„Lieferbörse" für Gastronomen startet in Hamburg
Die Suche nach neuen Lieferanten kann für Restaurants, Cafés und Großküchen zeitaufwendig sein. Eine neue Plattform soll diesen Prozess vereinfachen: Am 1. November 2026 startet daher in Hamburg eine die Lieferbörse.
Wie das Modell funktioniert, wo der tatsächliche Nutzen für Gastronomen liegt und welche Herausforderungen noch bestehen, erklärt Gründer Patrick Garbatowski im exklusiven HOGAPAGE-Interview.
Herr Garbatowski, mit der Lieferbörse wollen Sie Gastronomen die Suche nach Lieferanten erleichtern. Wie stellen Sie sicher, dass die Betriebe dabei tatsächlich wettbewerbsfähige Angebote erhalten?
Jedes Gesuch sehen mehrere geprüfte Lieferanten. Allerdings weiß keiner, wie viele Mitbewerber dasselbe Gesuch erhalten. Das soll faire Preise fördern – auch bei Nischenprodukten. Preisabsprachen mit Lieferanten gibt es nicht und wird es auch künftig nicht geben.
Die Lieferbörse ist ein Ort zum Kennenlernen und Vernetzen. Ich vermittle Kontakte, und nur dafür zahlen die Lieferanten. Kleine Betriebe sparen beim Einkauf erfahrungsgemäß weniger Geld. Ihr Vorteil liegt vor allem in der Zeitersparnis, etwa wenn sie bislang täglich selbst zur Metro fahren. Bei größeren Betrieben und Ketten sehe ich dagegen häufig erhebliches Einsparpotenzial.
Ein Gesuch soll in rund zwei Minuten eingestellt sein. Wie viele Lieferanten braucht es, damit daraus ein echter Angebotsvergleich wird?
Aus meiner Sicht braucht es dafür mindestens drei aktive Lieferanten je Warengruppe. Ganz ehrlich: So weit bin ich noch nicht überall. Das ist das klassische Henne-Ei-Problem. Deshalb spreche ich Lieferanten persönlich an und biete ihnen Einführungskonditionen an.
Für ein Gesuch müssen Gastronomen lediglich Artikel, Menge, Lieferrhythmus und Stadtteil angeben. Die Plattform schlägt passende Artikel beim Tippen vor. Alternativ können Nutzer eine alte Rechnung fotografieren, die anschließend ausgelesen wird. Antworten der Lieferanten kommen per E-Mail, sodass die Betriebe nicht ständig die Plattform kontrollieren müssen.
Was bedeutet das für Gastronomen, die die Lieferbörse direkt zum Start nutzen möchten?
Sie sollten anfangs etwas Geduld mitbringen. Die Zahl der registrierten Lieferanten veröffentliche ich bewusst nicht. Auf der Startseite können Lieferanten dagegen live sehen, wie viele Gastronomiebetriebe bereits registriert sind.
Jede Registrierung wird vor der Freischaltung persönlich geprüft. Fällt ein Lieferant kurzfristig aus, können Betriebe eine Notfall-Anfrage verschicken, die per E-Mail an alle passenden Lieferanten geht.
Hamburg ist erst der Anfang. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Lieferbörse in weiteren Städten funktioniert?
Eine neue Stadt kommt hinzu, wenn sich die vorherige trägt. Dafür brauchen wir genügend Lieferanten je Warengruppe, regelmäßige Gesuche und eine verlässliche Prüfung der Registrierungen. Zusätzlich suche ich vor Ort Partner, beispielsweise Verbände und Großmärkte.
Ab Januar 2027 soll Hannover folgen. Dort habe ich studiert und die Stadt lieben gelernt. Danach sollen abhängig vom Erfolg weitere Großstädte hinzukommen – langfristig im besten Fall ganz Deutschland. Registrierungen außerhalb Hamburgs sind bereits möglich. Aktuell empfehle ich das allerdings vor allem Betrieben mit größeren Abnahmemengen.
Wie soll das Geschäftsmodell langfristig sowohl für kleine Cafés als auch für größere Gastronomieunternehmen attraktiv bleiben?
Für Gastronomen bleibt die Nutzung kostenlos und ohne Mindestabnahmemenge. Lieferanten zahlen gestaffelt nach Warenwert oder Anzahl der Betriebe. So soll sich auch die Vermittlung eines kleinen Cafés lohnen, während Ketten direkt für mehrere Standorte suchen können.
Unser Ziel ist es, den Einkaufsprozess einfacher zu machen und Betrieben den Zugang zu passenden Lieferanten zu erleichtern. Entscheidend wird sein, dass sich in den einzelnen Regionen genügend Anbieter beteiligen und die Plattform regelmäßig genutzt wird.
Herzlichen Dank für das aufklärende Gespräch!
(Lieferbörse/KAGI)