HOGAPAGE-Interview

Warum das Moa Berlin künftig ohne Franchise-Logo agieren will

Philip Ibrahim und Conny Doß
Philip Ibrahim und Conny Doß sprechen mit HOGAPAGE über den Weg des Moa Berlin in die Eigenständigkeit. (Foto: © MOA Berlin)
Nach zehn Jahren löst sich das Moa Berlin aus dem Accor-Franchise. Im Interview mit HOGAPAGE erklären Conny Doß, Director Commercial & Strategy, und General Manager Philip Ibrahim die Hintergründe – und welche Strategie hinter der Neupositionierung als hybrider „Urban Hub“ steckt.
Donnerstag, 29.01.2026, 13:43 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Frau Doß, das Moa Berlin hat sich aus dem Accor-Netzwerk gelöst. Was waren die Gründe hierfür?

Conny Doß: Nach zehn Jahren Franchise war es Zeit, das Korsett abzulegen. Wir haben uns bewusst gegen die anonyme „Konzernlogik“ entschieden, weil wir überzeugt sind, dass heute Relevanz die reine Reichweite schlägt. Wir wollen technologisch schneller und unternehmerisch freier sein. Unabhängigkeit ist für uns kein Romantizismus, sondern kühles Kalkül: Wir sparen Franchisegebühren und investieren diese Mittel direkt in die eigene Marke, in Qualität und in unser Team.

Herr Ibrahim, wodurch wurde das Moa Berlin im Franchise-Netzwerk denn bisher begrenzt?

Philip Ibrahim: Ein Franchise-System ist per Definition auf Standardisierung ausgelegt. Wir aber leben von Individualität und unserer „Berlin-DNA“. Kettenstandards sind oft der kleinste gemeinsame Nenner. Wir stießen an Grenzen, wenn es darum ging, radikal lokal zu agieren – etwa bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten aus dem Kiez oder bei der schnellen Umsetzung von neuen, unkonventionellen Ideen. Zudem wollten wir keine starren Standard Operating Procedures (SOP) mehr, die in einer Zentrale entschieden werden, aber nicht zu Moabit passen.

Moa Berlin - Außenansicht
Das Moa Berlin löst sich nach 15 Jahren im Accor-Franchise von dem Netzwerk. (Foto: © MOA Berlin)

Und welche Vorteile bietet nun die Unabhängigkeit?

Conny Doß: Der größte Vorteil ist Geschwindigkeit. Agilität schlägt Bürokratie. Wir können morgens eine Idee haben und sie abends für den Kunden umsetzen, ohne Konzernschleifen drehen zu müssen. Zudem definieren wir unsere Qualitätsstandards nun selbst z. B. im Bereich Nachhaltigkeit, wo wir als GSTC-zertifiziertes Haus eine Vorreiterrolle einnehmen.

Philip Ibrahim: Und wir gewinnen Authentizität. Wir müssen uns nicht mehr an eine globale Marke anpassen. Wir bauen keine Mauern aus Vorgaben, sondern Brücken in den Kiez.

Aber welche strategischen Ziele werden mit dem Ausstieg verfolgt?

Conny Doß: Unser Ziel ist die Etablierung des Moa Berlin als führender, unabhängiger „Urban Hub“. Wir transformieren Berlins zweitgrößte Eventkapazitäten von einer reinen Fläche in eine technologiegetriebene Produktionsstätte. Wir wollen beweisen, dass ein Haus unserer Größe (336 Zimmern und 7.500 m² Fläche) ohne Franchise-Logo profitabler und profilierter am Markt agieren kann.

Wieso soll das Moa Berlin denn fortan als hybrides „Urban Hub“ positioniert werden? Was verspricht man sich von dieser Ausrichtung?

Philip Ibrahim: Weil wir framing-technisch weg wollen vom reinen Begriff „Hotel“, der nur „Schlafen & Frühstücken“ impliziert. Ein Urban Hub ist ein hybrider All-in-One-Space, an dem die Grenzen zwischen Business-Reise, lokalem Nachbarschaftsleben und New Work verschwimmen.

Conny Doß: Das Versprechen lautet: „More than just a hotel“. Wir vernetzen unsere Bereiche Moa Stay, Moa Meet, Moa Eat und Moa Work zu einem Ökosystem. Der CEO aus London kann bei uns tagen, im Coworking arbeiten und abends mit dem Nachbarn aus der Stephanstraße an der Bar sitzen.

