Personalknappheit

Koch und Kellner als Mangelberufe?

Kellnerin mit Tablett
© Wikimedia
Der Vorarlberger Tourismus-Landesrat Karlheinz Rüdisser fordert den Bund auf, einzelne Berufe der Sparte Tourismus in die Liste der Mangelberufe aufzunehmen. „Die Wintersaison steht vor der Tür und viele Tourismusbetriebe finden nicht ausreichend Personal“, meint er.
Donnerstag, 08.12.2016, 12:28 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein

Für eine funktionierende Tourismuswirtschaft seien entsprechende Fachkräfte unerlässlich. Die gebe es am Arbeitsmarkt aber nicht zu finden. In Vorarlberg standen laut Rüdisser 2016 im Durchschnitt 143 arbeitslos vorgemerkten Köchen etwa 416 offene Stellen gegenüber, heißt es in einem Schreiben an Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Sozialminister Alois Stöger.

Bei Kellnern sei das Bild ähnlich: 279 Personen dieser Berufsgruppe waren arbeitslos, gemeldet waren 576 offene Stellen. „Im schlimmsten Fall kann das zur Schließung des Betriebs und Freisetzung von Personal in anderen Bereichen führen“, argumentierte der Tourismuslandesrat und plädierte an den Bund, dem drohenden Schaden bestmöglich entgegenzuwirken.

Eine klare Absage hat die Gewerkschaft vida dem Vorschlag von Rüdisser erteilt. „Die Branche ist aufgefordert, ihre Hausübungen zu machen und so die Probleme zu lösen“, kritisierte Gewerkschafter Berend Tusch. Köche und Kellner hätten nichts auf der Liste der Mangelberufe verloren, betonte der Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus bei vida. Nur durch ordentliche Arbeitsbedingungen und Ausbildung sowie die Einhaltung der Arbeitszeitgrenzen könne dem Fachkräftemangel in Österreich wirksam etwas entgegengesetzt werden, zeigte sich Tusch überzeugt. „Der Ruf nach billigen Arbeitskräften wird das Problem nicht lösen“, setzte der Gewerkschafter in Richtung Vorarlberg nach.

Hintergrund der Forderung des Vorarlberger Landesrates ist ein deutliches West-Ost-Gefälle bei den im Tourismus wichtigen Berufen Koch und Kellner. In Wien liegt laut der Sparte Tourismus der Wirtschaftskammer die Stellenandrangsziffer für Gaststättenköche bei 4,5, in Tirol bei 0,6. Für die Aufnahme in die Mangelberufsliste (mit welcher der Erhalt einer Rot-Weiß-Rot-Karte und somit einer zwölfmonatigen Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bei einem bestimmten Arbeitgeber für Angehörige von EU-Drittstaaten möglich wäre) ist allerdings der österreichweite Durchschnitt bei der Stellenandrangsziffer entscheidend. Die Kammer wünscht sich hier eine regionale Betrachtung, etwa nach Bundesländern.

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Von links nach rechts: Andreas Winkelhofer (Geschäftsführer Oberösterreich Tourismus), Barbara Radomski (Geschäftsführerin Bayern Tourismus Marketing GmbH), Christine Schönhuber (Geschäftsführerin Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg), Petra Hedorfer (Vorsitzende des Vorstandes Deutsche Zentrale für Tourismus), Krisztina Henyecz (Head of Business Development, Visit Hungary), Astrid Steharnig-Staudinger (Geschäftsführerin Österreich Werbung), Markus Achleitner (Wirtschaftslandesrat Oberösterreich), Michael Duscher (Geschäftsführer Niederösterreich Werbung), Petra Riffert (Geschäftsführerin Donauregion Oberösterreich), Marie-Louise Schnurpfeil (Geschäftsführerin Linz Tourismus), Bernhard Schröder (Geschäftsführer Donau Niederösterreich Tourismus).
Destinationsmarketing
Destinationsmarketing

Neue Tourismusinitiative „Discover your Danube“ gestartet

Deutschland, Österreich und Ungarn wollen die Donau international stärker vermarkten. Das neue Projekt wurde auf der ITB Berlin 2026 vorgestellt.
Luftaufnahme der Hansestadt Wismar an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern im Sommer
Entwicklung
Entwicklung

Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet zweitbestes Tourismusjahr seit der Wende

Das Bundesland meldet 8,2 Millionen Gäste und 33,3 Millionen Übernachtungen. 2025 war damit das zweitbeste Tourismusjahr seit der Wende.
Wartburg bei Eisenach, Thüringen, Deutschland
Jahresbilanz
Jahresbilanz

Stabiles Tourismusjahr 2025 in Thüringen

Erst das Rekordjahr 2019, dann nur schwer wettzumachende Einbrüche durch die Corona-Pandemie – hinter der Thüringer Tourismusbranche liegen schwierige Jahre. Doch auch wenn das Vor-Corona-Niveau noch nicht erreicht ist, zeigt sich die Branche stabil. 
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, bei einem Pressetermin
Branchenlage
Branchenlage

Wegner: Krieg beeinflusst ITB und Tourismus

Zum 60-jährigen Bestehen der Messe äußert sich Berlins Regierender Bürgermeister zu den Folgen des Kriegs im Nahen Osten. Die Auswirkungen auf den internationalen Reiseverkehr sind bereits deutlich spürbar.
Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH)
Technik
Technik

Digitale Bestellsysteme gegen Personalmangel im Tourismus

Steigende Kosten und fehlende Arbeitskräfte setzen Betriebe unter Druck. Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, sieht Innovationen und eine stärkere Nebensaison als mögliche Ansätze.
Blick auf das Kloster St. Johannis in Brandenburg an der Havel am Wasser gelegen
Jahresbilanz
Jahresbilanz

Tourismus 2025 in Brandenburg stabil trotz Konsumzurückhaltung

5,4 Millionen Gäste und 14,3 Millionen Übernachtungen: Die Branche behauptet sich auf hohem Niveau. Rückenwind kommt vor allem aus der ruhigen Reisezeit und dem Wassertourismus.
Sandburgen-Wettbewerb am 07.05.2016 am Strand von Boltenhagen (Mecklenburg-Vorpommern)
Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-Vorpommern

Fünf Behörden für Sandburg-Event: Bürokratieabbau gefordert

Fünf Ämter für einen Sandburgen-Wettbewerb? Für Kritiker in den Ostseebädern von Mecklenburg-Vorpommern ist das nur ein Beispiel ausufernder Bürokratie. Sie rufen auf zum „Kampf gegen die Bürokratiemonster“.
Strand an der Nordseeküste mit zahlreichen Strandkörben, Spaziergängern und rauer See unter bewölktem Himmel.
Bilanz
Bilanz

Niedersachsen erzielt 2025 neue Bestmarken bei Gästen und Übernachtungen

Mit 15,8 Millionen Gästen und 46,9 Millionen Übernachtungen erreicht das Land neue Höchstwerte. Erstmals seit der Pandemie wird das Niveau von 2019 übertroffen.
Eine Besuchergruppe auf einer Fahrradtour im Hamburger Hafen.
Jahresbilanz
Jahresbilanz

Tourismus in Hamburg auf gutem Kurs

Hamburg blickt auf ein erfolgreiches Tourismusjahr 2025 zurück: Im Vergleich mit anderen deutschen Städten zeigt die Hansestadt eine hohe Wachstumsdynamik und die höchste Auslastung der Hotels. Für 2026 sorgen große Jubiläen, neue Reiseanlässe und viel Kultur für Zuversicht.