Umbau

Hotel Traube Tonbach präsentiert ersten Bauabschnitt der Modernisierung

Heiner, Renate, Sebastian und Matthias Finkbeiner stehen gemeinsam vor einer Wand aus Holzelementen
Das Führungsquartett der Traube Tonbach: Heiner, Renate, Sebastian und Matthias Finkbeiner von links. (Foto: © Rene Riis)
HOGAPAGE durfte sich vor Ort ein Bild von den 18 neuen Zimmern und Suiten und dem umgestalteten Hausgastrestaurant Silberberg machen. Die Familie Finkbeiner investierte bereits 14,8 Millionen Euro in die Zukunft ihres Hotels.
Freitag, 18.09.2026, 09:45 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Seit mehr als 235 Jahren befindet sich die Traube Tonbach in Baiersbronn im Besitz der Familie Finkbeiner. Nun setzt sie das größte Modernisierungsvorhaben ihrer Unternehmensgeschichte um. Bei einem Pressetermin konnte sich HOGAPAGE persönlich ein Bild von den ersten Ergebnissen machen: 18 neue Zimmer und Suiten im Rinkenkopf-Trakt, große Teile des Hausgastrestaurants Silberberg samt Außenterrasse sowie umfangreiche technische Erneuerungen. In den ersten Bauabschnitt fließen 14,8 Millionen €.

Beim Rundgang durch das Haupthaus wird deutlich, dass die Familie Finkbeiner nicht allein Oberflächen und Mobiliar austauscht. Neue Grundrisse, Gebäudetechnik, Brandschutz und Energieversorgung greifen ineinander. Dem Umbau liegt ein durchgängiger Plan für das gesamte Haupthaus zugrunde. Erst nachdem die gestalterische und technische Richtung feststand, legte die Familie die einzelnen Bauetappen fest. So sollen die Abschnitte später wie aus einem Guss wirken, obwohl zwischen ihnen längere Ruhephasen liegen.

Die grundlegende Erneuerung war bereits zu Beginn der 2020er-Jahre vorgesehen. Nach dem Brand des Stammhauses im Januar 2020 konzentrierte sich das Unternehmen zunächst auf den vollständigen Wiederaufbau des zerstörten Gebäudeteils. Anschließend wurde die Planung für das Haupthaus wieder aufgenommen und über rund zwei Jahre konkretisiert.

Heiner Finkbeiner, Hotelier und geschäftsführender Gesellschafter, erklärt: „Ich bin mit der Traube groß geworden und habe dieses Haus in sehr unterschiedlichen Zeiten erlebt. Vieles hat sich verändert, aber am Ende waren immer unsere Gäste der wichtigste Gradmesser. Tradition heißt für mich deshalb nicht, alles so zu lassen, wie es einmal war. Man muss wissen, woher man kommt, und gleichzeitig den Mut haben, das Haus rechtzeitig weiterzuentwickeln. Genau darum geht es bei dieser Modernisierung: Wir wollen bewahren, was die Traube ausmacht, und die Voraussetzungen schaffen, dass sich auch die nächste Generation unserer Gäste hier wohlfühlt.“

Großzügiger Ess- und Wohnbereich einer neuen Superior-Suite mit rundem Tisch, Sitzgruppe, Balkon und Blick ins Tonbachtal
Die neue Superior-Suite verbindet einen großzügigen Essbereich mit einem separaten Wohnbereich und Balkon. (Foto: © Dirk Wilhelmy)

Größere Zimmer ersetzen zusätzliche Kapazität

Der erste Bauabschnitt konzentrierte sich seit Ende Januar auf den bisherigen Rinkenkopf-Trakt. Aus vormals 28 Zimmern entstanden 18 vollständig neu konzipierte Zimmer und Suiten. Die geringere Zimmerzahl schafft größere und flexiblere Grundrisse. Davon sollen vor allem Familien, gemeinsam reisende Generationen und Gäste mit längeren Aufenthalten profitieren. Die Räume verfügen über neue Bäder, größere Balkone und neue Fenster.

Offener Waschtischbereich mit zwei Waschbecken und Blick in den angrenzenden Schlafraum eines neuen Zimmers der Traube Tonbach
Die Zimmer und Suiten erhielten vollständig neue Bäder – hier öffnet sich der Waschtischbereich zum angrenzenden Schlafraum. (Foto: © Dirk Wilhelmy)

Erstmals sind die Zimmer klimatisiert. Hinzu kommen eine verbesserte Wärmedämmung, Verbindungsmöglichkeiten zwischen einzelnen Kategorien und Familiensuiten mit zusätzlicher Bettcouch. Die größten Einheiten bieten zwei Schlafzimmer, eine Kitchenette und Platz für bis zu sechs Gäste.

