Einsparungsmaßnahmen

Wie das Gastgewerbe auf die steigenden Energiepreise reagieren kann

Weniger heizen oder den Gasherd gegen ein Elektromodell austauschen? Mit diesen Fragestellungen beschäftigt sich aktuell das Gastgewerbe angesichts steigender Energiepreise. Um Kosten einzusparen, sind verschiedene Maßnahmen denkbar. Doch nicht jede wird auch von den Gästen akzeptiert.
Dienstag, 09.08.2022, 14:38 Uhr, Autor: Sarah Kleinen
Pool im Hotel
Denkbar ist die Reduzierung der Temperatur in Pools oder Hotel- und Restaurantgebäuden, um dem Kostendruck durch die steigenden Energiepreise entgegenzuwirken. (Foto: © alhim/stock.adobe.com)

Angesichts steigender Energiekosten und einer möglichen Gasknappheit im Winter bereiten sich Hotels und Restaurants in Niedersachsen auf die kalte Jahreszeit vor. Heizungen, Pools, Kühlungen – „es wird die gesamte Bandbreite an Energiesparmaßnahmen erneut durchdekliniert“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Niedersachsen, Rainer Balke. Auch Preiserhöhungen seien kein Tabu.

Hotels und Restaurants stünden unter einem enormen Kostendruck. Denkbar sei deshalb die Reduzierung der Temperatur in Pools oder Hotel- und Restaurantgebäuden. Betriebe würden beispielsweise bereits Heizungsanlagen neu einstellen und energieintensive Geräte abschalten oder ersetzen, sagt Rainer Balke. „Alles was schon seit Jahren propagiert wird, bekommt nun unter dem enormen Kostendruck eine neue Bedeutung.“

„Nicht jede Preiserhöhung wird vom Kunden akzeptiert“

Teilweise würden Entscheidungen aus der Vergangenheit rückgängig gemacht. Etwa in Restaurantküchen, wo nun wieder die als träge geltenden Elektroherde als Alternative zum Gasherd ein Thema sind. „Die Kosten müssten dabei immer berücksichtigt werden“, sagt Rainer Balke.

Das gelte auch für die Kosten der Kunden. „Nicht jede Preiserhöhung wird vom Kunden akzeptiert“, sagt der Dehoga-Geschäftsführer. Viele Betriebe stünden aber mit dem Rücken zur Wand und würden ohne höhere Preise nicht überleben. Maßhalten sei das Gebot der Stunde. Klar sei zudem, dass Gäste keine ungeheizten Hotels oder Restaurants akzeptieren würden. „Wohlfühlen gehört zum Gastgewerbeerleben dazu.“

Outdoor Kitchen und Zimmer zum Kaltpreis

Im Harz hat das „The Hearts Hotel“ bereits auf die steigenden Kosten reagiert (HOGAPAGE berichtete). Statt auf dem Gasherd in der Hotelküche brutzelt es dort in einer unter freiem Himmel aufgebauten Küche mit Holzkohlegrill. Auch die Gäste sitzen noch bis Ende September draußen. „Die Rückmeldungen sind verständnisvoll bis positiv“, sagt Hotelgeschäftsführer Meik Lindberg.

Für Übernachtungsgäste könnte es in dem Hotel künftig ein neues Bezahlmodell geben: Zimmer zum Kaltpreis. Tagsüber würden die Zimmer auf maximal 21, nachts höchstens 17 Grad geheizt. Das Hotel versuche Energie zu sparen, „bis zu einem erträglichen Wert, der uns als Gastgeber möglich ist“, sagt Meik Lindberg. Wer sein Zimmer lieber wärmer möchte, der müsse draufzahlen. Eine Software steuere die einzelnen Zimmertemperaturen genau.

Der Hotelchef weiß aber auch, dass die Preisschraube ein sensibles Thema ist. Im Augenblick lägen die Vorabbuchungen etwa 50 Prozent unter denen eines gewöhnlichen Augustes. Die Hälfte der Buchungen kämen erst zwei Wochen vor der Anreise herein.

(dpa/SAKL)

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