Food Hall

Kalle Halle GmbH stellt Insolvenzantrag

Kalle Halle
Die Kalle Halle GmbH hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen betreibt die gleichnamige Food Hall in Berlin-Neukölln. (Foto: © picture alliance/dpa | Britta Pedersen)
Die Betreibergesellschaft der Food Hall im Herzen von Neukölln hat Insolvenz angemeldet. Vorausgegangen war die Kündigung des Mietvertrags durch den Eigentümer des Gebäudes.
Dienstag, 21.07.2026, 14:18 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Nach einer längeren Phase der Unsicherheit hat die Kalle Halle GmbH einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen betreibt seit September vergangenen Jahres die Food Hall „Kalle Halle“ im Berliner Stadtteil Neukölln.

Der Schritt folgt auf die Kündigung des Mietvertrags durch den Eigentümer des Gebäudes, Maruhn Real Estate Investment (MREI). Die Kalle Halle GmbH ist damit bereits das dritte Unternehmen im Kalle-Neukölln-Komplex, das in diesem Jahr Insolvenz anmeldet – nach den ehemaligen Mietern Kiezbüro und WeFox.

Druck auf das Gastgewerbe

Nach Angaben der Kalle Halle GmbH steht die Entwicklung im Zusammenhang mit der angespannten Lage im Gastgewerbe in Berlin und ganz Deutschland. „Die Pandemie, die Energiekrise und die Inflation haben die Gastronomie hart getroffen. Viele Betriebe haben diese Abfolge von Krisen nicht überlebt. Seitdem mussten Zehntausende Restaurants und Bars schließen“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform.

Allein zwischen 2024 und 2025 schlossen nach Angaben der Kalle Halle GmbH deutschlandweit rund 24.500 Restaurants, Gaststätten und Bars. Die Zahl der Insolvenzen stieg 2024 um 26,5 Prozent und 2025 um weitere 29,6 Prozent auf insgesamt 2.905 Fälle – mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2022. Zwischen 2020 und 2025 wurden insgesamt 11.252 Insolvenzen verzeichnet. Laut der Kalle Halle GmbH beschleunigt sich diese Entwicklung 2026 erneut.

Berlin sei dabei besonders stark betroffen. Steigende Mieten, rückläufige Besucherzahlen und ein hoher Leerstand bei Gewerbeimmobilien würden den Druck auf unabhängige Betreiber zusätzlich erhöhen – so auch auf die Kalle Halle GmbH.

Einblick in die Kalle Halle
Die Kalle Halle entwickelte sich nach Angaben der Betreibergesellschaft zu einem Treffpunkt für Nachbarn, Büroangestellte, Familien und die kreative Community in Berlin-Neukölln. (Foto: © picture alliance/dpa | Britta Pedersen)

Konzept sollte Risiken senken

In diesem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld sollte das Modell der Kalle Halle nach Angaben der Betreibergesellschaft kleinen Unternehmen eine wirtschaftliche Perspektive bieten. Durch gemeinsam genutzte Flächen, zentral organisierte Abläufe im Gästebereich und ein kooperatives, gemeinschaftsorientiertes Umfeld sollte unabhängigen Gastronomiebetrieben und Köchen ein risikoärmerer Weg geboten werden, ihre Unternehmen weiterzuentwickeln.

„Wir haben nicht einfach nur Flächen vermietet. Wir haben ein Ökosystem geschaffen, in dem unabhängige Restaurant-Partner gemeinsam mit einer Community wachsen konnten, anstatt sich den Herausforderungen allein stellen zu müssen“, heißt es in der offiziellen Presseaussendung der Kalle Halle GmbH.

Ein solches Geschäftsmodell benötige jedoch Zeit, um sich zu stabilisieren. „Leider stand uns diese Zeit nicht zur Verfügung“, erklärt die Betreibergesellschaft.

Ein Treffpunkt für die Community 

In nur acht Monaten begrüßte das Team der Kalle Halle nach eigenen Angaben Zehntausende Menschen in den Räumen. Der Ort entwickelte sich demnach zu einem Treffpunkt für Nachbarn, Mitarbeiter der Büros im Gebäude, Familien, unabhängige Kreative sowie Berlins kreative, kulinarische und queere Communities.

Dabei war die Kalle Halle Gastgeber wichtiger kultureller Veranstaltungen wie dem Qweer Spring Fest mit 2.500 Gästen, dem Radical Market mit 1.000 Gästen, der Fête de la Musique mit 1.000 bis 1.500 Gästen sowie regelmäßigen Art Riot Jams Art Sessions. 

Auch Nachbarschafts- und Familienveranstaltungen fanden in der Kalle Halle statt. Genannt werden unter anderem das Chili Fest mit 2.000 Gästen, die Eröffnungsfeier mit 1.000 Gästen, monatliche Roller Discos mit durchschnittlich 300 Teilnehmern sowie kostenlose öffentliche Übertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft.

Mit Veranstaltungen wie Eat Berlin mit 1.500 Gästen, dem We Make Berlin Market mit 1.500 Gästen, dem Radical Market, dem Tasty Vintage Fleamarket und wiederkehrenden beruflichen Networking-Veranstaltungen wie Brewing Minds bot die Kalle Halle zudem lokalen Talenten eine Plattform und Starthilfe.

Bei lokalen Partnerschaften arbeitete die Kalle Halle unter anderem mit der WERGO GmbH zusammen. Diese kümmerte sich um die Begrünung der Kalle Halle und bot Menschen mit Behinderungen Beschäftigungsmöglichkeiten.

Bekenntnis zu Neukölln

Die Insolvenz der Kalle Halle GmbH markiert nach Angaben der Betreibergesellschaft ein schwieriges Kapitel in der Geschichte des Unternehmens. Das Engagement für die Community solle jedoch bestehen bleiben.

„Unser Dank gilt unseren Restaurantpartnern, mit denen wir Seite an Seite hart daran gearbeitet haben, das Beste aus einer schwierigen Situation zu machen, unserem Team, unseren kulturellen Kooperationspartnern, unseren Geschäftspartnern und den Menschen in Neukölln. Dies ist die Community, mit der wir gemeinsam etwas aufbauen wollten und die wir unterstützen wollten. Für sie werden wir uns auch weiterhin einsetzen“, heißt es abschließend in der Medienmitteilung der Kalle Halle GmbH.

Hintergrund zur Kalle Halle

Die Kalle Halle ist Teil des Kalle-Neukölln-Komplexes an der Karl-Marx-Straße in Berlin. Das ehemalige Kaufhausgebäude wurde nach längerem Leerstand zu einem Nutzungskonzept mit Gastronomie, Kultur, Coworking, Start-ups und weiteren Angeboten umgebaut.

Im Erdgeschoss entstand die Kalle Halle als Food Hall beziehungsweise Food Market. Dafür wurde nach Angaben der Kalle Halle der ehemalige Quelle Outlet Store aus dem Jahr 1971 umgestaltet. Das Konzept setzte auf Gastronomie, Bars und Veranstaltungen. Vorgesehen waren unter anderem zwölf Küchen, zwei Bars und Eventflächen für bis zu 700 Gäste.

Nach einem Soft Opening im April 2025 folgte im September 2025 die offizielle Eröffnung. Das gastronomische Angebot umfasste mehrere Restaurants, Pop-ups und eine Bar. Die Bandbreite reichte von Streetfood bis zu zugänglichem Fine Dining.

(Kalle Halle GmbH/SAKL)

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