Studie

Gastronomie und Hotellerie in Gründerstimmung

Trotz Personalmangel und steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen zeigt die deutsche Hotellerie und Gastronomie Gründermut. Im Jahr 2021 verzeichnete das Handelsregister so viele Hotel-Neugründungen wie noch nie zuvor. Und auch die Gastronomie blüht auf.

Donnerstag, 14.07.2022, 11:37 Uhr, Autor: Sarah Kleinen
Nachfrage im Gastgewerbe steigt an

Für das deutsche Gastgewerbe war 2021 ein Jahr des Aufbruchs. (Foto: © Rido/stock.adobe.com)

Laut Medienberichten befindet sich Deutschlands Gastronomie und Hotellerie nicht in Feierstimmung. Gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise sowie fehlendes Personal machen der Restaurant- und Beherbergungsbranche das Leben schwer. Doch ein Blick ins Handelsregister sorgt für Überraschungen: Noch nie gab es so viele im Handelsregister erfasste Hotel-Neugründungen wie 2021 und auch das Gastgewerbe blüht auf. Wie lassen sich diese Tatsachen unter einen Hut bringen?

Deutschland in Reiselaune

Im Juli dieses Jahres verzeichnete das Handelsregister 18.453 aktive Beherbergungsbetriebe. Alleine im vergangenen Jahr öffneten 1.139 Hospitality-Unternehmer ihre Tore für Gäste – bei einem historischen Tiefstand von 72 Insolvenzen. So wenige Schließungen gab es zuletzt im Jahr 2001. Den mit Abstand größten Anteil an Beherbergungsbetrieben, gemessen an der Anzahl aller aktiven Unternehmen im Bundesland, hält Mecklenburg-Vorpommern mit 2,3 %. Das Schlusslicht bildet Bremen mit 0,54 %.

Laut Statista planen 30,6 % der Deutschen ihren Urlaub dieses Jahr im eigenen Land. Ein Trend, der sich auch schon 2021 abzeichnete und in Ursachen wie Pandemie bis Klimawandel begründet liegt. Diese Reisenden müssen zwangsläufig in ihren Zielregionen unterkommen, was zur positiven Gründungsstimmung der Beherbergungsbranche beiträgt.

Gründerstimmung auch im Gastgewerbe

Auch für das deutsche Gastgewerbe war 2021 ein Jahr des Aufbruchs. Von den insgesamt 50.577 aktiven gastronomischen Betrieben gründeten sich 4265 im vergangenen Jahr. Bei nur 394 Betrieben blieb 2021 aufgrund von Insolvenz die Küche kalt. Das quantitativ breiteste gastronomische Angebot bietet Berlin mit einem Wirtschaftsanteil von 3,3 %, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern. Brandenburg markiert mit 1,82 % das Ende der Tafel.

Weibliche Gründer

In puncto weibliche Führungskräfte hat die Hotellerie die Nase vorn: 27 % aller Unternehmensleiter sind weiblich. Im direkten Vergleich kommt das Gastgewerbe auf gerade mal 21 %.

Lockdown-Pausen nutzen, agil denken

Während der vergangenen zweieinhalb Jahre hat sich die komplette Hospitality-Branche stark verändert. Regionale Netzwerke unter Gastronomen und Erzeugern, erweiterte Verkaufskanäle über Take-aways und schnelle Reaktion auf neue Regelungen sicherten vielen Betrieben das Überleben.

„Gastronomie und Hotellerie haben während der Pandemie Transformationsprozesse durchlaufen und sich breiter aufgestellt“, meint Alexander Hiller, Geschäftsführer von Databyte. „Durch Agilität und brancheninternen Austausch entstand Resilienz in der Krise. Das konnten wir beispielsweise in Hamburg mit dem Barkombinat miterleben; ähnliche Modelle formierten sich in anderen Städten.“

(Databyte/SAKL)

Weitere Themen