Touristenverhalten

Reisen – früher und heute

In nur wenigen Jahren haben sich unser Reiseverhalten und der Tourismus rasant verändert. Fünf Punkte zeigen den Unterschied zu früher.

Dienstag, 06.08.2019, 10:24 Uhr, Autor: Kristina Presser
Fröhliches Paar fotografiert sich selbst vor dem Kolloseum

Der wohl berühmteste Urlaubsbeweis: Das Selfie vor historischer Kulisse – hier das Colosseum in Rom. (Foto: © Kar Tr)

Früher war alles besser? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Zumindest das Reisen war auf jeden Fall anders. In den vergangenen 25 Jahren haben unter anderem Billigflieger, Overtourism, Klimawandel, Smartphones und Social Media unseren Urlaub geprägt. Wie stark zeigen fünf Beispiele.

  1. Möglichst viel in möglichst kurzer Zeit

Was früher der einzelne mehrwöchige Urlaub im Jahr war, sind heute die häufigeren, aber kürzeren Reisen, wie Philipp Wagner von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) erklärt. Begründet wird die Entwicklung durch zunehmende Billigflutangebote, die das jetten durch Europa auch für verlängerte Wochenendtrips reizvoll machen. „Kurze Reisen mit dem Flugzeug haben eindeutig zugelegt“, sagt Wagner. Prof. Horst Opaschowski, Zukunftsforscher und Tourismusexperte, sieht darin einen gesamtgesellschaftlichen Trend: „Die Devise lautet: Mehr Erleben in weniger Zeit.“ Wagner ergänzt: „Man will sich im Urlaub etwas gönnen und genießen, gleichzeitig aber auch viel sehen und erleben.“

Der Urlaub als Jagd nach herausragenden Erlebnissen: Das passt zur These, dass es auch in der Freizeit verstärkt um Selbstoptimierung geht. Ein Phänomen, das auf Reisen auftritt: „Fomo“ (fear of missing out), die Angst etwas zu verpassen. Denn die Welt ist groß und die Bucket-Liste mit Reisezielen noch ziemlich lang.

  1. Das Internet, mein Reiseführer

Egal ob ein Restaurant in der Fremde gefunden werden muss, Flüge, Hotels oder Mietwagen gebucht werden sollen oder man einfach nach dem richtigen Weg sucht – das Netz bietet für so gut wie alles ein Lösung, das Smartphone wird zum ständigen Begleiter. Klar, dass es da nicht mehr ganz so einfach wird, sich überraschen zu lassen. Aber: Die Informationsflut bedeutet Freizeitstress. Ein Grund, warum die organisierte Pauschalreise beliebt bleibt: Nicht jeder hat die Zeit, alle Details der Reise mithilfe des Internets und von Apps selbst zu planen. Der Reiseveranstalter übernimmt das.

  1. Über Social Media sind alle immer dabei

Wer heute verreist, ist eigentlich nie wirklich weg … zumindest über soziale Medien ist man so gut wie immer erreichbar. Prof. Horst Opaschowski: „Man lässt Familie und Freunde am Urlaub teilhaben, das trägt zu einer Intensivierung des Erlebnisses bei.“ Dagegen ein blanker Albtraum: Ein Tag ohne Handy, Urlaub im Funkloch. Das andere Extrem: Die Reise wie bei den Profi-Instagrammern als eine Art Live-Bericht von unterwegs auf allen Social-Media-Kanälen inszeniert. Der beliebteste Beweis für eine Reise: natürlich das Selfie.

  1. Massentourismus

Die zunehmende Globalisierung und verbilligte Flugreisen haben auch ihre Schattenseiten – nicht zuletzt den Massentourismus. Viele Top-Reiseziele sind bereits an ihrer Belastungsgrenze. Überall wird über eine bessere Steuerung oder Beschränkung der Besuchermassen diskutiert – von Island über Paris, Barcelona und Venedig bis Mallorca. Denn der Urlauber ist endgültig selbst zum Problem geworden. Auch wenn er vermeintlich alternativ in einer Airbnb-Unterkunft übernachtet – und so die Mieten in die Höhe treibt.

  1. Reisen steht in der Kritik – wegen des Klimas

Reisen war bis vor nicht allzu langer Zeit eine Art Prestigegut – wer es sich leisten konnte, flog in die Ferne. Dieser Tage steht der Klimawandel allerdings stärker denn je im gesellschafts-politischen Fokus. Kritik am (Viel)Fliegen macht sich breit, das als besonders umweltschädlich gilt. Flugscham lautet das Schlagwort. Opaschowski betont jedoch: „Zwischen Problembewusstsein und tatsächlichem Verhalten klafft eine große Lücke.“ Schließlich verzichten die wenigsten Reisenden dem Klima zuliebe auf das Fliegen. Urlaub sei die populärste Form von Glück, sagt der Zukunftsforscher. „Daran wird auch die Klimadebatte nichts ändern.“ (dpa/tmn/KP)

 

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