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Halal-Tourismus: Gläubige Muslime empfangen

Die Tourismus-Branche entdeckt mehr und mehr das Gäste-Potenzial aus muslimischen Ländern. Aber auch Inlandstouristen muslimischen Glaubens sollen ein halal-konformes Reiseerlebnis geboten bekommen. Aber was versteht man eigentlich unter „halal“?

Mittwoch, 01.02.2017, 11:57 Uhr, Autor: Felix Lauther
Arabischer Mann schüttelt Geschäftsmann die Hand

Halal-Tourismus könnte auch für das deutsche Gastgewerbe eine lukrative Einnahmequelle werden (© luckybusiness / fotolia)

Wenn ein gläubiger Muslim auf Reisen geht, fühlt er sich in einem Hotelzimmer samt Koran, Gebetsteppich und Richtungspfeil gen Mekka willkommen. Für Moslems ist eine Ausübung ihrer Religion keine Frage zwischen „entweder oder“, sondern ein „ohne wenn und aber“. Hoteliers und Gastronomen haben den Markt der sogenannten Halal-Reisen für sich entdeckt. Ein Begriff, der für Anhänger der muslimischen Glaubensrichtung mehr umfasst, als eine Ausgabe des Korans oder das Vorhandensein eines Gebetsteppichs. „Halal bezieht sich in der islamischen Tradition auf das, was in der Ernährung erlaubt ist. Doch es gab eine exponentielle Verwendung des Begriffs auch in anderen Aspekten des alltäglichen Lebens“, erklärt Syed Furrukh Zad Ali Shah, der an der Uni Erfurt zu Halal-Ökonomie forscht. Im Interview mit der Nordwest Zeitung (NOZ) inkludiert er neben anderen Lebensbereichen eben auch das Halal-Reisen  – ein Tourismus-Angebot, das mit dem islamischen Recht vereinbar ist.

Halal ist eine Lebensform und keine Marotte
Hoteliers und Gastronomen, die halal-konforme Angebote für muslimisch-gläubige Touristen in ihr Repertoire mitaufnehmen wollen, müssen mehrere Kriterien erfüllen.

Nach dem islamischen Rechtsverständnis, der Scharia, ist es den Moslems z. B. nicht erlaubt, Schweinefleisch zu essen. Das gilt auch für Produkte, die tierische Inhaltsstoffe vom Schwein enthalten. Andere Tiere dürfen nur gegessen werden, wenn sie nach ritueller Form des Ausblutens (Schächten), geschlachtet wurden. Der Verzehr von Blut ist Muslimen und Juden nicht gestattet.

Das Hotel „Adlon Kempinski“ hat sich auf Gäste muslimischen Glaubens bereits professionell eingestellt. Die Luxus-Herberge bezieht ihr Essen von nahe gelegenen arabischen Restaurants, wie Samy Hamad, Director of Governmental, gegenüber der NOZ erklärt.

Alkohol ist für Moslems tabu
Alkoholische Getränke sind für Moslems ebenfalls tabu. Daher gilt für Hoteliers: Mini-Bar von allen Alkoholika frei machen. Wer für einen besonderen Willkommensgruß auf dem Hotelzimmer sorgen will, der legt einen Gebetsteppich, Koran und Kompass neben das Bett. Der Kompass weist den Weg Richtung Osten, wo im saudi-arabischen Mekka der heiligste Ort für Muslime auf der ganzen Welt zu finden ist.

Hotels, die sich auf Halal-Reisende fokussiert haben, besitzen sogar getrennte Gebetsräume für die Geschlechter sowie eine generelles Alkohol-Verbot im gesamten Hotel. Halal-spezifische Ausrichtungen betreffen aber auch den SPA-Bereich des Hotels. „Pools, SPA- und Wellnesseinrichtungen sind in Halal-Hotels oftmals nach Geschlechtern getrennt oder besitzen einen Sichtschutz“, erklärt Ufuk Seçgin vom Reiseveranstalter Halal Booking gegenüber der Nordwest Zeitung. „Falls nicht, tragen die Frauen einen Burkini.“ Männer sollten knielange Badehosen anziehen.

Reisefreudige Gäste von der arabischen Halbinsel
7 Prozent der Gäste im Adlon Kempinski kommen aus dem arabischen Raum und Indonesien, sagt Samy Hamad. Der Trend geht steil nach oben. Seit den 90-Jahren wächst der Wohlstand auf der arabischen Halbinsel kontinuierlich. Eine muslimisch geprägte Ober- und Mittelschicht hat das Reisen in entfernte Länder für sich entdeckt. Geld ist reichlich vorhanden. Wer im Gastgewerbe an der großen Torte mitknabbern will, der sollte diesen Trend nicht verschlafen. (Nordwest Zeitung / FL)

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