Poolwasser parken statt verschwenden
Manchmal liegen nachhaltige Lösungen dort, wo man sie zunächst nicht vermuten würde – zum Beispiel unter dem eigenen Hotel. Im Wellnessresort „Das Stemp“ im niederbayerischen Büchlberg nutzt Hotelier Herbert Stemp die Tiefgarage als riesigen Wassertank. Die ungewöhnliche Idee zeigt, wie sich mit einem neuen Blick auf bestehende Infrastruktur Ressourcen schonen lassen.
Hotel nutzt Tiefgarage als Wasserspeicher
Wenn die Pools und der Schwimmteich des Vier-Sterne-Superior-Hotels grundgereinigt werden, muss das Wasser nicht im Abfluss verschwinden. Stattdessen wird es über vier Rohre in die Tiefgarage geleitet. Nach der Reinigung der Becken wird es wieder nach oben gepumpt.
Dafür muss die Garage entsprechend vorbereitet sein: Bevor das Wasser einströmt, werden die Autos entfernt und Boden sowie Wände gründlich gereinigt. Eine spezielle Beschichtung ermöglicht die Reinigung der Flächen. Hochwasserschutzelemente verhindern, dass das Wasser aus der Garage austritt. Anschließend kann das zwischengelagerte Wasser wiederverwendet werden.
6,5 Millionen Liter Wasser pro Jahr einsparen
Der Aufwand lohnt sich nach Angaben des Hotels: Rund 6,5 Millionen Liter Poolwasser sollen jährlich wiederverwendet werden. Das Wasser wird drei- bis viermal pro Jahr zwischengespeichert, wenn die Becken gereinigt werden müssen. Laut BR24 schätzt Stemp die Kosten, die durch ein Ablassen und anschließendes Neubefüllen entstehen würden, auf etwa 25.000 Euro jährlich.
Hintergrund für die regelmäßige Reinigung sind unter anderem Ablagerungen und sogenannter Biofilm, der sich an den Wänden und Böden der Naturbecken bildet. Die Reinigung dient damit auch dem optischen Anspruch, den Gäste an einen Wellnessbereich stellen.
Nachhaltigkeit beginnt mit neuen Ideen
Die Lösung ist Teil eines umfassenderen Nachhaltigkeitsansatzes im Familienbetrieb. Das Resort setzt bereits seit Jahren auf Energie aus regionalem Holz. Zwei Holzgasanlagen erzeugen Strom und Wärme. Hinzu kommen Photovoltaik und eine Agri-PV-Anlage, die Stromerzeugung mit weiterhin landwirtschaftlich nutzbaren Flächen verbindet.
Das Beispiel macht deutlich: Nachhaltigkeit in der Hotellerie muss nicht immer mit Verzicht oder sichtbaren Veränderungen für Gäste verbunden sein. Manchmal beginnt sie damit, vorhandene Räume und Abläufe neu zu denken. Was andernorts lediglich als Stellfläche für Autos dient, wird in Büchlberg zum Speicher für eine wertvolle Ressource.
Für Gastgeber kann es sich deshalb lohnen, den eigenen Betrieb aus einer anderen Perspektive zu betrachten: Wo gehen Wasser, Energie oder andere Ressourcen verloren? Und welche Infrastruktur lässt sich möglicherweise doppelt nutzen? Die Idee von Herbert Stemp zeigt, dass ungewöhnliche Lösungen nicht nur ökologische Vorteile bringen können, sondern unter den passenden Voraussetzungen auch wirtschaftlich interessant sind.
(BR24/Das Stemp/KAGI)






