Gesundheit

Feinstaubalarm: Wie gefährlich sind Kreuzfahrten für Crew und Gäste?

Besorgniserregende Enthüllungen eines französischen Reporterteams vom Sender France 3: Feinstaubmessungen auf einem Kreuzfahrtschiff zeigten eine 10-fach höhere Luftverschmutzung an als in einer deutschen Großstadt.

Mittwoch, 25.01.2017, 10:38 Uhr, Autor: Felix Lauther
Kreuzfahrtschiff auf See

© Rawpixel.com / fotolia

Blaues Meer, eine leichte Brise weht der Crew und den Passagieren an Deck um die Nase. Ein Tag am, bzw. auf dem Meer kann Wunder bewirken. Die salz- und jodhaltige Meeresluft umschmeichelt Nase und Bronchien – auf dem Sonnendeck des Kreuzfahrtschiffes lässt sich die angenehme Luft erst recht genießen. Pustekuchen! Nach Luft-Messungen von Reportern des französischen Fernsehsenders France 3 auf dem Deck eines Kreuzfahrtschiffes, fängt man hinsichtlich der Ergebnisse überraschend an zu husten. Denn die gemessene Feinstaubbelastung war mit 307.000 ultrafeinen Partikeln pro Kubikzentimeter zehnmal so hoch wie z. B. in Stuttgart. Die Innenstadt der schwäbischen Metropole ist von Anhöhen umgeben und liegt somit in einem Kessel der sich Richtung Osten hin zum Stadtteil Bad Cannstatt öffnet. In Stuttgart werden demnach deutschlandweit mit die höchsten Feinstaubwerte gemessen. Die liegen an Spitzentagen – im Vergleich zu den gemessenen Werten auf dem Kreuzfahrtschiff – aber „nur“ bei 25.000 bis 30.000 Partikel pro Kubikzentimeter.

Umweltschützer beklagen fehlende Genehmigungen
Der Sender France 3 berichtete im Magazin „Thalassa“ über die Luftschadstoffmessungen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes auf seiner Fahrt über das Mittelmeer. Wie Spiegel Online in Bezug auf den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schreibt, seien solche Messungen noch nie vorgenommen worden. Deutschen Umweltschützern sei es demnach immer verwehrt geblieben, diese Untersuchungen auf einem Kreuzfahrtschiff zu vorzunehmen, da es immer an einer nötigen Genehmigung der Reedereien fehlte, wie Dietmar Oelig, Leiter Verkehrspolitik Nabu, gegenüber Spiegel Online erklärt.

Belastungen an einem Ort besonders hoch
Die Reporter des Senders France 3 missten die Schadstoffbelastung durch Feinstaub an verschiedenen Orten auf dem Schiff. Dazu zählten auch Plätze in der Nähe des Schornsteins oder an beliebten Orten wie dem Sonnendeck oder der Joggingstrecke auf dem Oberdeck. Die Laufbahn befindet sich in der Nähe des Schornsteins. Gerade hier, wo der sportlich aktive Passagier viel Luft beim Joggen ein- und ausatmet war die Belastung mit 380.000 Partikeln pro Kubikzentimeter am höchsten.

Die Redakteure des Magazins „Thalasso“ nennen in ihrer Berichterstattung weder den Namen des Schiffes, noch den der Reederei.

Messungen der Reeder unauffällig
Helge Grammerstorf, Chef des Dachverbands der deutschen Reeder CLIA, sagt gegenüber Spiegel Online: „Die Messungen von France 3 sind nur punktuell erfolgt. Um eine Aussage über eine Belastung zu treffen, müsste über eine längeren Zeitraum gemessen werden.“ Ähnliche Messungen von Reedereien und Werften hätten keine hohen Belastungen ergeben.

Ultrafeiner Feinstaub wird nicht herausgefiltert
Warum sind die Messungen der französischen Reporter trotzdem so besorgniserregend? Das liegt an der an der Beschaffenheit der Partikel. Die sind mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometer nämlich ultrafein, wodurch sie im Gegensatz zu größeren Feinstaubspuren bis in die Lungenbläschen und den Blutkreislauf vordringen können. Ist man dieser Belastung über einen längeren Zeitraum ausgesetzt, wie z. B. das Servicepersonal eines Kreuzfahrtschiffes, besteht die Möglichkeit, Atemwegserkrankungen oder sogar Lungenkrebs zu bekommen. Grenzwerte für ultrafeinen Feinstaub gibt es im Gegensatz zu gröberen Schmutzpartikeln nicht. Moderne Kreuzfahrtschiffe besitzen Abgassysteme, die die Giftstoffe aus den Emissionen herausfiltern. Ultrafeiner Feinstaub wird hierbei aber nicht berücksichtigt. Den blasen die Schiffsmotoren munter weiter in die gar nicht mehr so klare und gesundheitsfördernde Meeresluft hinaus. (spiegel.de / FL)

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