Interview

„Ohne digital geht es nicht mehr“

Sodexo hat mit einem Soft-Opening zum 1. Juli 2021 das Restaurant „M.TOWER“ und die Kaffeebar „Horizon“ im Frankfurter Messeturm eröffnet. HOGAPAGE hat mit COO Corporate Services Peter Theissen über die Besonderheiten dieses gastronomischen Hotspots gesprochen. 

Dienstag, 27.07.2021, 09:12 Uhr, Autor: Karoline Giokas
Sodexo Messeturm Frankfurt

Das Horizon Café im Frankfurter Messeturm lockt Gäste mit seiner Glasfront, die sich genau auf Höhe des Bürgersteigs befindet. (Foto: © Sodexo)


Herr Theissen, was ist das Besondere im neuen Sodexo-Restaurant im Frankfurter Messeturm?
Wir haben an diesem Standort die herausfordernde Aufgabe gleich dreierlei Gästeklientel zu bedienen: direkt benachbart liegt das Messegelände, dann sind da die rund 3.500 Mitarbeiter der Mieter des Messeturms hier im Gebäude – sie bringen unterschiedliche Arbeitsphilosophien, Teilzeitquoten und Work Life Experience mit. On top kommen noch die potenziellen Gäste, die tagtäglich auf der sogenannten High Street vor dem Messeturm vorbeikommen – das Horizon Café lockt sie mit seiner Glasfront, die sich genau auf Höhe des Bürgersteigs befindet. Für alle diese Menschen gilt es ein attraktives Angebot zu offerieren. Das beinhaltet nicht nur den Verzehr vor Ort, sondern auch Grab & Go nach Vorbestellung über unsere Bite-App.

Peter Theissen Sodexo
„Im Herbst werden wir uns mit bis zu 90 Prozent Gästeanteil wieder in der Gastronomie treffen.“ Peter Theissen, COO Corporate Services bei Sodexo (Foto: © Sodexo)

Wie wollen Sie es schaffen, die erste Wahl zu sein?
Ein großer Trend ist es inzwischen in der Betriebsverpflegung, die Bezuschussung von Arbeitgeberseite nach unten zu fahren. Wir fokussieren uns daher bereits seit Jahren darauf, nicht mehr als klassischer Betriebsverpfleger zu denken. Stattdessen agieren wir mehr nach dem Mindset des öffentlichen Gastronoms und konzipieren Konzepte fernab der üblichen Gemeinschaftsverpflegung beispielsweise mit Frontcooking-Angebot. Nur so kann man auch höhere Preise rechtfertigen.

Ohne welches digitale Tool geht Betriebsgastronomie heute nicht mehr?
Ganz klar Click & Collect – Schlangenbildung ist immer ein Thema in der Betriebsgastronomie, denn erstaunlicherweise  gibt es noch immer das sehr deutsche Gebaren, um 12 Uhr Mittagessen zu wollen. Diesen Peak können wir nur aushebeln und kompensieren, indem wir unseren Gästen ermöglichen, ihre Speisen vorzubestellen. Zumal die Entwicklungen in Sachen Behälter to go inzwischen so ausgereift sind, dass Gastronomen keine Probleme mehr haben, ihre Speisen zum Mitnehmen anzubieten und Gäste trotzdem ein großartiges Esserlebnis genießen.

Und wie genau wird dieses Angebot im Frankfurter M.Tower vor Ort gemanagt?
Wir haben im Restaurant einen Empfang ähnlich dem eines Hotels eingerichtet, an dem ein Host die Gäste begrüßt, die via Bite-App eingehenden Vorbestellungen verwaltet und an die Küche weiterleitet. Sobald sie fertig sind, können sie hier vom Gast abgeholt werden.

Sie planen mit 500 Essen am Tag bei 170 Sitzplätzen. Ein sportliches Unterfangen.
Rein mathematisch gesehen ja, aber auch hier haben wir digital aufgerüstet. Am Empfang wird den Gästen auf einem großen Screen die aktuelle Auslastung der Sitzplätze sekundengenau angezeigt. Möglich ist das durch ein an jedem Tisch im Restaurant integriertes Sensorsystem, das via Bewegung die Belegung erkennt und darstellt. Auch via App können die Gäste diesen Service einsehen und dementsprechend ihren Besuch im Restaurant planen.

 

Am Eingang des Restaurants werden Gäste durch einen Host empfangen und bekommen via Screen gleich einen Überblick über die aktuelle Auslastung der Sitzplätze. (Foto: © Sodexo)

 

Was glauben Sie, wie steht es um die Zukunft des Delivery- bzw. Grab & Go-Geschäfts?
Fakt ist, 50 % der Menschen geht es prima damit, statt im Restaurant mit Gleichgesinnten zuhause zu essen. An die 30 % sind bei der Arbeit zuhause weniger glücklich als im Büro. Ich bin fest der Überzeugung, dass – wenn es die Entwicklung der Pandemie zulässt – wir uns im Herbst unter Einhaltung der Hygienebestimmungen mit 80 bis 90 Prozent Gästeanteil wieder zurück in der Gastronomie treffen. Wir müssen und wollen wieder zur Normalität finden. Natürlich gibt es New Ways of Working, aber auch nach wie vor einen sehr hohen Anteil an Arbeitsplätzen, die ohne Präsenz einfach nicht funktionieren. Insofern glaube ich, dass der Präsenzanteil künftig wieder zunimmt.

Für all diejenigen, die letztlich trotzdem anderorts speisen möchten, bieten wir einen breitgefächerten Service für zuhause an: Unsere Kochtüten, rezeptierte Einmachgläser und aktuell arbeiten wir an TK-Lösungen. Hier geht es weniger um hohe Umsätze, sondern darum, Gästen Optionen zu ermöglichen. Wieviele von unseren Gästen dies dann weiterhin in Anspruch nehmen, bleibt abzuwarten.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

HOGAPAGE berichtete bereits letzte Woche über das neue Gastronomiekonzept von Sodexo.

(KG)

 

 

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