Stiefkind Umweltschutz?

Nachhaltigkeit für Hotels oft unwichtig

Das Thema Umwelt- und Klimaschutz ist längst auch in der Hotellerie angekommen. Allerdings wird dieses Thema dort häufig noch nicht mit der notwendigen Priorität verfolgt.

Freitag, 15.11.2019, 13:00 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Willy Legrand

Prof. Dr. Willy Legrand ist seit 2003 Professor für Hospitality Management an der IUBH Internationalen Hochschule , Bad Honnef Campus. Schwerpunkte seiner Lehre sind nachhaltige Entwicklung und Nachhaltigkeit im Gastgewerbe sowie Tourismus und Marketing.

„Die Hotelbranche muss ihre Treibhausgasemissionen pro Zimmer pro Jahr bis zum Jahr 2030 um 66 Prozent und bis 2050 um 90 Prozent im Vergleich zum Ausgangswert von 2010 reduzieren. Betrachtet man jedoch zehn der größten Hotelunternehmen, so haben sich nur wenige davon Ziele gesetzt, die den auf der Wissenschaft basierenden Vorgaben entsprechen“, meint etwa Prof. Willy Legrand, der seit 2003 als Professor für Hospitality Management an der IUBH Internationale Hochschule, Bad Honnef Campus lehrt.

Einmalprodukte wie Mini-Shampooflaschen, Plastikpantoffeln und Becher zum Mitnehmen seien in den meisten Hotels Standard, allerdings würden diese allmählich von der Bildfläche verschwinden. Bisher hätten sich einige der größten Hotelketten wie Marriott und InterContinental Hotels dazu verpflichtet, diese Artikel zu reduzieren oder einfach abzuschaffen. Marriott will bis Ende 2020 Toilettenartikel aus seinen Hotels verbannen. „Die Aufmerksamkeit darf dadurch jedoch nicht vom Gesamtbild abgelenkt werden: Da ein großer Teil unserer CO2-Emissionen mit der Art und Weise zusammenhängt, wie wir unsere Gebäude planen, entwickeln, bauen, sanieren, nachrüsten sowie heizen, kühlen und lüften, umfasst das Gesamtbild sowohl die aktuell vorhandenen Hotelimmobilien als auch die geplanten Bauvorhaben“, sagt Legrand.

Der Professor sieht folgende Faktoren als Gründe für das mangelnde Engagement in der Hotelbranche:

Verbraucher: Diskrepanz zwischen Wunsch nach Nachhaltigkeit und Anforderungen an die Unterkunft

Reisende sind sich einig: Sie wünschen sich im Urlaub mehr Nachhaltigkeit. Prof. Legrand ist der Meinung, dass dies insbesondere für die Generationen Y und X gilt. Allerdings unterscheiden sich die Wünsche von Reisenden letztendlich von ihren tatsächlichen Anforderungen. Beispielsweise gingen nach der Ankündigung, dass Mini-Toilettenartikel in einigen der größten Hotelketten abgeschafft werden sollten (z.B. Marriott), online zahlreiche Beschwerden ein, laut denen diese Art von Artikeln überaus wünschenswert seien.

Invesoren und Eigentümer: Nachhaltigkeit ist ein niedrig priorisiertes Ziel

Legrand sieht ein großes Problem im fehlenden Zusammenhalt sowie in den unterschiedlichen Bedürfnissen aller Interessengruppen innerhalb einer Hotelkette. Sie verhindern eine effektive Entwicklung vieler der großen Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Elementar wäre ein Plan zur CO2-Neutralität, was bedeutenden Investitionen in die bestehende oder eine neue Hotelinfrastruktur gleichkommt. Da dies häufig in der Verantwortung der Investoren und/oder des Eigentümers liegt, wird das Kapital für Nachhaltigkeit aber lieber in die kurzfristigen Gewinn- und Wachstumsplänen der Gesellschafter weggeleitet.

 

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