Gastro-Team stärken: Tipps für bessere Zusammenarbeit
Wenn im Restaurant Hochbetrieb herrscht, bleibt wenig Zeit für lange Absprachen. Umso wichtiger ist es, dass sich die Mitarbeiter aufeinander verlassen können.
Doch wie gelingt das im hektischen Alltag? Und warum sind klare Ansagen nicht dasselbe wie ein rauer Umgangston? Im HOGAPAGE-Interview gibt Karolina Zappel, Senior People Manager Talent bei Orderbird, Tipps für eine bessere Teamarbeit in der Gastronomie.
Was macht ein Gastro-Team krisenfest? Welche Strukturen braucht es, damit die Zusammenarbeit auch im voll besetzten Restaurant funktioniert?
Ein krisenfestes Team zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sich alle aufeinander verlassen können. Diese Verlässlichkeit ist heute essenzieller denn je, da die Branche massiv mit personellen Engpässen zu kämpfen hat – sei es durch den akuten Fachkräftemangel oder krankheitsbedingte Ausfälle infolge der enormen Arbeitsbelastung.
Gerade in der Gastronomie, in der mehrere Gäste gleichzeitig versorgt werden müssen und es kurzfristig zu Änderungen kommen kann, braucht es klare Zuständigkeiten und Abläufe. Jeder sollte wissen, welche Aufgaben in den eigenen Zuständigkeitsbereich fallen und wer bei Fragen oder Unklarheiten die richtige Anlaufstelle ist.
Gleichzeitig müssen Teams flexibel bleiben. Wenn in der Küche plötzlich viel zu tun ist oder im Service unerwartet Gäste hinzukommen, sollten sich die Mitarbeiter gegenseitig unterstützen. Dafür braucht es Vertrauen und ein gutes Miteinander – und damit ein Arbeitsumfeld, in dem sich die Mitarbeiter sicher und wertgeschätzt fühlen.
Worauf kommt es beim Zusammenspiel von Küche und Service besonders an?
Die Arbeit in Küche und Service ist zwar unterschiedlich, verfolgt aber das gleiche Ziel: den Gästen ein rundum gelungenes Erlebnis zu bieten. Damit das gelingt, müssen beide Seiten die Herausforderungen und Arbeitsabläufe der jeweils anderen verstehen.
Der Service muss beispielsweise einschätzen können, wie lange bestimmte Gerichte dauern. Die Küche wiederum ist darauf angewiesen, dass Bestellungen und Sonderwünsche klar und vollständig kommuniziert werden. Entscheidend ist daher, dass sich Küche und Service nicht als getrennte Teams verstehen, sondern als gleichberechtigte Teile eines Ganzen.
Auch wenn etwas schiefläuft, sollte es nicht darum gehen, die Schuld bei der jeweils anderen Seite zu suchen. Vielmehr gilt es, gemeinsam eine Lösung zu finden und aus Fehlern zu lernen. Ein respektvoller Umgang, transparente Kommunikation auf Augenhöhe und ein grundlegendes Verständnis für die Arbeit der anderen schaffen dafür die Basis.
Gerade während der Stoßzeiten muss die Kommunikation schnell und eindeutig funktionieren. Wie lassen sich Missverständnisse vermeiden?
Kommunikation ist das Fundament einer erfolgreichen Zusammenarbeit. Gerade im hektischen Gastroalltag müssen Informationen schnell und eindeutig bei den richtigen Personen ankommen. Unklare Absprachen kosten Zeit und können zu Missverständnissen führen.
Einheitliche, dem gesamten Team bekannte Abkürzungen sowie digitale Tools, die Bestellungen direkt an die Küche übermitteln, können Fehler minimieren. Sonderwünsche oder Allergien sollten dabei immer deutlich hervorgehoben werden, damit sie in der Küche nicht übersehen werden.
Darüber hinaus helfen feste Kommunikationswege und klare Zuständigkeiten. Auch kurze Übergaben zwischen den Schichten sind entscheidend, damit relevante Informationen nicht verloren gehen.
Welche Rolle spielt die Führungskraft, wenn es während des Services stressig wird?
Die Führungskraft hat in stressigen Situationen eine Vorbildfunktion. Wie sie selbst mit Druck umgeht, wirkt sich häufig auf die Stimmung im gesamten Team aus. Wer auch in hektischen Momenten Ruhe und Zuversicht ausstrahlt, gibt den Mitarbeitern Orientierung und Sicherheit.
Gleichzeitig ist es wichtig, den Überblick zu behalten, klare Prioritäten zu setzen und Aufgaben sinnvoll zu delegieren. Führungskräfte müssen bereichsübergreifend agieren, bei Engpässen flexibel unterstützen und zwischen den Abteilungen vermitteln können.
Dabei geht es nicht darum, jede Herausforderung selbst zu lösen oder alles zu kontrollieren. Entscheidend ist vielmehr, ein Umfeld zu schaffen, in dem alle Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen können.
In vielen Küchen gilt ein rauer Ton noch immer als normal. Ist das heute noch zeitgemäß?
Ein gewisses Maß an Direktheit ist in der Gastronomie durchaus notwendig. Wenn es während der Stoßzeiten schnell gehen muss, sind klare Ansagen hilfreich. Direktheit sollte allerdings nicht mit Respektlosigkeit verwechselt werden. Ein rauer, lauter Ton oder abwertende Kommentare sind weder notwendig noch hilfreich.
Gerade unter Druck zeigt sich, wie wichtig eine respektvolle Teamkultur ist. Mitarbeiter müssen sich darauf verlassen können, dass sie Fragen stellen, Probleme ansprechen oder um Unterstützung bitten können.
Natürlich kann es im stressigen Alltag auch einmal zu einem raueren Ton kommen. Umso wichtiger ist es, solche Situationen im Nachgang anzusprechen, wenn sich jemand angegriffen oder ungerecht behandelt fühlt. So lassen sich Missverständnisse frühzeitig klären, bevor sie sich zu größeren Konflikten entwickeln. Teams arbeiten langfristig besser zusammen, wenn sie sich gegenseitig respektieren und auch in schwierigen Situationen wertschätzend miteinander umgehen.
Wenn Sie einem Restaurant nur drei Regeln für eine bessere Zusammenarbeit mitgeben dürften: Welche wären das?
Regel Nummer eins: Sprecht miteinander, nicht übereinander. Offene und direkte Kommunikation hilft, Missverständnisse frühzeitig zu vermeiden und Konflikte zu lösen, bevor sie sich festsetzen.
Regel Nummer zwei: Unterstützt euch gegenseitig. Ein gutes Team erkennt, wenn jemand Hilfe braucht, und packt mit an. Gerade in stressigen Situationen sollte nicht nur jeder auf die eigene Aufgabe und Rolle schauen, sondern auch das gemeinsame Ziel im Blick behalten.
Und Regel Nummer drei: Begegnet euch auf Augenhöhe. Respekt und Wertschätzung sollten unabhängig von Position oder Aufgabenbereich selbstverständlich sein. Wer sich im Team ernst genommen fühlt, kann sich besser einbringen und übernimmt eher Verantwortung.
Über unsere Gesprächspartnerin
Karolina Zappel ist Senior People Manager Talent bei Orderbird, einem Anbieter digitaler Kassensysteme für die Gastronomie. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Recruiting, Candidate Experience, Stakeholder Engagement und strategische Personalgewinnung. Dabei beschäftigt sie sich insbesondere damit, wie Unternehmen passende Talente gewinnen, Bewerbungsprozesse verbessern und langfristig starke Teams aufbauen können.
(Orderbird/KAGI)