Mit Schwung aus der Krise

„Schwieriger Mitarbeiter zu finden als vor Corona“

Im Hotel Hochschober auf der Turracher Höhe konnte man nach dem erzwungenen Lockdown wieder voll durchstarten. Manche Unsicherheiten bleiben allerdings.

Freitag, 03.07.2020, 11:06 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Die Hochschober-Eigentümer Karin und Martin Klein mit ihren aktuellen Stellvertretern Melanie Hauptmann und Darijo Vujicic

Die Hochschober-Eigentümer Karin (l.) und Martin Klein (2. V. r.) mit ihren aktuellen Stellvertretern Melanie Hauptmann und Darijo Vujicic, die mittelfristig als Nachfolger aufgebaut werden sollen. (© moritzhoffmann.com)

Das Hotel Hochschober auf der Turracher Höhe, einem Alpenpass zwischen Kärnten und der Steiermark, ist vor allem für seine riesige Wellness-Landschaft bekannt. Speziell der authentische China-Turm, der türkische Hamam oder der beheizbare und damit selbst im Winter nutzbare See sorgt seit vielen Jahren für eine hohe Zahl von (Stamm-)Gästen. Und die Positionierung dürfte stimmen, denn „für Juli und August sind wir schon so gut wie ausgebucht“, freut sich Eigentümerin Karin Leeb. Eine so gute Buchungslage hätte es zu diesem Zeitpunkt noch kaum je gegeben. „Wir bemerken, dass für viele Gäste der Urlaub bei uns vom Zweit- zum Haupturlaub geworden ist“, erklärt sie gegenüber HOGAPAGE. Im Gegensatz zu anderen Hotels wären auch in der Lockdown-Phase praktisch kaum Stornos für den Sommer hereingekommen und die restlichen Kapazitäten wären danach relativ schnell aufgefüllt gewesen. Dass rund drei Viertel der Gäste aus Österreich kommen, habe dabei wohl auch eine Rolle gespielt.

Gestaffelte Essenszeiten

Trotzdem sei die Anspannung im Team groß, man sei sich des Risikos und der Verantwortung bewusst und unternehme alles, um eine Clusterbildung im Hotel zu vermeiden. Dazu gehört etwa, dass alle Mitarbeiter mit Gästekontakt als Symbol für die Gäste zumindest bis 15. Juli ihre Gesichtsmasken freiwillig weiterhin tragen werden, überall in den Gästebereichen Spender für Desinfektionsmittel aufgestellt sind und bei den Essenszeiten versucht man – soweit möglich – die Gäste in zwei unterschiedlichen Slots zu verköstigen, um ein Gedränge an den Buffets zu vermeiden. Zudem werden nun etliche Speisen (u.a. der Kaffee in der Früh) serviert, die früher vom Gast selbst zu holen waren. „Es gab sogar kurz die Überlegung, das Frühstück komplett zu servieren, das haben wir aber schnell wieder verworfen, das ist vom Handling her praktisch unmöglich“, meint Leeb. Sie kenne selbst mehrere Betriebe, die das versucht und nach kürzester Zeit wieder aufgegeben hätten.

Höheres Arbeitslosen-Geld kontraproduktiv

Ein Problem, vor dem das Hochschober aktuell allerdings steht und mit dem man angesichts der aktuellen Situation im Tourismus kaum gerechnet habe, ist die Mitarbeitersuche. Leeb: „Das Hochschober beschäftigt 110 Mitarbeiter und 25 Lehrlinge. Aber neue Mitarbeiter zu finden ist derzeit fast noch schwieriger als vor Corona, was komisch klingt, denn eigentlich sollten derzeit mehr Leute auf dem Arbeitsmarkt sein.“ Doch viele Arbeitnehmer seien nach wie vor in Kurzarbeit, ein höheres AMS- bzw. Notstandshilfe-Geld mache die Jobsuche für viele zusätzlich unattraktiver.

MTB als Sommer-Standbein

Um indes als Destination für Gäste auch im Sommer attraktiver zu werden und u die vorhandene Infrastruktur ganzjährig nutzen zu können, setzen Hoteliers und Seilbahnbetreiber auf der Turrach seit kurzem stark auf das Thema Mountainbike. Schon seit gut zwei Jahren verfügt das Hochschober über einen Fuhrpark von 20 E-Bikes, die den Gästen bei geführten Touren kostenlos zur Verfügung stehen. Heuer wurden zusätzlich auch mehrere (Downhill-)Trails errichtet, auf denen auch die Action nicht zu kurz kommt. Wobei man sich hier bewusst familienfreundlich gibt. Die Trails sind zwar durchaus kurzweilig konzipiert, aber letztlich für jeden einigermaßen geübten Radfahrer problemlos bewältigbar. Hardcore-Trails mit Sprüngen überlässt man lieber anderen Destinationen.

 

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