Hilton plant offenbar Rückzug aus zwei Hotels im Raum Frankfurt
Hilton bereitet offenbar die Beendigung seiner Managementverträge für zwei Hotels in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet vor. Das berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mehrere Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind.
Anlass seien demnach die jüngsten Sanktionen des US-Finanzministeriums gegen den iranischen Geschäftsmann Ali Ansari und die von ihm kontrollierte Smart Global Limited.
Betroffen sind das Hilton Frankfurt City Centre und das Hilton Frankfurt Gravenbruch in Neu-Isenburg. Laut Unternehmensunterlagen ist die in St. Kitts und Nevis ansässige Smart Global wirtschaftliche Eigentümerin beider Immobilien. Ansari soll das Unternehmen über ein Geflecht aus Scheinfirmen und Bankkonten in mehreren Ländern aufgebaut haben.
US-Finanzministerium sanktioniert Eigentümer
Das Office of Foreign Assets Control, kurz OFAC, setzte Ansari und Smart Global Limited am 10. Juli 2026 auf die US-Sanktionsliste.
Das US-Finanzministerium bezeichnet Ansari als einen wichtigen Finanzier des Netzwerks des iranischen Obersten Führers Mojtaba Khamenei. Nach Angaben der Behörde soll der Unternehmer mithilfe zahlreicher Briefkastengesellschaften und Bankkonten ein internationales Geflecht aus Immobilien, Unternehmen und Finanzanlagen aufgebaut haben.
Smart Global Limited, eine Holdinggesellschaft mit Sitz im karibischen Inselstaat St. Kitts und Nevis, soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Über die Gesellschaft habe Ansari unter anderem in Immobilien und Gewerbeobjekte in Deutschland, Luxemburg, Spanien, Großbritannien, Zypern und den Vereinigten Arabischen Emiraten investiert.
Unternehmensunterlagen zufolge ist Smart Global letztlich auch Eigentümerin des Hilton Frankfurt City Centre und des Hilton Frankfurt Gravenbruch, berichtet Bloomberg.
Übergangsfrist läuft bis zum 9. August
Gleichzeitig mit den Sanktionen erließ das OFAC eine allgemeine Genehmigung zur Abwicklung bestehender Geschäfte mit Smart Global. Die General License erlaubt bis zum 9. August 2026 Transaktionen, die für eine geordnete Beendigung laufender Geschäftsbeziehungen erforderlich sind.
Diese Übergangsfrist gibt Hilton nach Einschätzung der von Bloomberg befragten Personen die Möglichkeit, seine Beziehungen zu den beiden Hotels abzuwickeln, ohne gegen das US-Sanktionsrecht zu verstoßen.
Ob und wann die Managementverträge tatsächlich beendet werden, hat Hilton bislang nicht offiziell bestätigt.
Hilton verweist auf Einhaltung der Gesetze
Auf Anfrage von HOGAPAGE äußerte sich der Hotelkonzern nicht konkret zu den möglichen Vertragskündigungen. Ein Unternehmenssprecher teilte lediglich mit: „Wir haben die jüngste Aufnahme weiterer Personen und Unternehmen in die Sanktionsliste des Office of Foreign Assets Control zur Kenntnis genommen und werden die vollständige Einhaltung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen sicherstellen.“
Fragen nach dem Zeitpunkt eines möglichen Rückzugs, den Auswirkungen auf die Beschäftigten und bestehenden Reservierungen sowie nach der künftigen Markenführung der Hotels ließ Hilton unbeantwortet.
Hilton prüfte die Geschäftsbeziehungen bereits seit Monaten
Nach Informationen von Bloomberg hatte Hilton bereits einige Monate vor den neuen US-Sanktionen eine interne Prüfung eingeleitet. Dabei sollte untersucht werden, ob die Fortführung der Geschäftsbeziehungen mit den beiden deutschen Hotels Sanktionsrisiken für den Konzern mit sich bringen könnte.
Auslöser war demnach eine frühere Bloomberg-Recherche, die die iranische Eigentümerstruktur der beiden Frankfurter Hotels offenlegte. Zahlungen aus dem Chamenei-Netzwerk an globale Unternehmen, darunter Hilton, gerieten anschließend ins Visier des US-Justizministeriums.
Langfristige Managementverträge
Bei den beiden Frankfurter Häusern handelt es sich nicht um Immobilien im Eigentum von Hilton. Der Konzern arbeitet nach einem sogenannten Asset-Light-Modell: Ein lokaler Eigentümer besitzt und finanziert das Hotel, während Hilton seine Marke, sein Treueprogramm und teils das Tagesmanagement zur Verfügung stellt, ohne eigenes Kapital einzusetzen.
Solche Management- und Markenverträge werden häufig über lange Laufzeiten abgeschlossen. Eine vorzeitige Beendigung kann daher schwierig sein, sofern kein ausreichender Kündigungsgrund besteht. Die direkten US-Sanktionen gegen Ansari und Smart Global haben die rechtliche Situation nun offenbar grundlegend verändert.
Für das Hilton Frankfurt Gravenbruch käme ein Rückzug zudem vergleichsweise kurze Zeit nach dem letzten Markenwechsel. Hilton hatte das ehemalige Kempinski-Hotel erst im Oktober 2024 übernommen und führt das Haus seitdem im Rahmen eines Managementvertrags.
Ansari hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Über seinen Anwalt ließ er nach früheren Medienberichten erklären, er unterhalte keine Beziehung zu Khamenei. Gegen die bereits zuvor gegen ihn verhängten britischen Sanktionen wolle er rechtlich vorgehen.
(Bloomberg/Handelsblatt/Yahoo! Finanzen/SAKL)