Tourismus

Österreicher sind reisewütig

Flugzeug vor Sonnenuntergang
© APA/dpa/Marcel Kusch
Politische Krisen, Terroranschläge und die daraus resultierende Verunsicherung halten die Österreicher derzeit nicht vom Reisen ab – im Gegenteil: die Reiseintensität steigt.
Donnerstag, 22.12.2016, 11:22 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein

Für diesen Winter und den Sommer 2017 haben die Urlauber laut Österreichischem ReiseVerband (ÖRV) bereits eifrig gebucht. Die Umsätze lägen jetzt schon deutlich über dem Vorjahr. „Die Gästeentwicklung ist im heurigen Winter um 10 bis 15 Prozent über dem Vorjahr, die Umsätze sind mit 15 bis 20 Prozent im Plus“, berichtete ÖRV-Präsident Josef Peterleithner kürzlich. „Auch die Sommerbuchungen für 2017 haben sehr erfreulich begonnen.“ Der Gäste- und Umsatzzuwachs gegenüber dem Vorjahr liege hier jetzt schon bei 10 bis 20 Prozent. „Der Wunsch nach Reisen ist ungebrochen“, so der Branchenkenner.

In der kalten Jahreszeit hätten vor allem Fernreisen „überproportional gewonnen“. Normalerweise gingen 50 Prozent der Reisen, die bei Veranstaltern gebucht werden, in eine ferne Destination – heuer seien es 55 Prozent. Da diese Reisen verhältnismäßig teuer sind, stellen sie zwei Drittel des Umsatzes. Das beliebteste Fernziel der Österreicher ist Thailand. Österreich-Trips werden nur zu einem kleinen Teil bei Reiseveranstaltern gebucht, liegen laut ÖRV aber dennoch „zweistellig im Plus“.

2016 erlitten die heimischen Reiseveranstalter gegenüber dem Vorjahr laut Peterleithner Umsatzeinbußen von 6 bis 8 Prozent. Bei den Reisebüros, die vom gesteigerten Bedürfnis der Kunden nach Sicherheit profitierten, war das Minus mit 5 Prozent den Angaben zufolge etwas geringer. Jetzt ortet der Reiseverband „einen gewissen Nachholbedarf“ bei Urlaubsreisen. „Einige haben letztes Jahr lange mit dem Buchen zugewartet und dann nichts Passendes mehr bekommen – das merken wir jetzt“, so der ÖRV-Präsident. Die Reiseveranstalter verzeichneten jetzt „eine extreme Nachfrage nach Griechenland und Spanien“. Doch auch Autoreisen – vor allem nach Italien und Kroatien – sind stark im Steigen. Tunesien komme auf kleinem Niveau zurück, das treffe auch auf Ägypten zu. Doch „die Türkei ist absolut nachfrageschwach“.

Insgesamt sei die Reisetätigkeit in den vergangenen Jahren keinesfalls zurückgegangen, betonte der Tourismusexperte der Statistik Austria, Peter Laimer. „Das Geld auf der Bank bringt nicht mehr allzu viel – es wird unter anderem in Reisen investiert“, sagte er unter Verweis auf die anhaltend niedrigen Zinsen. Auch die jüngsten Wirtschaftsprognosen des Wifo seien positiv: „2017 und 2018 legen die privaten Konsumausgaben zu, obwohl die Realeinkommen nicht steigen und die Arbeitslosigkeit hoch ist.“

Rund ein Viertel der Österreicher verreist gar nicht – auch nicht zu Verwandten oder Bekannten, geht aus repräsentativen Umfragedaten der Statistik Austria hervor. Es wurde allerdings nicht gesondert erhoben, ob es dabei an Lust, Zeit oder Geld mangelt.