Bei allen Kategorien liegt mehr Fläche in den Wohnbereichen, während die Schlafzimmer bewusst kompakter ausfallen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Beisammensein. In einer beim Rundgang gezeigten Junior-Suite ersetzt ein Esstisch den klassischen Schreibtisch. Große Eingangsbereiche und durchdachte Ablagen nehmen Koffer aus dem Blickfeld. Gleichzeitig blieben ursprüngliche Zimmertüren erhalten. Sie verbinden den Bestand sichtbar mit den neuen Räumen.

Besonders konsequent zeigt sich der Ansatz in der Familien-Suite. Ein vollwertiges Schlafsofa bietet Platz für zwei Personen und lässt sich durch eine Schiebetür vom übrigen Bereich trennen. Auch die Wege innerhalb der Suite wurden aus Sicht des Urlaubsalltags geplant: Das Bad und das separate WC bleiben erreichbar, ohne schlafende Familienmitglieder unnötig zu stören.

Warme Hölzer, ruhige Natur- und Beerentöne, textile Oberflächen und zurückhaltende Steinmaterialien prägen das Interieur. Große Fenster und Balkone öffnen die Zimmer zum Tonbachtal. Wohn- und Sitzbereiche sowie zusätzlicher Stauraum sollen stärker den Eindruck eines temporären Zuhauses vermitteln. In den Bädern treffen klare Formen auf warme Metalltöne, helle Oberflächen und zahlreiche Ablagen.

Badewanne im neu gestalteten Badezimmer einer Superior-Suite der Traube Tonbach
Auch die Badezimmer der neuen Superior-Suiten wurden vollständig neu gestaltet und auf längere Aufenthalte ausgerichtet. (Foto: © Dirk Wilhelmy)

Renate Finkbeiner, Hotelierin und Geschäftsführerin, betont: „Wir wollten nicht einfach alles neu machen, sondern das Haupthaus sehr bewusst weiterentwickeln. Viele unserer Gäste bleiben mehrere Tage bei uns, kommen mit Kindern oder reisen über Generationen hinweg. Dann merkt man sehr schnell, ob ein Zimmer im Urlaubsalltag wirklich gut funktioniert. Uns waren deshalb der Wohnkomfort, großzügige Bäder, durchdachter Stauraum, hochwertige Materialien und flexible Grundrisse mindestens genauso wichtig wie die Gestaltung selbst. Am Ende sollen unsere Gäste nicht darüber nachdenken, warum sich ein Zimmer gut anfühlt – sie sollen sich einfach gerne darin aufhalten.“

Sieben Kategorien starten bei 519 €

Die neuen Kategorien reichen vom 40 Quadratmeter großen Superior-Zimmer bis zur 85 Quadratmeter großen Familien- und Signature-Suite. Die Ab-Raten staffeln sich wie folgt:

  • Superior: 40 Quadratmeter, zwei Gäste, ab 519 €
  • Deluxe: 50 Quadratmeter, zwei Gäste, ab 589 €
  • Maisonette-Suite: 60 Quadratmeter, zwei bis vier Gäste, ab 750 €
  • Superior-Suite: 72 Quadratmeter, vier Gäste, ab 780 €
  • Panorama-Suite: 55 Quadratmeter, vier Gäste, ab 850 €
  • Familien-Suite: 85 Quadratmeter, bis zu sechs Gäste, ab 900 €
  • Signature-Suite: 85 Quadratmeter, vier Gäste, ab 1.400 €; verfügbar ab Dezember 2026

Familien verändern die Saison

Die größeren Einheiten reagieren auf eine Nachfrage, die das Hotel bereits seit Jahren beobachtet. Kleine Zimmer lassen sich nach Angaben von Sebastian Finkbeiner zuletzt verkaufen, während Suiten und Familienangebote besonders in den Ferien fehlen. Der August, 2009 noch der schwächste Monat des Hauses, ist inzwischen zum stärksten Monat geworden.