Warum ist denn gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für den Ausstieg aus dem Accor-Franchise gekommen?

Philip Ibrahim: Wir sind erwachsen geworden. Nach 15 Jahren passt der Maßanzug „Franchise“ einfach nicht mehr. Wir sind aus dem Standard herausgewachsen. Zudem verlangt der Markt heute nach „echten“ Erlebnissen. Der Gast will keinen Standard, er will das Lokale, das Unverwechselbare. Mit dem Auslaufen der Verträge zum Januar 2026 war jetzt der logische Moment für diesen Schritt.

Und was bedeutet die neue Eigenständigkeit für Gäste und Veranstalter, aber auch für das Personal?

Conny Doß: Für Veranstalter bedeutet es vor allem eins: Mehr Sicherheit und Flexibilität. Wir bieten „Production not just Location“. Da wir Technik und Regie im Haus haben und selbst entscheiden, eliminieren wir das Schnittstellenrisiko externer Dienstleister. Gleichzeitig können die Verhandlungen mit Organisatoren, Entscheidern individueller erfolgen.

Und für unsere Talente? Sie dürfen noch mehr sie selbst sein. Wir stellen Charaktere ein, keine Lebensläufe. Unsere Unabhängigkeit erlaubt uns, Diversität und New Work noch radikaler zu leben.

Philip Ibrahim: Ja, und für den individuellen Gast wird das Erlebnis persönlicher – von der Buchung bis zur Abreise und darüber hinaus. Er bekommt „mehr Moa“ für sein Geld, da wir die gesparten Gebühren in das Gasterlebnis reinvestieren.

Was sind denn die Zukunftspläne für das Moa Berlin als eigenständige Marke?

Conny Doß: Wir haben eine klare Roadmap auf drei Säulen. Erstens werden wir unsere Positionierung als „Sustainable Berlin Leader“ weiter ausbauen. Nachhaltigkeit ist bei uns keine Option, sondern Standard, den wir nun selbst noch strenger definieren können.

Zweitens gehen wir im Vertrieb in die Offensive: Wir stocken unser eigenes Sales-Team massiv auf, um internationale Märkte nun direkt und proaktiv zu erschließen. Wir wollen weg vom passiven Empfangen von Systembuchungen hin zu aktiver Akquise.

Und drittens investieren wir signifikant in die eigene Marke. Wir fahren die Budgets für Online- und Offline-Marketing deutlich nach oben, um unsere Visibilität weltweit zu erhöhen. Wir zeigen dem Markt jetzt laut und deutlich, wer das Moa ohne Franchise-Logo ist.

Und inwiefern wird sich die Marken- und Vermarktungsstrategie – national und international – ändern?

Conny Doß: Wir tauschen die „globale Gießkanne“ des Konzernvertriebs gegen eine gezielte, agile Marktbearbeitung. Wir haben eine sehr treue Stammkundschaft und eine starke eigene Vertriebsmannschaft. Im MICE-Bereich positionieren wir uns klar über unser Alleinstellungsmerkmal der Inhouse-Produktion („Sicherheit mieten“).

National und international verkaufen wir Planungssicherheit auf Konzern-Niveau, aber mit der Persönlichkeit eines inhabergeführten Hauses.

Ist denn auch eine Expansion der Marke geplant?

Conny Doß: Unser Fokus liegt aktuell voll auf der qualitativen Expansion des Standorts Berlin als Leuchtturm-Projekt. Wir wollen zeigen, dass unser Modell „Congress, Kiez & Culture“ wirtschaftlich und kulturell nachhaltig trägt. Wir investieren in die Tiefe der Marke, nicht primär in die Breite neuer Standorte. Wir maximieren die Wertschöpfung pro Quadratmeter durch unsere diversifizierten Submarken Moa Meet, Work, Stay und Eat.

Zu guter Letzt: Wofür soll das Moa Berlin in Zukunft stehen?

Philip Ibrahim: Für drei Worte: Congress, Kiez & Culture. Wir stehen für die Verbindung von Berlins zweitgrößten Eventkapazitäten mit echter Nachbarschaftsliebe und einer wertebasierten Haltung.

Conny Doß: Wir stehen für den Beweis, dass Qualität keine Kette braucht. Wir positionieren uns als das führende unabhängige Haus der Stadt, das die Verlässlichkeit eines internationalen Players mit echter Berliner Identität verbindet – Professionell, profitabel und persönlich.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Doß und Herr Ibrahim!

(SAKL)

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