Relais & Châteaux und UNESCO starten vier Nachhaltigkeitsprojekte
Seit 2024 besteht zwischen der Vereinigung Relais & Châteaux und der UNESCO eine strategische Partnerschaft. Im Rahmen dessen wurden nun vier Initiativen gestartet, die Nachhaltigkeit im Bereich der Hotellerie und Gastronomie weiter fördern sollen. Die Projekte erstrecken sich über mehrere Kontinente und sollen weltweit renommierte Küchenchefs mit von der UNESCO ausgewiesenen Stätten und Übereinkommen* zusammenbringen – darunter Biosphärenreservate, Welterbestätten, Globale Geoparks und Immaterielles Kulturerbe.
Jedes der vier beteiligten „Relais & Châteaux“-Häuser (das FYN Restaurant in Südafrika, das Maison Pic in Frankreich, das Eleven Madison Park in den USA und das L’Effervescence in Japan) verstärkt dabei sein Engagement für Biodiversität sowie Klimaschutz, unterstützt lokale Gemeinschaften und mobilisiert breite Zielgruppen, um nachhaltige Praktiken und Verhaltensweisen zu übernehmen – im Einklang mit den zwölf Verpflichtungen von Relais & Châteaux und dem Mandat der UNESCO.
Mindestens eine von drei Nachhaltigkeitsmaßnahmen
Die Projekte stützen sich auf die Kompetenz der UNESCO beim Schutz des immateriellen Kulturerbes und bei der Aufrechterhaltung der Biodiversität. Jedes der beteiligten Häuser verpflichtet sich, im Rahmen von jedem der folgenden Handlungsvorgaben mindestens eine Nachhaltigkeitsmaßnahme umzusetzen:
- Alles Leben auf der Erde achten und die Auswirkungen auf die Natur auf ein Minimum reduzieren
- Lokales Wissen und traditionelle Praktiken bewahren und weitergeben
- Nach Exzellenz und Solidarität streben, um Wandel lokal und international voranzubringen
„Diese vier Projekte sind der erste konkrete Ausdruck unserer Partnerschaft mit der UNESCO“, erklärt Laurent Gardinier, Präsident von Relais & Châteaux. "Indem sie indigene und in Vergessenheit geratene Zutaten würdigen, kulturelles Erbe sowie Savoir-faire bewahren, Ernährungsbildung fördern und sich für nachhaltige Beschaffung einsetzen, verkörpern diese hoch angesehenen Küchenchefs von Relais & Châteaux unsere Verpflichtungen für eine Nachhaltigkeit im Einklang mit allem Leben auf der Erde."
Khaled El-Enany, Generaldirektor der UNESCO ergänzt: „Diese Projekte zeigen, wie Gastronomie zu einer Gestaltungskraft mit den und für die Menschen werden kann – indem sie Biodiversität schützt, das kulturelle Erbe aufrechterhält und nachhaltigere Lebensweisen prägt. Durch die Zusammenarbeit mit Relais & Châteaux und ihren Mitgliedshäusern trägt die UNESCO dazu bei, den Respekt vor allem Leben auf der Erde in konkretes Handeln zu übersetzen, fest verwurzelt im Wissen und Können lokaler Gemeinschaften und getragen von einem weltweiten Austausch.“
Drei Jahre für den Schutz der biologischen Vielfalt
Den Anstoß zu dieser Initiative gab Mauro Colagreco, Vizepräsident Küchenchefs von Relais & Châteaux sowie Küchenchef und Inhaber des Restaurants Mirazur in Menton. Seit seiner Ernennung zum UNESCO-Sonderbotschafter für Biodiversität im Jahr 2022 prägt Umweltbewusstsein sein kulinarisches Schaffen und bildet die richtungsweisende Grundlage seiner Kreationen. Sein Restaurant Mirazur wurde als erstes Restaurant weltweit als plastikfrei zertifiziert und war zudem das erste Drei-Sterne-Restaurant, das die Voraussetzungen einer B Corp erfüllte.
„Als UNESCO-Sonderbotschafter für Biodiversität setze ich mich seit drei Jahren für den Schutz der biologischen Vielfalt ein und motiviere so viele Menschen wie möglich, sich dieser gemeinsamen Aufgabe anzuschließen. In meiner Funktion als zuständiger Vizepräsident von Relais & Châteaux ist es mir eine Ehre, mit einem außergewöhnlichen Netzwerk von Küchenchefs aus über 800 Restaurants in 580 Häusern aus 65 Ländern zusammenzuarbeiten, um die Zukunft der Gastronomie und ihre entscheidende Verbindung zur Natur mitzugestalten“, sagt Mauro Colagreco, Vizepräsident Küchenchefs von Relais & Châteaux und UNESCO-Sonderbotschafter für Biodiversität.
