Statement

„Service ist die ‚Droge‘ der Zukunft“

„Ernst, aber nicht hoffnungslos“, beschreibt Dirk Iserlohe, Aufsichtsratschef der Dorint Hotelgruppe die Lage der Hotellerie in 2022. Er ist optimistisch, dass die Zimmer-Raten im Falle einer notwendigen Leistungsanpassung weiter erhöht werden können.

Donnerstag, 14.04.2022, 13:17 Uhr, Autor: Karoline Giokas

Weniger leere Betten in den nächsten Monaten: Dorint AR-Chef ist für Frühjahr und Sommer optimistisch. (Foto: © Honestis AG)

Mussten Dorint das Jahr 2022 mit einem faktischen Lockdown starten, der bis Ende März für uns eine Belegung von nur 30,3 Prozent ermöglicht hat, so waren es immerhin 20 Prozentpunkte mehr als im Vergleichszeitraum des ersten Quartals 2021 von ca. 10 Prozent. Dennoch belieben das Geschäftsreisen- und das Veranstaltungs-Geschäft erneut fast vollständig aus. „Positiv ist zu bemerken, dass wir seit Mitte März nun einen positiven „Pick up“ (tägliche Erfassung des Buchungsstandes/kurzfristige Buchungen) von mehr als 1 Millionen Euro Umsatz pro Woche (wie schon im September 2021) verzeichnen können, der auch nachhaltig in den Büchern bleibt“, so Dirk Iserlohe.

„Sehr erfreulich ist die Bereitschaft der Kunden für eine gute Service-Leistung, auch eine faire, den Umständen angemessene Zimmer-Rate zu zahlen.“ So habe Dorint im Jahr 2021 die Rate von 96,3 Euro auf 102,1 Euro steigern können und gehe davon aus, in diesem Jahr nochmals eine Steigerung auf circa 110 Euro zu schaffen. Der Vorstand und Aufsichtsrat der Dorint Gruppe rechne in 2022 mit Umsatzvolumen von ca. 248 Millionen Euro (Vorjahr 121 Millionen Euro). „Der liegt allerdings immer noch ca. 25 Prozent unter dem vergleichbaren Umsatz 2019 (Vor-Corona-Niveau)“, betont der Aufsichtsratschef.

Voraussichtlich 75- bis 90-prozentige Auslastung über Ostern

Dennoch sei das Jahr 2022 immer noch von Verlusten geprägt. „Unterstellen wir mal, dass wir das Gröbste der Corona-Krise nun endlich hinter uns haben und uns der Herbst keinen nennenswerten Rückschlag mit gefährlicheren Covid-Varianten auferlegt, stehen wir nun vor weiteren Herausforderungen: Obwohl wir immer noch keine unserer Größenordnung angemessenen Corona-Hilfen verzeichnen konnten, rasen wir in gewaltigem Tempo in die kriegsbedingte Energiekosten-Krise, begleitet von einer stetig wachsenden Inflation.

Ferner werden die nachvollziehbaren Tariferhöhungen, die inflationsbedingten Pachterhöhungen sowie sonstige Kostensteigerungen unsere Branche mehr denn je belasten. Außerdem wird dieser Effekt die Rückkehr des Geschäftsreise- und Veranstaltungs-Geschäftes weiter verlangsamen, da unsere Kunden – genau wie wir – von den immensen Kostenerhöhungen betroffen sind.“

Die einzelnen Segmente werden anziehen

Iserlohe bleibe dennoch optimistisch! „Die Zimmerdurchschnittsraten sind in Deutschland im Vergleich zum übrigen Europa niedrig. Das ist für die Hotellerie im Falle einer notwendigen Leistungsanpassung eine große Chance, die Raten weiter zu erhöhen. Ich gehe zudem davon aus, dass die Segmente Leisure, Leisure-Group, Business und MICE – genau in dieser Reihenfolge – aufgrund des psychologischen Nachholeffektes exponentiell ansteigen werden. Der Zeitpunkt, wann jedes einzelne Segment anzieht, ist jedoch schwer zu bestimmen.

Im Leisure-Bereich ist diese Entwicklung allerdings bereits in vollem Gange. Für das Business-Segment müssen Firmenkunden weiter die Vorreiter-Rolle spielen. Das war gerade bei der Leitmesse Fruit Logistica im April in Berlin zu beobachten: In diesem Zeitraum waren die Berliner Hotels zum ersten Mal wieder ausgebucht. Es ist an der Zeit, in allen Bereichen des Hotels noch stärker auf Qualität zu setzen. Service ist die ‚Droge‘ der Zukunft – im Umfeld der weltweiten Unsicherheit, der bestehenden Ängste als auch des permanenten Wandels benötigen unsere Gäste Sicherheit und Geborgenheit, die wir ihnen in unseren Hotels von Sylt bis Kitzbühel bieten.“

(Dorint/KG)

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