ETL Adhoga Gastrobriefing

Kann Deutschland noch Trinkgeld?

Gäste bezahlen im Restaurant
Beim neuen ETL Adhoga Gastrobriefing geht es um die scheinbar sinkende Bereitschaft von Gästen Trinkgeld zu zahlen. (Foto: © cherryandbees/ stock.adobe.com)
Trinkgeld – Last oder Lust? Dieser Frage widmete sich die 77. Folge des ETL Adhoga Gastrobriefings. Ausgangspunkt war die unter Branchenvertretern verbreitete Ansicht, dass sich bei den Gästen nicht nur die Höhe, sondern auch die grundsätzliche Bereitschaft, Trinkgeld zu zahlen, in den vergangenen Monaten verringert hat.
Mittwoch, 31.08.2022, 11:43 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Ende Juli berichtete ARD-Moderatorin Anja Reschke auf Twitter von den Erfahrungen einer Kellnerin, dass momentan kaum noch ein Gast bereit sei, genügend Trinkgeld zu geben (HOGAPAGE berichtete). Der Tweet löste eine Diskussion über Charakter, Höhe und Hintergrund des Trinkgelds für Mitarbeiter in Hotellerie und Gastronomie in Deutschland aus.

Grund genug für ETL Adhoga, die Thematik im regelmäßigen Branchenupdate ETL Adhoga Gastrobriefing aufzugreifen. Gemeinsam mit der SQL-Steuerberaterin Andrea Popiesch (Plus Advise Admedio Krefeld), Alexander Scharf, (Geschäftsführer Luchs Akademie) sowie dem in der Hotellerie angestellten Lukas Hicks sprach ETL Aadhoga-Leiter Erich Nagl geteilte Erfahrungen, Wertschätzung sowie rechtliche Fragen rund um das augenscheinliche „Reizthema“.

Trinkgeldbeträge brechen ein

Der gelernte Hotelfachmann Lukas Hicks spürt diesen Trend am eigenen Leib. „Seit dem Ende der Lockdown-Zeit“, berichtet der 22-Jährige, „sind die Trinkgeld-Beträge peu à peu weniger geworden. Nun allerdings brechen sie regelrecht ein.“

Er selbst sei zum Glück nicht vom Tip abhängig, wisse allerdings, dass es vielen Kollegen innerhalb der Branche da anders geht. Insbesondere mit Hinblick auf den Personalmangel im Gastgewerbe bereitet ihm diese Tatsache Sorge:

„Die Abhängigkeit vom Trinkgeld innerhalb der Branche ist hoch. Wäre es anders, könnte eine neue Generation von Mitarbeitern gewonnen werden. Denn diejenigen, die ihren Beruf nur aus Liebe zur Dienstleistung machen können, werden weniger.“

Trinkgeld als Bestandteil der regulären Vergütung?

In vielen Betrieben werde Trinkgeld seit jeher als Bestandteil der regulären Vergütung des Mitarbeiters gesehen, legte Erich Nagl den Finger in eine uralte Wunde. Für Alexander Scharf, Geschäftsführender Gesellschafter der Gastro Urban und Geschäftsführender Gesellschafter der Luchs Akademie, eine „peinliche“ Bestandsaufnahme.

„Trinkgeld ist eine sehr schöne Möglichkeit, auf der Beziehungsebene Gast-Mitarbeiter Wertschätzung auszudrücken. Damit habe ich aber als Geschäftsführer gar nichts zu tun und sollte damit dementsprechend auch nicht als Lohnergänzung kalkulieren“, mahnte er.

Rechtliche Fallstricken

Die ETL-Steuerberaterin Andrea Popiesch warnte zudem Arbeitgeber vor rechtlichen Fallstricken beim Trinkgeld. Zwar dürfe man als Geschäftsführer moderierend treuhänderische Hilfestellungen bei der Aufteilung des Trinkgelds unter den Beschäftigten bieten, allerdings nicht bestimmen, wie die Aufteilung auszusehen habe.

„Die Steuerfreiheit ist nur dann gewährleistet, wenn der Chef sich nicht zu sehr einmischt“, erklärt Andrea Popiesch.

Was das Gewerberecht zum Trinkgeld für Arbeitgeber sagt, welche Rolle das Vertrauen bei der Erfassung von Trinkgeld in den Betrieben von Alexander Scharf spielt, ob es ein Ost-West-Gefälle bei der Höhe des Trinkgeldes gibt und was eigentlich Adolph Freiherr Knigge zur idealen Höhe des Tips empfohlen hat, erfährt man in der aktuellen Folge des ETL Adhoga Gastrobriefings.

