Studie

Bayerns Gastgewerbe boomt

Die Stadt München
Mit 440.000 Beschäftigten ist das bayerische Gastgewerbe auch ein wichtiger Arbeitgeber. Und doch mangelt es an Nachwuchskräften – so eine aktuelle Studie. (© Animaflora PicsStock/stock.adobe.com)
Städte- und Wellnesstourismus bringen den Hotels Geld in die Kasse, Catering-Events sind gefragt, die Branche meldet Rekordumsätze. Auf der anderen Seite fehlt der Nachwuchs und das Wirtshaussterben auf dem Land weiter.
Mittwoch, 05.02.2020, 09:11 Uhr, Autor: Thomas Hack

Das bayerische Gastgewerbe weist insgesamt eine positive Entwicklung auf – und dennoch es gibt immer weniger Azubis und eine große Anzahl an Kleinbetrieben steht am Rande des Existenzminimums. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (DWIF), die dieser Tage vorgestellt wurde. „Die Rekordjagd im Gastgewerbe geht weiter. Seit 2010 wurden immer neue Bestwerte in Bezug auf Nachfrage, Umsatz und Beschäftigung erzielt“, lässt Studienautor Joachim Maschke dazu verlauten. Der Umsatz der Branche im Freistaat sei im vergangen Jahr auf fast 19 Milliarden Euro gestiegen. Mit gut 21 Prozent des bundesweiten Branchenumsatzes habe sie ihre Spitzenposition ausgebaut. Mit 440.000 Beschäftigten sei das bayerische Gastgewerbe auch ein wichtiger Arbeitgeber.

„Gewinner sind die Event-Caterer“

Allerdings seien inzwischen mehr als 60 Prozent aller Arbeitskräfte im bayerischen Gastgewerbe Teilzeitkräfte, Aushilfen oder im Nebenjob geringfügig entlohnte Beschäftigte. Besorgniserregend sei der starke Rückgang der Azubis auf nur noch 9200 im Jahr 2018. „Von den kleinen und mittelgroßen Teilnehmern am Vergleich wurden so gut wie keine Auszubildende mehr gemeldet“, erklärten die Tourismusforscher. Qualifizierte Fachkräfte seien gesucht. Der durchschnittliche Umsatz der einzelnen Gaststätte sei auf 367.000 Euro gestiegen. Gewinner in diesem Segment seien die Event-Caterer. Auf der anderen Seite seien seit der Jahrtausendwende mehr als 3.000 Gastbetriebe verloren gegangen. Die Zahl der selbstständigen Hoteliers und Gastronomen schrumpfe kontinuierlich. Viele kleine Familienbetriebe „haben einen Stundenlohn, der nicht annähernd an den Mindestlohn rankommt“, sagte Studienautor Bernhard Harrer. Vor allem auf dem Land sei eine weitere Ausdünnung des gastronomischen Angebotes absehbar.

Umsätze steigen, Erträge sinken

Die bayerischen Hotels meldeten erneut mehr Übernachtungen, „und zwar unabhängig vom Standort, da sowohl der Städtetourismus als auch der Gesundheits-/Wellnesstourismus weiterhin zu den Wachstumssegmenten zu zählen sind. Hier setzt sich ein seit langer Zeit zu beobachtender Trend ungebremst fort.“ Die ermäßigte Mehrwertsteuer auf Übernachtungen habe Hotels auch für Investoren interessant gemacht, sagten die Wirtschaftsforscher. Doch „den bemerkenswerten Nachfragezuwächsen im Bereich der Hotellerie stehen Marktanteilsverluste bei den Gasthöfen, Pensionen, Ferien- und Erholungsheimen gegenüber, und auch die Zahl der Anbieter in diesem Segment ist weiter rückläufig“. Branchenverbands-Präsidentin Angela Inselkammer sagte: „Obwohl die Umsätze steigen, sinkt in vielen Betrieben der Ertrag“. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sagte mit Blick auf SPD und CDU im Bund, der ermäßigte „Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent für die gesamte Branche wäre dringend nötig“. Außerdem seien die Arbeitszeitvorschriften überzogen. (lby/TH)

P.S.: In der HOGAPAGE Spezial-Jobbörse gibt es jede Menge Jobs im Tätigkeitsfeld Ausbildung/Lehre

