Verlustgeschäft?

Wenig los in der Schweizer Gastronomie

In der Schweiz sind Restaurants seit dem 11. Mai mehrheitlich wieder offen – ob dauerhaft, ist allerdings fraglich. Denn der Wille der Branche ist zwar da, doch Gewinn machen im Moment nur wenige.

Dienstag, 26.05.2020, 08:12 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Leeres Lokal

Die Schweizer Gastronomie leidet derzeit unter zu wenigen Gästen bei zu teuren gesetzlichen Auflagen. (© Petar Djordjevic/stock.adobe.com)

Die Mehrheit der gastronomischen Betriebe in der Schweiz, die nach dem Lockerungsschritt vom 11. Mai 2020 unter strengen Corona-Schutzauflagen wieder öffnen dürfen, ist offen. Es ist jedoch eine Öffnung mit einschneidenden Beschränkungen, mit schmerzhaften Verlusten und großen Unsicherheiten. Ohne Lockerung der Auflagen wird die Öffnung nicht nachhaltig sein können. Unbedingt eine Perspektive brauchen zudem all jene gastgewerblichen Betriebe, die aufgrund des behördlichen Verbots infolge der Coronakrise weiterhin geschlossen bleiben müssen. Das geht aus einer Umfrage hervor, die der Branchenverband GastroSuisse bei seinen Mitgliedern für den Zeitraum vom 11. bis 18. Mai 2020 durchgeführt hat. Insgesamt 3172 Antworten sind eingegangen.

Rund 90 Prozent erwarten Verlust

Die große Mehrheit der Lokale, die am 11. Mai 2020 unter Einhaltung eines strengen Schutzkonzepts wieder öffnen durften, hat den Betrieb wieder aufgenommen. Dreiviertel der Befragten haben die Chance zum Restart genutzt, auch wenn der Betrieb wegen der behördlichen Auflagen nur limitiert möglich ist. „Neun von zehn der wieder geöffneten Betriebe gehen jedoch davon aus, dass sie einen Verlust erwirtschaften“, präzisiert GastroSuisse-Präsident Casimir Platzer. „In der ersten Woche nach der erlaubten ersten Öffnungsetappe liegen die Umsätze durchschnittlich 60 Prozent hinter den Vorjahreswerten“, hält er fest.

Mindestabstände schränken massiv ein

Ursache für die Mindereinnahmen sind die strengen Auflagen. Das zeigen die Umfrageergebnisse deutlich. Besonders einschränkend sind die Tisch-Mindestabstände und die starke Beschränkung der Anzahl Personen je Gästegruppe auf vier Personen.

Die meisten Betriebe, die wieder öffneten, taten dies, um für die Stammkunden da zu sein, um die Bevölkerung, wenn auch mit Beschränkungen, wieder gastronomisch verwöhnen zu können und um den Mitarbeitern eine Perspektive zu geben. Rund ein Drittel öffnete, um den Verlust im Vergleich zum Lockdown zu verringern oder um Marktanteile zu halten.

Die Gründe für den Verzicht auf eine Wiedereröffnung sind vielfältig. Am meisten genannt wurde jedoch die Feststellung, dass unter den geltenden sehr strengen Auflagen kein rentabler Betrieb möglich ist.

Nachhaltige Öffnung in Frage gestellt

Die geltenden Auflagen sind derart einschränkend, dass rund 40 Prozent der befragten Betriebe nicht sicher sind, ob sie unter diesen Bedingungen offen bleiben können. „Die Antworten zeigen ein düsteres Bild“, kommentiert Casimir Platzer. „Ohne weitere Lockerungen müssen viele Lokale bereits im Juni wieder schließen, weil die Öffnung sehr unrentabel ist.“

Hoffnung und Erwartungen der befragten Wirte sind groß, dass insbesondere die Beschränkung der Anzahl Personen pro Gästegruppen aufgehoben wird. Laut ist zudem der Ruf nach geringeren Tischabständen. „Die meisten Betriebe haben aufgrund der Auflagen zwischen 35 und 65 Prozent an Sitzplatzkapazität eingebüßt“, erklärt der GastroSuisse-Präsident. Viele Betriebe sind zudem darauf angewiesen, den Außenbereich unbürokratisch erweitern zu können.

Betriebe müssen Mehrkosten verkraften

Die Auflagen des Schutzkonzepts verursachen auch Mehrkosten. Wie die Umfrage zeigt, haben die meisten offenen Restaurationsbetriebe ihre Preise trotzdem nicht angepasst. Die Betriebe tragen den Mehraufwand vielfach selber.

Die Umfrage bestätigt, dass sich die Branche an das Schutzkonzept Covid-19 hält. In der ersten Woche nach dem Restart wurde bereits jeder vierte Betrieb kontrolliert. 90 Prozent der kontrollierten Betriebe setzen das Schutzkonzept tadellos um. Die meisten Beanstandungen konnten durch Anpassungen geregelt werden. In lediglich zwei Fällen oder 0,4 Prozent der Kontrollen musste geahndet werden.

 

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