(ETL Adhoga/SAKL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Denis Feix beim Anrichten
Neuausrichtung
Neuausrichtung

Sternerestaurant „Marburger Esszimmer“ schließt

Trotz großer Anerkennung durch Gäste, Fachpresse und renommierte Gourmetführer konnte sich das anspruchsvolle Green-Fine-Dining-Konzept des „Marburger Esszimmers“ regional nicht etablieren. Das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant schließt – eine neue Ausrichtung ist jedoch angestrebt. 
Sophie Lehmann und Thomas A. Imbusch
Saisonalität
Saisonalität

Vier Jahreszeiten, vier Menüs: Restaurant 100/200 Kitchen startet neuen kulinarischen Zyklus

Wenn die Natur den Takt vorgibt: Mit dem Menü „Feld & Flur“ startet das Hamburger Zwei-Sterne-Restaurant 100/200 Kitchen in einen neuen kulinarischen Jahreszyklus. Küchenchef Thomas A. Imbusch setzt dabei auf ein konsequent saisonales Konzept mit vier Menüs im Rhythmus der Natur.
Andreas Caminada
Einigung
Einigung

Kehrtwende: Andreas Caminada bleibt im Grand Resort Bad Ragaz

Es war ein Paukenschlag: Nach zehn Jahren verkündete das Grand Resort Bad Ragaz, dass es sich von Spitzenkoch Andreas Caminada trennen würde. Jetzt konnten sich beide Parteien doch auf ein Fortsetzung der Zusammenarbeit einigen. 
Alex am Rothenbaum
Rückkehr
Rückkehr

Hamburg hat wieder zwei Alex: Neueröffnung am Rothenbaum

Seit dem 29. Januar 2026 ist das neue „Alex am Rothenbaum“ eröffnet. Nach dem Aus im Alsterpavillon im Oktober 2025 ist das Konzept damit nun wieder mit zwei Gastronomien in der Hansestadt vertreten. 
Junge Menschen schauen in Speisekarte
Kennzeichnungspflicht
Kennzeichnungspflicht

Staatliches Tierhaltungslogo auf 2027 verschoben

Die Einführung des staatlichen Tierhaltungslogos für Fleisch im Supermarkt verzögert sich erneut: Die Pflichtkennzeichnung soll nun 2027 starten – zunächst für Schweinefleisch. Union und SPD wollen das System bis dahin überarbeiten und dann auch auf Restaurants und Kantinen ausweiten.
Ein Pärchen im Restaurant
Studie
Studie

Valentinstag: So viele Deutsche planen einen Restaurantbesuch

Valentinstag bleibt ein wichtiger Umsatztreiber für die Gastronomie. In diesem Jahr wollen mehr als die Hälfte der Deutschen an diesem Tag auswärts essen, so eine OpenTable-Studie. Gleichzeitig verändern sich die Rituale: Galentine’s Day, Gruppen-Dinner und Solo Dining liegen im Trend.
Trüffelsuche
Wissenswertes
Wissenswertes

Trüffel-Festival in Berlin – Wissenswertes über den Edelpilz

Im Festsaal Kreuzberg könnte es am Wochenende intensiv riechen: Zwei Tage lang findet dort ein Trüffel-Festival statt. Trüffelhändler Massimo Ferradino hat die wichtigsten Fakten über den edlen Pilz.
Inhaber Oz Ben David steht vor dem Restaurant Kanaan.
Serienidee
Serienidee

Restaurant „Kanaan“ in Berlin inspiriert neues Serienprojekt

Ein neues Serienprojekt erzählt von zwei Männern, die in Berlin ein Restaurant eröffnen – inspiriert vom echten „Kanaan“ und seinen Betreibern. Im Mittelpunkt stehen die Herausforderungen zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, wirtschaftlichem Druck und persönlichen Widersprüchen.
Plakat Lidl Veganuary
Aktion
Aktion

Veganuary: Vier Restaurant-Takeovers mit Lidl

Mit einer Tour durch Köln, Hamburg, Berlin und München will der Discounter den Aktionsmonat im Gastro-Alltag erlebbar machen. In den teilnehmenden Betrieben stehen für kurze Zeit vegane Menüs im Fokus, zubereitet fast ausschließlich mit Produkten aus dem Filialsortiment.