um ihrer selbst willen gesteckt: Fermentationen, die niemand schmeckt, Destillate, die nur Eingeweihte einordnen können. Aber das wichtigste Werkzeug hinter der Bar ist das Gespräch.“ Der Umsatz, über den zu Recht viel geredet werde, liege genau da. „Wir wollen kein Upselling als Technik, sondern im echten Angebot. Wer versteht, dass ein hochwertiges Mineralwasser eine Entscheidung ist und kein Kompromiss, der verkauft es nicht – er empfiehlt es.“
Aber was passiert, wenn 250 Gäste im Haus sind? „Dann ist klassisches Bartending vor allem Aufmerksamkeit. Einem Stammgast reiche ich das, was er gerne trinkt. Einem Gast, der noch zögert, reiche ich einen Satz, eine Frage, eine Empfehlung. Das dauert vielleicht 20 Sekunden, aber es verändert seinen Abend.“
Das wichtigste Werkzeug hinter der Bar ist nicht die Technik, sondern das Gespräch mit dem Gast
Auch Wasser erzählt Geschichten
Dvalis Hinweis auf hochwertiges Mineralwasser trifft einen Nerv der Zeit. Umsatz muss nicht zwingend mit Alkohol zusammenhängen. Premium-Wasser entwickelt sich zunehmend vom Begleiter zum eigenständigen Genussprodukt. Es wird bewusst ausgewählt, inszeniert und serviert. Wassersorten bieten attraktive Margen, ergänzen Getränkebegleitungen und passen ideal zum Wunsch vieler Gäste nach bewusstem Genuss. Hersteller investieren deshalb verstärkt in
Design, Herkunftsgeschichten und Inszenierung. So setzt zum Beispiel Aqua Plose auf elegante Gourmet-Gastroflaschen mit goldenen und silbernen Gestaltungselementen, die bewusst als Bestandteil des Gesamterlebnisses am Restauranttisch positioniert werden.

REZEPTTIPP: Chartreuse Swizzle
Zutaten:
- 4 cl Chartreuse verte
- 4 cl Ananassaft
- 2 cl Limettensaft
- 1,5 cl Falernum
Zubereitung:
Zutaten in ein geeistes Highball-Glas geben, mit zerstoßenem Eis auffüllen und mit einem Swizzle zehn Sekunden kalt rühren. Mit Minzeblättchen garnieren.
Foto: Stéphane Couchet