Wie stark sich die Gästestruktur mit der Saison verändert, zeigt ein Beispiel von Matthias Finkbeiner: In den Schulferien können sich zeitweise rund 60 Kinder mit ihren Eltern im Haus aufhalten. Außerhalb der Ferien ist das Publikum deutlich älter. Eine einzelne, eng gefasste Zielgruppe gibt es für den Ganzjahresbetrieb deshalb nicht. Familien, Genießer, Wellnessgäste und Kurzurlauber teilen sich das Resort je nach Reisezeit in unterschiedlicher Gewichtung.

Heller Wohnbereich einer Suite der Traube Tonbach mit Sofa, Sessel, Balkon und großen Fensterfronten zum Tonbachtal
Die größeren Wohnbereiche reagieren auf die steigende Nachfrage nach Suiten und Angeboten für gemeinsam reisende Familien. (Foto: © Dirk Wilhelmy)

Die geringere Zimmerzahl verändert zugleich das Platzangebot im gesamten Haus. Schwimmbad, Sauna, Liegeflächen und Garten stehen künftig weniger Gästen zur Verfügung, ohne selbst vergrößert werden zu müssen. Damit wächst der wahrgenommene Raum pro Gast auch außerhalb der Zimmer. Gestalterisch geht die Traube bewusst einen moderneren Weg, hält aber an warmen Materialien und Schwarzwaldbezügen fest. Vor allem jüngere Familien hätten auf diese Mischung bisher positiv reagiert.

Zwei Drittel des Restaurants Silberberg sind fertig

Zum ersten Bauabschnitt gehört auch die Neugestaltung des Silberberg. Das zentrale Hausgastrestaurant ist Frühstücksort, Treffpunkt am Nachmittag und Restaurant für das abendliche Halbpensionsangebot. Nach vollständigem Abschluss soll es rund 220 Plätze umfassen. Eine Terrasse mit etwa 80 Außenplätzen erweitert das Restaurant um einen direkten Blick ins Tonbachtal. Sebastian Finkbeiner bezeichnete sie beim Rundgang als „echten Game Changer für den Hotelalltag“.

Zum Zeitpunkt des Medienbesuchs waren rund zwei Drittel des neuen Restaurants einschließlich der Außenterrasse fertiggestellt. Der verbliebene Bereich wurde während der bisherigen Bauphase weiter für Frühstück und Dinner genutzt. Nun wird er räumlich vom fertigen Teil getrennt und bis zum Jahresende modernisiert. Mit der Aufteilung vermied das Hotel eine monatelange Komplettschließung.

Auch hinter den Kulissen wurden Wege neu gedacht. Kühlschränke sind künftig direkt in den Servicestationen untergebracht. Mitarbeiter müssen für bestellte Getränke damit nicht mehr durch das gesamte Restaurant laufen. Die bauliche Veränderung soll so nicht nur den Gästen zugutekommen, sondern auch die Abläufe im Service vereinfachen.

Sebastian Finkbeiner, Hotelier und geschäftsführender Gesellschafter, erklärt: „Bei allem, was wir hier verändern, schauen wir zuerst darauf, was es für unsere Gäste bedeutet. Das Silberberg ist dafür ein gutes Beispiel. Es ist kein Restaurant, das man einmal während eines Aufenthalts besucht, sondern für viele Gäste jeden Tag ein wichtiger Treffpunkt. Deshalb wollten wir es während der Bauphase auch nicht einfach über Monate schließen. Wir haben den Umbau bewusst geteilt und einen Bereich weiter für Frühstück und Dinner unserer Halbpension genutzt. Das verlangt in der Organisation einiges, war für uns aber die richtige Entscheidung. Am Ende zählt nicht nur, wie schön etwas geworden ist, sondern auch, wie sich ein Haus während einer solchen Veränderung für den Gast anfühlt.“

Umbau bei laufendem Hotelbetrieb

Bauen im Bestand stellt andere Anforderungen als ein Neubau. Im Haupthaus zeigen sich bauliche Gegebenheiten teilweise erst während der Arbeiten. Gleichzeitig muss neue technische Infrastruktur in bestehende Systeme eingebunden werden. Die Lage im engen Tonbachtal erschwert zusätzlich die Logistik.

Tobias Hamm vom Stuttgarter Architekturbüro ARP schilderte beim Termin, dass Bestandspläne und tatsächlich vorgefundene Konstruktionen nicht immer übereinstimmten. Einzelne Lösungen mussten deshalb während der Bauzeit neu berechnet und kurzfristig angepasst werden. Wöchentliche Baustellentermine und die langjährige Zusammenarbeit mit der Familie Finkbeiner sowie den örtlichen Bauleitern ermöglichten schnelle Entscheidungen.

