Zukunft der Gastronomie: Fünf Trends aus der Praxis
Die Gastronomie steht vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen. Das berichten Lisa-Marie Noack (28) und Johannes Reichenbach (36), Gründer des Premium-Fast-Casual-Unternehmens LionTaste. „Die Gastronomie steht vor strukturellen Neuordnungen: Im Hintergrund wird sie digitaler und effizienter, nach außen emotionaler und erlebnisorientierter.“
In einer hybriden Gastrowelt, die sowohl rein virtuell über Lieferdienste als auch durch Creator-Posts auf Social Media erfahren werden kann, wächst laut den Gründern der Wunsch nach Immersion. Konsumenten schätzen Erlebniswelten, die sich echt und konzeptgetreu anfühlen.
Es ist eine Transformation, bei der es darum geht, multisensorische Erlebnisse über alle Kanäle zu schaffen, die harmonisieren, aber auch anregen.
LionTaste identifiziert fünf Themenfelder, die diese Transformation prägen:
1) Digitale Marken und skalierbare Gastronomie
Die Branche entdeckt laut LionTaste die Logik der Skalierbarkeit, wie sie aus der Technologie bekannt ist. Neue virtuelle Food-Brands existieren ausschließlich über Lieferdienste und können als Ghost Kitchen in bestehende Küchen integriert werden. Ghost Kitchen statt Gastraum sei eine neue Logik, die auch bestehende Kapazitäten auslasten könne.
Die Marke löse sich dabei vom Standort, Produktion und Marke würden voneinander getrennt. Ein Küchensystem könne mehrere Konzepte gleichzeitig bedienen, neue Ideen könnten innerhalb weniger Wochen getestet werden.
„Für die Positionierung sehen wir Restaurants zunehmend wie Start-ups: Es geht darum, zu testen, zu skalieren und weiterzuentwickeln“, sagt Reichenbach. Noack ergänzt: „Weil alles digital wird, brauchen wir neue Wege, um echte Erlebnisse zu schaffen.“
2) Erlebnis schlägt Lage
Gäste kommen nicht mehr nur wegen des Essens. Sie kommen wegen Zugehörigkeit.
Die Gründer beobachten eine abnehmende Laufkundschaft. Events erzeugten Aufmerksamkeit und Medienreichweite. „Pop-ups übersetzen digitale Marken in reale Begegnungen“, so Noack.
Erfolgstreiber seien Verknappung, Community-Fokus und ein hoher Social-Media-Share-Faktor. „Das Restaurant wird immer häufiger zur Bühne“, sagt Reichenbach. Auch virtuelle Marken könnten temporäre Lokale für Food-Pop-ups nutzen, um mithilfe von Creators eine Community anzuziehen, die anschließend langfristig über Lieferdienste bestellt.
3) Food als Plattform für kulturelle Inszenierung
Food werde zunehmend Teil der Kreativwirtschaft und verschmelze mit Mode, Musik, Film oder Technologie. „Das ist der Erlebnis-Trend, nur größer gedacht“, sagt Reichenbach. „Hier kann Food auch als Marketingplattform für andere Branchen agieren.“
Fashion-Brands eröffnen Cafés, Filmstudios launchen „Menü-Experiences“, Künstler oder Creator entwickeln eigene Food-Brands. Food sei emotional, niedrigschwellig und stark teilbar. „Food ist heute das verbindende Element zwischen Marken, Kultur und Community“, sagt Noack.
4) Systemgastronomie vs. Individualgastronomie
Unsere These ist, dass die Mitte der Gastronomie verschwindet.
Hochwertige Schnellrestaurants gewännen an Beliebtheit, stünden jedoch unter Druck durch Sichtbarkeit auf Lieferplattformen, Preissteigerungen und Personalmangel. „Wer weder skalieren noch sich stark differenzieren kann, wird vom Markt verdrängt“, so Reichenbach.
Systeme würden durch klare Prozesse, Wiedererkennbarkeit, Effizienz und kalkulierbare Qualität gestärkt. Für Einzelkonzepte bedeute das eine klare Positionierung mit Story, Persönlichkeit und Community-Bezug. Das Fazit: Entweder extrem effizient oder extrem besonders – dazwischen werde es schwierig.
5) Social Media ordnet die Gastronomie neu
Für LionTaste ist Social Media nicht mehr reines Marketing, sondern Standortfaktor, Bewertungsplattform und Community-Tool. Restaurants würden zuerst online entdeckt, Content entscheide über den Besuch, Köche und Betreiber würden zu Persönlichkeiten.
„Konsumenten verlassen sich zunehmend auf digitale Plattformen, um ein Gastronomieangebot zu finden und mithilfe von nutzergenerierten Inhalten zu entscheiden. Das bedeutet, dass die Wahrnehmung einer Gastronomiemarke ebenso sehr von den Gästen wie vom Marketingteam geprägt wird“, sagt Noack.
Sie ergänzt: „Eine ständig verbundene Generation sieht sich nicht nur den kuratierten Feed des Restaurants an, sondern auch, was die Leute taggen, denn dort erfährt man die echte, ungefilterte Wahrheit.“
Plattformen wie Instagram und TikTok präsentierten nicht nur Speisen und Getränke, sondern die gesamte Identität eines Lokals. Laut dem „Lieferando Report 2025: So hat Deutschland im vergangenen Jahr bestellt“ zählten Kimchi und Smash-Burger zu den am stärksten wachsenden Bestelltrends. Temporäre Bestseller wie Hot Honey Pizza oder Hot Honey Cheesy Bites zeigten, wie schnell sich Trends aus sozialen Medien auf das Bestellaufkommen übertragen.
Das Fazit von LionTaste: Die Zukunft gehört denjenigen, die Zugänglichkeit neu definieren – durch Systeme, Spektakel und Persönlichkeit.
(the coup/SAHO)