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Corona beschleunigt Strukturwandel bei Cityhotels

Der Hotelbereich verändert sich. Für etwa die Hälfte der inhabergeführten Cityhotels sind Konzeptänderungen und Umnutzungen denkbar. Investoren wenden sich hingegen vermehrt Ferienhotels zu.

Dienstag, 21.12.2021, 12:33 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Lobby eines Cityhotels

Einschränkungen und Umsatzrückgänge führen dazu, dass inhabergeführte Häuser immer häufiger über Änderungen des Konzepts beziehungsweise einen Exit nachgedenken. (Foto: © Drobot Dean – stock.adobe.com)

Mitten in der Coronakrise zeichnen sich bereits erste Trends für Transformationen im Hotelbereich ab. Mögliche Veränderungen stehen demnach vor allem in der Cityhotellerie an, während die Ferienhotellerie künftig von einem Erstarken des Inlandstourismus, neuen Konzepten und Betreibern profitiere und ein gesteigertes Investoreninteresse auf sich ziehe, wie Martin Schaffer, Managing Partner Mrp Hotels, betont. Nach Einschätzung von Einar Skjerven, Geschäftsführer der Skjerven Group führen die aktuellen Einschränkungen und Umsatzrückgänge in den Cityhotels dazu, dass in inhabergeführten Häusern immer häufiger über Änderungen des Konzepts beziehungsweise einen Exit nachgedacht wird. Darunter seien allerdings auch viele Hotels, die bereits vor der Pandemie vor strukturellen Herausforderungen standen. So können die Häuser nach Ende des Hotelbetriebes zum Beispiel umgebaut und als Serviced-Apartments-Projekt neu positioniert werden, erläuterte Jan Winterhoff, Head of Real Estate Expansion bei Stayery.

Studie zeigt Umnutzungspotenzial

In Anbetracht solcher Möglichkeiten und der aktuellen wirtschaftlichen Situation der Cityhotellerie sieht Skjerven ein erhebliches Umnutzungspotenzial. „Mehr als ein Fünftel der inhabergeführten Hotels erreichte während des Sommers nicht die für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderlichen Auslastungszahlen“, so der Geschäftsführer der Skjerven Group. „Bei gleichzeitig rückläufigen Zimmerpreisen und eines durch Hygienemaßnahmen weiterhin nur eingeschränkten Betriebes wird die wirtschaftliche Situation einiger Häuser immer prekärer. Im Falle weiterer Einschränkungen erwägt daher etwa die Hälfte der Umfrageteilnehmer einen Exit beziehungsweise eine Änderung ihres Konzepts.“ An der von der Skjerven Group beauftragten Umfrage nahmen inhabergeführte Häuser mit drei beziehungsweise vier Sternen teil. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hat weniger als 50 Zimmer. Nur knapp 30 Prozent der teilnehmenden Hotels ist mit ihrer aktuellen wirtschaftlichen Situation zufrieden. 60 Prozent beurteilen sie als schlecht beziehungsweise als sehr schlecht.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der deutschen Cityhotels führten dazu, dass sich betreiberseitig gleich mehrere Fragezeichen auftun würden, bestätigt Martin Schaffer. „Eine schwierige Betreiberfinanzierung treffe auf oft aufgebrauchte Reserven und aktuell vielfach recht unklare Zukunftsaussichten. Gerade Betreiber von 4-Sterne Stadthotels stellen sich die Frage nach der Perspektive“, sagt der Managing Partner von Mrp Hotels.

Andauernder „Wait-and-See-Modus“

Deutliche Rückgänge beim Transaktionsvolumen zeigen allerdings, dass sich am bereits zur Jahresmitte beschriebenen „Wait-and-See-Modus“ vieler Eigentümer wenig geändert habe, sagt Schaffer. Entscheidend sei die Preisbildung, bei der hohes Kaufinteresse durch verfügbares Kapital und angesichts der Lage erwartetem Preisnachlass auf eine geringe Verkaufsbereitschaft stößt. Durch anhaltende staatliche Unterstützung bliebe es bei einer geringen Bereitschaft und auch Notwendigkeit, Verkäufen zu deutlichen Preisabschlägen zuzustimmen. „In der Folge haben es etablierte Investoren, die oft mit Fixpachten kalkulieren, deutlich schwerer, Produkte zu finden, auch weil Betreiber hybride Modelle mit flexiblen Pachten anstreben. Damit könnte auch der Einstieg von Private Equity und Mezzanin interessant werden.“

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