Kreislaufwirtschaft in der Hotellerie funktioniert
Seit dem 12. August gilt die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Demnach dürfen ab Januar 2030 keine in Einwegplastik verpackten Lebensmittel oder Toilettenartikel für die Gastronomie verkauft werden – zum Beispiel Ketchup-Tütchen oder einzeln verpackte Seifenstücke.
Für Hotels, Restaurants und Cateringbetriebe wächst damit der Handlungsdruck. Aber wie passen ein schneller sowie gastfreundlicher Hotellalltag und Ressourcenschutz zusammen? Und was können Reisende zu mehr Nachhaltigkeit in Hotels beitragen?
Das zeigt ein neuer Report vom WWF Deutschland, der Kühne Logistics University (KLU), Motel One und Leonardo Hotels. In unterschiedlichen Projekten haben die Partner entlang der Kreislaufwirtschaftsprinzipien „Reduzieren, Wiederverwenden, Aufbereiten und Wiederverwerten“ erprobt, wie Ressourcen geschont, Abfälle vermieden und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile erzielt werden können.
Motel One vermeidet 423 Kilogramm Einwegplastik
In fünf Hamburger Motel-One-Häusern wurde im Projekt „Closing the Loop“ von Einweg- auf Mehrwegverpackungen umgestellt. Die bisherige Einweglösung für Obstsalat wurde dabei durch einen geschlossenen Mehrwegkreislauf ersetzt. Die Behälter wurden nach der Nutzung gesammelt, professionell gereinigt und anschließend erneut befüllt.
Während des Testzeitraums von drei Monaten kamen 2.261 Mehrwegbehälter zum Einsatz. Insgesamt konnten somit 423 Kilogramm Einwegplastik vermieden werden. Stabile Rückführungsquoten und eine geringe Ausschussrate bestätigten die Praxistauglichkeit des Systems. Die Erweiterungsphase des Projektes wurde bereits gestartet.
Das Projekt „Closing the Loop“ der Motel One Group ist zudem für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis „Produkte im Transformationsfeld Ressourcen 2027“ nominiert. Die Sieger werden am 3. Dezember 2026 in Düsseldorf ausgezeichnet.
Weniger Restmüll im Motel One Aachen
Ein zweites Pilotprojekt fand im Motel One Aachen statt. Dieses betraf die Abfalltrennung in den Gästezimmern. Dafür wurden Mülleimereinsätze getestet, um recyclingfähige Leichtverpackungen und Papier gezielter vom Restmüll zu trennen. Damit ließen sich im Schnitt 4,6 Tonnen Restmüll umverteilen und die Kosten für diese Abfallfraktion um rund 30 Prozent senken.
„Die potenzielle Kostenersparnis durch weniger Restmüll, die Vorteile für die Umwelt und das bei einem geringen Mehraufwand im Hotelbetrieb haben uns überzeugt dieses Projekt in Aachen direkt nach der Pilotphase fortzuführen“, sagt Verena Ferner, Group CR & Sustainability Manager der Motel One Group.
Leonardo Hotels setzt auf Wiederverwendung von Möbeln
Bei Leonardo Hotels Central Europe wurde das Prinzip der Kreislaufwirtschaft im Rahmen von Hotelübernahmen und Renovierungen erprobt. Vorhandenes Mobiliar wurde dabei daraufhin geprüft, ob es weiterverwendet, aufgearbeitet oder durch Remanufacturing weitergenutzt werden kann.
In den Pilotprojekten in Berlin und Hannover konnten Möbel nach Angaben des WWF in größerem Umfang weiterverwendet werden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen inzwischen auch in weitere Renovierungsprojekte ein.
Darüber hinaus wurden Recyclinglösungen für unterschiedliche Materialien wie Holz, Kunststoffe und Metalle umgesetzt. Die aus den Pilotprojekten gewonnenen Erfahrungen sollen die Grundlage dafür bilden, weitere Materialströme zu erschließen und bestehende Ansätze gemeinsam mit zusätzlichen Partnern weiterzuentwickeln.
„Die Pilotprojekte zeigen, dass Skalierbarkeit durch die systematische Betrachtung von Materialströmen und lokalen Rahmenbedingungen entsteht. Gleichzeitig wird deutlich, dass Kreislaufwirtschaft in der Praxis nur im Zusammenspiel mit geeigneten Partnern erfolgreich umgesetzt werden kann“, sagt Natascha Michaelsen, Senior Project Manager ESG/CSR Leonardo Hotels Central Europe.
Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette
Die Erfahrungen aus den Projekten zeigen nach Einschätzung der Beteiligten, dass Kreislaufwirtschaft insbesondere dann erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn sie in bestehende Betriebsabläufe integriert wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit Lieferanten, Dienstleistern, Recyclingunternehmen sowie die Einbindung der Mitarbeiter.
„Bemerkenswert ist aus unserer Sicht, dass die Lösungen nicht unter Laborbedingungen, sondern im laufenden Hotelbetrieb getestet wurden. Das Projekt zeigt, wie entscheidend dabei die enge Zusammenarbeit zwischen Hotels, Lieferanten, Logistikdienstleistern und Recyclingunternehmen sowie die aktive Einbindung und Motivation der Mitarbeitenden ist“, sagt Prof. Dr. Sandra Transchel, Professorin für Supply Chain und Operations Management, von der Kühne Logistics University (KLU).
Auch Gäste können nach Angaben des WWF zur Umsetzung beitragen – etwa durch die Nutzung angebotener Mülltrennungssysteme, den sorgsamen Umgang mit Mobiliar oder die Nutzung von Mehrwegangeboten.
WWF sieht wirtschaftliches Potenzial
Für den WWF zeigen die Pilotprojekte, dass Ressourcenschonung und wirtschaftliche Effekte miteinander verbunden werden können.
„Zu oft wird behauptet, Umweltschutz schade der Wirtschaft. Unsere Projektergebnisse beweisen für die Hotellerie einmal mehr das Gegenteil: Wer Ressourcen spart, Abfälle vermeidet und Materialien länger nutzt, kann gleichzeitig Kosten senken und die eigene Zukunftsfähigkeit stärken“, sagt Laura Griestop, Expertin für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland. „Die Ergebnisse leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Transformation der Hotellerie. Die Potenziale sind da – nun gilt es sie zu heben.“
(WWF Deutschland/Motel One Group/SAKL)