Geschäftsmodelle

Pleite oder Potential: Kooperationen mit Lieferdiensten

Foodora Fahrradkurier
Ein Fahrradkurier des Foodora Lieferservice strampelt sich durch die Straßen. (Foto: © picture alliance/Sueddeutsche Zeitung Photo)
Online-Bestellungen boomen. Noch nie wurde so viel Essen online geordert wie heute. Immer mehr Restaurants arbeiten mit Lieferdiensten wie Foodora oder Deliveroo zusammen. Lohnt sich das oder führt es in eine Abhängigkeit?
Mittwoch, 04.01.2017, 10:58 Uhr, Autor: Markus Jergler

Überall in deutschen Großstädten sieht man mittlerweile die rasenden Fahrradkuriere der Essenslieferdienste. In Deutschland gibt es vor allem zwei große Anbieter: Foodora, deren Fahrer pinke Kleidung tragen und Deliveroo, wo die Kuriere mit hellblauer Klamotte aus der Masse herausstechen wollen.

Das System ist denkbar einfach. Die Lieferdienste übernehmen die gesamte Bestell-Logistik für die Restaurants, angefangen bei der digitalen Speisekarte über den Auftragseingang per App hin zur Auslieferung innerhalb von 30 Minuten. Das ist das Versprechen. Für jedes ausgelieferte Gericht bekommen Foodora und Deliveroo eine Provision, welche nach Angaben verschiedener Restaurants bei rund 30 Prozent liegt.

Deliveroo Fahrradkuriere
Die Deliveroo-Kuriere prägen das Straßenbild der deutschen Großstädte. Dabei sind sie häufig enormen Zeitdruck ausgesetzt. (Foto: © picture alliance / empics)

Geschäftsmodell geht bislang für beide Seiten auf
Foodora konnte im Zeitraum zwischen April 2015 und April 2016  alle zwei Monate eine Verdoppelung des Auftragsvolumens feststellen. Das Unternehmen begann vor gut zwei Jahren und hat mittlerweile rund 2.200 Restaurants in 19 deutschen Städten im Portfolio. Der aus Großbritannien stammende Konkurrent Deliveroo startete im April 2015 und besitzt in Deutschland über 2.000 Kooperationen mit Restaurants in sechs Städten. Laut Deliveroo steigt die monatliche Anzahl der Bestellungen um rund 20 Prozent.

Auch die Restaurants scheinen bislang von dem Modell zu profitieren. Immerhin können so neue Zielgruppen erschlossen werden und das ohne den Stress und finanziellen Aufwand einer eigenen Lieferflotte. Sebastian Hunold beispielsweise, Inhaber einer kleinen Pizzeria in Berlin-Kreuzberg, freut sich über 1.000 Euro extra im Monat. Derartige Entwicklungen bestätigt auch Deliveroo-Geschäftsführer in Deutschland Felix Chrobog: „Viele Restaurants erhöhen ihren Umsatz durch uns um 20 bis 30 Prozent.“

Der DEHOGA warnt vor Abhängigkeit
„Was nicht passieren darf, ist, dass die Gastronomen in eine Abhängigkeit von Lieferdiensten geraten“, mahnt Christopher Lück, Sprecher des Gaststättenverbands DEHOGA. „Es muss für beide Seiten eine Win-win-Situation sein.“ Restaurantbetreiber sollten genau prüfen,  ob ein solcher Lieferservice das Richtige für sie sei und ob die in- und ausgehenden Lieferanten ins Konzept passten, so Lück. In der Tat wollen viele Restaurants die immer häufiger auftauchenden Lieferanten mit ihren sperrigen Rucksäcken nicht im Gastraum sehen: Sie müssen draußen warten oder werden über einen Hintereingang direkt in die Küche geschleust, heißt es bei Foodora und Deliveroo.

Besonders hart ist der nicht enden wollende Bestell-Boom natürlich für die Leiferkuriere. Ein Fahrer, der anonym bleiben will und in einer deutschen Großstadt seit rund einem Dreivierteljahr für Foodora arbeitet, sagt: „Es gibt halt echt Tage, da kommst du nur zu spät. Da hast du überhaupt keine Chance, die Abholzeiten einzuhalten.“ Teils kämen die Restaurants nicht mit dem Kochen hinterher, teils gingen per App einfach zu viele Bestellungen ein. Einmal sei er vor lauter Eile schwer gestürzt. (dpa / MJ)

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