Steigende Energiepreise: Hotels müssen ihre Prioritäten neu setzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben
Steigende Energiepreise setzen Hotels zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Eigentümer ihre Betriebe widerstandsfähiger aufstellen und Energie effizienter nutzen. Im HOGAPAGE-Gastkommentar erläutert Cristina de Oliveira-Frewen, Chief Operating Officer, Franchise Operations Europe & North Africa (excluding France), Premium, Midscale & Economy Marken bei Accor, welche Maßnahmen jetzt entscheidend sind:
Energiepreise werden zum dauerhaften Kostenfaktor
Die erneut steigenden Energiepreise infolge globaler Unsicherheiten dürften vielen Hoteleigentümern nur allzu bekannt vorkommen. Nachdem zahlreiche Betriebe nach der Pandemie wieder an Dynamik gewonnen und den ersten energiebedingten Kostenschub im Zuge geopolitischer Entwicklungen weitgehend aufgefangen haben, steigen die Ausgaben nun erneut.
Ein wesentlicher Teil dieser Entwicklung liegt außerhalb des direkten Einflussbereichs der Branche. Geopolitische Spannungen, Energiemärkte, regulatorische Rahmenbedingungen und Infrastruktur spielen hier eine entscheidende Rolle und werden den Hotelmarkt auch künftig prägen. Doch das bedeutet keineswegs, dass Eigentümer machtlos sind. Die vergangenen Jahre haben vielmehr gezeigt, dass langfristige Resilienz zu einer zentralen Priorität werden muss.
Hotels sind energieintensive Betriebe und arbeiten rund um die Uhr. Der Energiebedarf reicht von Heizung und Kühlung über Beleuchtung und Wasserversorgung bis hin zu Gastronomie und Freizeitangeboten. Steigen die Energiepreise, geraten Margen schnell unter Druck. Solche Kostenschübe sind keine vorübergehende Phase mehr, sondern Teil einer neuen Realität. Eigentümer müssen daher Lösungen finden, um Investitionen und Assets langfristig gegen künftige Schwankungen abzusichern.
Energieeffizienz und intelligente Steuerung
Viele wirksame Hebel liegen dabei im direkten Einflussbereich der Eigentümer. Energieeffizienz ist der naheliegendste und zugleich wirtschaftlich sinnvollste Ausgangspunkt. Viele Hotels haben hier bereits wichtige Fortschritte erzielt, dennoch besteht in zahlreichen Bereichen weiteres Potenzial. Dazu zählen etwa die Verbesserung von Dämmung und Verglasung sowie Investitionen in moderne HVAC-Systeme, Wärmepumpen und flächendeckende LED-Beleuchtung. Solche Maßnahmen reduzieren nicht nur den Energieverbrauch, sondern erhöhen auch die Planbarkeit der Kosten.
Ein weiterer Schlüssel liegt im intelligenten Gebäudemanagement. Moderne Systeme ermöglichen eine Echtzeitüberwachung, automatisierte Steuerung und datenbasierte Optimierung des Energieeinsatzes. Belegungssensoren oder Keycard-Systeme können Heizung, Kühlung und Licht automatisch an die tatsächliche Nutzung anpassen. So verbrauchen leere Zimmer keine unnötige Energie, während der Komfort für Gäste erhalten bleibt, ohne den operativen Aufwand zu erhöhen.
Erneuerbare Energien und sichere Beschaffung
Auch die Eigenversorgung mit erneuerbaren Energien gewinnt an Bedeutung. Photovoltaik-Anlagen sind zwar nicht für jedes Hotel die optimale Lösung, können aber bei vielen Objekten die Abhängigkeit von externen Energiepreisen spürbar reduzieren und gleichzeitig die Nachhaltigkeitsbilanz verbessern. Gleiches gilt für Energiespeicherlösungen.
Auch die Beschaffungsstrategie spielt eine wichtige Rolle. Langfristige Energieverträge, eine Diversifizierung der Anbieter sowie eine engere Abstimmung mit Betreibern bei Prognosen und Verbrauchssteuerung können dazu beitragen, Risiken abzufedern und Planungssicherheit zu erhöhen. Gezielte Schulung von Mitarbeitern leisten dazu einen wertvollen Beitrag, um Energie effizient einzusetzen, ohne das Gästeerlebnis zu beeinträchtigen.
Nachhaltigkeit sichert Immobilienwerte
Resilienz bedeutet jedoch mehr als reine Kostenkontrolle. Zunehmend geht es auch um die Zukunftssicherheit von Immobilienwerten. Investoren, Finanzierer und Partner achten stärker denn je auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeitsstandards. Hotels mit hohem Energieverbrauch, großer Preisabhängigkeit oder regulatorischen Risiken geraten langfristig ins Hintertreffen. Häuser, die frühzeitig in ihre Widerstandsfähigkeit investieren, profitieren hingegen von besseren Finanzierungsmöglichkeiten und stärkeren Marktchancen.
Natürlich bleibt auch die Politik gefordert: Klare Rahmenbedingungen, verlässliche Regulierung und Investitionen in die Infrastruktur sind unerlässlich. Doch auf ideale externe Bedingungen zu warten, ist für Hoteleigentümer keine Option. Wer heute proaktiv handelt und Risiken gezielt reduziert, wird künftig Energiepreisschocks deutlich besser bewältigen können.
Investitionen in Nachhaltigkeit sind damit nicht nur eine Frage der Verantwortung, sondern zunehmend auch eine wirtschaftlich rationale Entscheidung und ein entscheidender Schlüssel für langfristigen Erfolg.
Wir bedanken uns bei Cristina de Oliveira-Frewen für diesen Gastkommentar!
(Accor/ SAHO)