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Gastronom bei der Abrechnung
Preisdruck
Preisdruck

Iran-Krieg treibt Inflation auf 2,9 % – Folgen für das Gastgewerbe

Mit dem Iran-Krieg sind die Preise in Deutschland nach oben geschnellt. Vor allem steigende Energiekosten treiben die Inflationsrate Richtung Drei-Prozent-Marke. Das belastet auch das Gastgewerbe.
Dr. Marcel Klinge
Warnung
Warnung

Neue Steuerschätzung: DZG warnt vor Risiken für die Gastwelt

Die neue Steuerschätzung des Bundes könnte laut Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) den Druck auf Tourismus, Hospitality und Gastronomie erhöhen. Die DZG fordert daher eine aktive Beteiligung der Branche an der Steuerdebatte.
Zwei Gastronomen bei der Abrechnung
Kostenanstieg
Kostenanstieg

Inflation erreicht Höchststand: Strategien für Gastronomen und Hoteliers

Die Inflation erreicht im März 2026 den höchsten Stand seit über zwei Jahren. Für das Gastgewerbe bedeutet das: steigender Kostendruck bei gleichzeitig sinkender Kaufkraft der Gäste. Welche Stellschrauben jetzt entscheidend sind und wie gastgewerbliche Betriebe reagieren können.
Gedeckter Tisch mit Osterdekoration
Ratgeber
Ratgeber

Ostergeschäft 2026: So profitieren Hotels und Restaurants von den Feiertagen

Ostern zählt zu den wichtigsten Umsatztreibern für das Gastgewerbe – doch 2026 wird das Geschäft anspruchsvoller. Zwischen steigenden Kosten, preissensiblen Gästen und hohen Erwartungen kommt es mehr denn je auf die richtige Strategie an. Wie Hotels und Restaurants die Feiertage erfolgreich nutzen können.
Lager für Lebensmittel
Preisdruck
Preisdruck

Steigende Lebensmittelpreise belasten das Gastgewerbe – Politik prüft Entlastungen

Welche Folgen haben steigende Preise wegen des Iran-Kriegs? Erneut tagt eine Taskforce der Koalition. Sie nimmt auch steigende Lebensmittelpreise in den Blick. Könnte dies auch Entlastungen für das Gastgewerbe bringen?
Hohe Spritpreise an der Tankstelle
Kostendruck
Kostendruck

Bundestag beschließt Spritpaket – mögliche Entlastung für das Gastgewerbe?

Infolge des Iran-Kriegs sind die Spritpreise deutlich gestiegen – nun will die Politik gegensteuern. Im Eiltempo hat die Koalition ein Maßnahmenpaket auf die Beine gestellt. Indirekt könnte dies auch eine Entlastung für das Gastgewerbe sein. 
Public-Viewing in einer Kneipe
Regelung
Regelung

Fußball-WM 2026: Neue Public-Viewing-Verordnung eröffnet Chancen fürs Gastgewerbe

Zur Fußball-WM 2026 lockert die Bundesregierung den Lärmschutz für Public Viewing. Das schafft neue Spielräume für Betriebe. Gerade für das Gastgewerbe ergeben sich dadurch zusätzliche Chancen auf mehr Gäste und Umsatz.
Jens Spahn
Gebäudeenergiegesetz
Gebäudeenergiegesetz

Heizungsgesetz 2026: Was die Reform für Hotellerie und Gastronomie bedeutet

Gas- und Ölheizungen bleiben erlaubt – aber nur mit mehr grünem Brennstoff. Was bedeutet die Reform des Heizungsgesetzes für Hotels und Gastronomiebetriebe? Ein Überblick über Kostenrisiken, Förderchancen und die strategischen Folgen für Investitionen.
Kellnerin bringt Kuchen an den Tisch
Arbeitsmarktzugang
Arbeitsmarktzugang

Asylbewerber sollen schneller arbeiten dürfen

Asylbewerber sollen künftig bereits nach drei Monaten arbeiten dürfen – auch wenn ihr Asylverfahren noch läuft. Für das personalintensive Gastgewerbe könnte die geplante Neuregelung zusätzliche Chancen im Kampf gegen den anhaltenden Personalmangel eröffnen.