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Wasserschloss Mespelbrunn im Spessart
Offensive
Offensive

Hessen und Bayern bündeln Kräfte für Spessart-Tourismus

Die beiden regionalen Verbände wollen die Vermarktung für die Urlaubsregion künftig gemeinsam organisieren. Eine neue Dachmarke soll den Auftritt der Destination vereinheitlichen.
Strand im Ostseebad Scharbeutz in Schleswig-Holstein
Bilanz
Bilanz

Schleswig-Holstein meldet Tourismus-Rekord 2025

Das Bundesland verzeichnet erneut steigende Gästezahlen und Übernachtungen. Gleichzeitig sieht die Branche beim Binnenlandtourismus und in der Nebensaison noch Potenzial.
Junge Reisende der Gen Z entspannen gemeinsam auf dem Balkon eines Hauses am See in einer naturnahen Berglandschaft.
Reisetrend
Reisetrend

Gen Z treibt Naturreisen in Deutschland an

Immer mehr Deutsche verbringen ihre Auszeiten abseits der Städte. Besonders junge Reisende entdecken ländliche Regionen und Naturziele für sich.
Burg Falkenstein im Harz in Sachsen-Anhalt im Herbst
Statistik
Statistik

Tourismus in Sachsen-Anhalt: Gästezahlen stabil, Umsätze sinken

Rund 3,4 Millionen Menschen reisten 2025 in das Bundesland. Während die Nachfrage nahezu konstant bleibt, steht das Gastgewerbe wirtschaftlich unter Druck.
Von links nach rechts: Andreas Winkelhofer (Geschäftsführer Oberösterreich Tourismus), Barbara Radomski (Geschäftsführerin Bayern Tourismus Marketing GmbH), Christine Schönhuber (Geschäftsführerin Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg), Petra Hedorfer (Vorsitzende des Vorstandes Deutsche Zentrale für Tourismus), Krisztina Henyecz (Head of Business Development, Visit Hungary), Astrid Steharnig-Staudinger (Geschäftsführerin Österreich Werbung), Markus Achleitner (Wirtschaftslandesrat Oberösterreich), Michael Duscher (Geschäftsführer Niederösterreich Werbung), Petra Riffert (Geschäftsführerin Donauregion Oberösterreich), Marie-Louise Schnurpfeil (Geschäftsführerin Linz Tourismus), Bernhard Schröder (Geschäftsführer Donau Niederösterreich Tourismus).
Destinationsmarketing
Destinationsmarketing

Neue Tourismusinitiative „Discover your Danube“ gestartet

Deutschland, Österreich und Ungarn wollen die Donau international stärker vermarkten. Das neue Projekt wurde auf der ITB Berlin 2026 vorgestellt.
Luftaufnahme der Hansestadt Wismar an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern im Sommer
Entwicklung
Entwicklung

Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet zweitbestes Tourismusjahr seit der Wende

Das Bundesland meldet 8,2 Millionen Gäste und 33,3 Millionen Übernachtungen. 2025 war damit das zweitbeste Tourismusjahr seit der Wende.
Wartburg bei Eisenach, Thüringen, Deutschland
Jahresbilanz
Jahresbilanz

Stabiles Tourismusjahr 2025 in Thüringen

Erst das Rekordjahr 2019, dann nur schwer wettzumachende Einbrüche durch die Corona-Pandemie – hinter der Thüringer Tourismusbranche liegen schwierige Jahre. Doch auch wenn das Vor-Corona-Niveau noch nicht erreicht ist, zeigt sich die Branche stabil. 
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, bei einem Pressetermin
Branchenlage
Branchenlage

Wegner: Krieg beeinflusst ITB und Tourismus

Zum 60-jährigen Bestehen der Messe äußert sich Berlins Regierender Bürgermeister zu den Folgen des Kriegs im Nahen Osten. Die Auswirkungen auf den internationalen Reiseverkehr sind bereits deutlich spürbar.
Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH)
Technik
Technik

Digitale Bestellsysteme gegen Personalmangel im Tourismus

Steigende Kosten und fehlende Arbeitskräfte setzen Betriebe unter Druck. Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, sieht Innovationen und eine stärkere Nebensaison als mögliche Ansätze.