Weiter betont er: „Ich bin überzeugt, dass die Küche die Kraft hat, die Welt zu verändern. Es geht nicht nur darum, Aromen zu kreieren, sondern zusammen zu leben, Zeit miteinander zu verbringen, zusammen zu kochen und bedeutungsvolle Momente zu schaffen. Es geht darum, Erinnerungen zu prägen, Rezepte sowie Wissen und Können von einer Generation an die nächste weiterzugeben. Vor allem aber geht es darum, Ernährungssysteme neu zu denken, um Leben und Harmonie zu fördern. Diese Vision wird durch die vier Pilotprojekte konkretisiert, von der Bewahrung und Pflege indigener Arten in Afrika und nachhaltiger Fischerei in Asien bis hin zur Bewahrung kulinarischen Könnens in Europa und gemeinschaftsorientierter Ernährungsbildung in Nordamerika. Jedes einzelne Projekt zeigt dabei, wie Gastronomie aktiv zum Schutz von Ökosystemen beitragen kann.“
Die Ziele
Auf vier Kontinenten konzentrieren sich die Projekte auf zentrale, konkrete Aktionspläne, mit den folgenden Zielen:
Ernährungsbildung und gesellschaftliches Engagement
Relais & Châteaux Eleven Madison Park, NY, USA x Biosphärenreservat Champlain-Adirondack
Küchenchef Daniel Humm bezieht seine Zutaten aus dem Biosphärenreservat Champlain–Adirondack in Zusammenarbeit mit einheimischen und lokalen Erzeugern. Er gründet gerade das „Food Futures Lab“, das gemeinsam mit dem Biosphärenreservat Champlain–Adirondack und anderen lokalen Stakeholdern ins Leben gerufen wurde, um Bildung und Innovation in den Bereichen Biodiversität und pflanzenbasierte Kulinarik zu fördern. Durch die Dokumentation und Weitergabe von lokalem Wissen in einer gemeinsam verfassten Fallstudie über das Biosphärenreservat Champlain-Adirondack stellt er das Lernen in der Gemeinschaft und die Projektergebnisse für eine weltweite Verbreitung heraus.
Immaterielles Kulturerbe und Savoir-faire
Relais & Châteaux Maison Pic, Frankreich x UNESCO Immaterielles Kulturerbe
Küchenchefin Anne-Sophie Pic bezieht die meisten pflanzlichen Zutaten für ihre Gerichte aus ihrer Heimatregion – den Departements Drôme und Ardèche -, die für überwiegend ökologischen Landbau bekannt sind. Vor diesem Hintergrund arbeitet sie mit der UNESCO zusammen, um dieses Kulturerbe zu fördern. Langfristig könnte diese Initiative den Weg für eine neue UNESCO-Auszeichnung in der Region ebnen. Im Mittelpunkt dieses Vorhabens steht das Auberge du Pin – das Haus ihrer Urgrossmutter und Wiege ihres Familienerbes -, das seit 2003 schrittweise saniert wird, beginnend mit der Umstellung der Weinberge ihres Grossvaters André Pic auf biodynamische Landwirtschaft. Anne-Sophie Pic wird weiterhin das unendliche Potenzial des lebendigen Erbes erforschen und die Verbindungen zwischen landwirtschaftlicher und wilder Biodiversität stärken, insbesondere auch durch die Wiedereinführung und Förderung alter Pflanzenarten.
Indigene Arten und vergessene Zutaten
Relais & Châteaux FYN Restaurant, Südafrika x Biosphärenreservat Kogelberg und UNESCO-Welterbestätte Schutzgebiete der Kapflorenregion
Küchenchef Peter Tempelhoff integriert Zutaten, die unmittelbar aus dem Biosphärenreservat Kogelberg und der UNESCO-Welterbestätte Schutzgebiete der Kapflorenregion stammen, wobei er sich auf indigene Arten konzentriert. Um die Biodiversität zu unterstützen, baut er diese Arten auf den Farmen des FYN an, um so das Bewusstsein für ihre ökologische Bedeutung zu schärfen, und illegalem Sammeln entgegenzuwirken.
Nachhaltige Praktiken bei Fischfang und Beschaffung
Relais & Châteaux L’Effervescence, Japan x UNESCO-Welterbestätte: Insel Amami-Ōshima, Insel Tokunoshima, nördlicher Teil der Insel Okinawa und Insel Iriomote
Küchenchef Shinobu Namae baut ein Netzwerk von Stakeholdern auf, um aufzuzeigen, wie selektive, schonende Fangmethoden – etwa das Speerfischen im Freitauchen, bei dem Fischerinnen und Fischer Unterwasserökosysteme während des Fangvorgangs direkt beobachten können – in Kombination mit aktiven Naturschutzmassnahmen wie der Regeneration von Seegras- und Algenwiesen dazu beitragen können, Ökosysteme wiederherzustellen und die Biodiversität zu schützen. Durch die unmittelbare Zusammenarbeit mit Fischern, lokalen Gemeinschaften und den Verantwortlichen der UNESCO-Welterbestätte auf der Insel Amami-Oshima dokumentiert die Initiative nachhaltige Fischereipraktiken und das traditionelle Wissen rund um den Fischfang als lebendige Formen eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Natur. Durch die bewusste Beschaffung von Fischereiprodukten von Fischern, die nicht nur Fische fangen, sondern auch Massnahmen zur Regeneration der Lebensräume ergreifen, die sie erhalten, unterstützt das L’Effervescence ein Modell des Engagements durch Fischerei, das die Meeresökosysteme aktiv bewahrt. Durch die Weitergabe dieser Erkenntnisse vermittelt Küchenchef Namae seinen Gästen und Partnern, dass die Regeneration der Unterwasserwälder ebenso wichtig ist wie die Renaturierung der Wälder an Land.
(Relais & Châteaux/SAKL)