Eine zehntägige Schließzeit im Januar nutzte das Hotel für besonders lärmintensive Arbeiten. Danach wurden die Baustellenbereiche konsequent vom Gästebetrieb getrennt. Arbeiten mit größerer Lärmentwicklung konzentrierten sich möglichst auf Werktage und festgelegte Zeitfenster. Wochenenden, Feiertage und sensible Ferienzeiten dienten als Ruhephasen.

Die 18 neuen Zimmer und Suiten sind weitgehend fertig. An einzelnen Außenbereichen stehen wegen Verzögerungen bei der Fassade noch Arbeiten aus. Auch die umlaufende Geländerkonstruktion und das Silberberg sollen bis zum Jahresende komplettiert werden. Zum Bauabschnitt gehört außerdem ein Raum, der für Yoga und Konferenzen genutzt werden kann.

Technik prägt die Investition

Die Investitionssumme von 14,8 Millionen € umfasst neben Zimmern und Restaurant umfangreiche Arbeiten an der Gebäudehülle und der technischen Infrastruktur. Das energetische Konzept verbindet eine verbesserte Dämmung mit Klimaanlagen in den Zimmern und Wärmepumpen als Ergänzung zum bestehenden Blockheizkraftwerk. Zugleich wird das Brandschutzkonzept des Haupthauses erneuert.

Einige Zahlen verdeutlichen die technische Dimension des ersten Abschnitts:

  • rund 60 Kilometer verlegte Leitungen
  • rund 1.300 Leuchten
  • etwa 1.500 Meter LED-Bänder
  • rund 28 Tonnen Balkongeländer

Matthias Finkbeiner, Hotelier und geschäftsführender Gesellschafter, resümiert: „Wir beschäftigen uns mit dieser Modernisierung schon sehr lange. Als Familienunternehmen müssen wir langfristig denken. Für uns ist das keine Investition in einen kurzfristigen Trend, sondern in die Substanz und Zukunft unseres Hauses. Umso mehr freut es uns, dass wir das Vorhaben jetzt umsetzen können. Wir modernisieren Schritt für Schritt, um nach jedem Abschnitt neu Luft holen und unsere Ressourcen wieder bündeln zu können. Entscheidend ist, dass das Haus gesund bleibt und wir die Qualität, für die wir stehen, dauerhaft sichern können. Zu dieser Verantwortung gehört für uns auch, Wertschöpfung in der Region zu halten. Wir vertrauen erneut auf langjährige Partner und Handwerksbetriebe aus Baiersbronn und der Umgebung, mit denen uns zum Teil eine jahrzehntelange Zusammenarbeit verbindet.“

Planer und Handwerker aus der Region

Die konzeptionelle Grundlage und die ersten Entwürfe stammen von LSA Architekten aus München. ARP Stuttgart verantwortet die weiterführende Planung sowie Hochbau, Innenarchitektur und Gesamtkoordination. Die örtliche Bauleitung liegt bei den Baiersbronner Architekten Rainer Günter und Jochen Asal. Einen großen Teil der Arbeiten übernehmen Unternehmen aus Baiersbronn und der Umgebung, die bereits an früheren Bauprojekten der Familie beteiligt waren.

Weitere Bauphasen in den kommenden drei Jahren

Mit dem Rinkenkopf-Trakt ist nur der erste Teil des Haupthauses erneuert. In weiteren Etappen folgen die übrigen Zimmer und Suiten, zusätzliche Bereiche des Gebäudes sowie die Fassade. Zwischen den einzelnen Abschnitten plant die Traube Tonbach längere Ruhezeiten. Dadurch sollen neue Bereiche schrittweise nutzbar werden, während große Teile des Resorts regulär geöffnet bleiben.

Der erste Abschnitt zeigt bereits die Richtung des Gesamtprojekts: Das Hotel reduziert die Zahl der Zimmer zugunsten größerer Grundrisse, investiert in Gebäudetechnik und passt zentrale Gästebereiche an heutige Aufenthaltsformen an. Bis zum Jahresende sollen das Silberberg und die umlaufende Geländerkonstruktion des aktuellen Abschnitts vollständig abgeschlossen sein.

(Traube Tonbach/ SAHO)

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