Energiekrise

DZG warnt vor sinkender Nachfrage in der Gastwelt

DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge
DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge warnt angesichts der Energiekrise vor einer doppelten Belastung aus steigenden Kosten und sinkender Nachfrage. (Foto: © DZG)
Steigende Preise für Energie und Lebensmittel setzen Tourismus und Gastronomie unter Druck. Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt fordert politische Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft.
Montag, 30.03.2026, 10:30 Uhr, Autor: Sarah Hoffmann

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) warnt vor den wirtschaftlichen Folgen steigender Energiepreise infolge der geopolitischen Eskalation im Nahen Osten. Nach Einschätzung der Experten führt die Entwicklung zu einer gefährlichen Wechselwirkung aus steigenden Kosten und sinkender Binnennachfrage. Besonders betroffen sind Leistungen rund um Tourismus, Hospitality, Foodservice und Freizeit.

Die Denkfabrik spricht von einer „doppelten Belastung“, die sich zu einer strukturellen Herausforderung für den Standort entwickeln könne. „Die Energiekrise trifft die Gastwelt nicht einmal, sondern dreifach: über allgemein steigende Kosten, über die Verteuerung der Lieferketten und über die Kaufkraft der Gäste“, sagt DZG-Vorstandschef Dr. Marcel Klinge.

Kostensteigerungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Steigende Energiepreise wirken laut DZG als Multiplikator entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Lebensmittelproduktion über die Logistik bis hin zu den Betriebskosten in Hotels, Bars und Gastronomiebetrieben. Besonders energieintensive Bereiche wie Küchenbetrieb, Kühlung, Wäscherei sowie Wellness- und Spa-Angebote sind unmittelbar betroffen.

Gleichzeitig führt die Inflation zu einer spürbaren Konsumzurückhaltung. Leistungen der Gastwelt zählen zu den Ausgaben, auf die Verbraucher in unsicheren Zeiten zuerst verzichten. Dadurch entsteht eine doppelte Belastung aus steigenden Kosten und rückläufiger Nachfrage.

Forderung nach politischem Gegensteuern

Vor diesem Hintergrund fordert die Denkfabrik ein schnelles Maßnahmenpaket. Dazu zählen unter anderem eine dauerhafte Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau sowie ein Moratorium für zusätzliche Abgaben und Regulierung.

Zugleich plädiert die DZG für eine Stärkung des Binnenkonsums. „Wer die Wirtschaft stabilisieren will, muss auch die Nachfrage stabilisieren“, so Klinge. „Eine neue Inflationsausgleichsprämie etwa könnte helfen, Kaufkraft zu sichern und gezielt dort zu wirken, wo Konsum entsteht, zum Beispiel in Gastronomie, Hotellerie, Tourismus und Freizeit.“

Langfristige Auswirkungen nicht unterschätzen

Die Denkfabrik warnt davor, die aktuelle Entwicklung als kurzfristigen Preisschock zu betrachten. Erfahrungen aus früheren Krisen zeigten, dass sich Energiepreise häufig auf einem dauerhaft höheren Niveau einpendeln. Umso wichtiger sei es, Unternehmen vor starken Schwankungen zu schützen und Investitionen in Effizienz zu ermöglichen.

„Energiepolitik ist längst Standortpolitik, das sehen wir gerade sehr deutlich. Je länger der Krieg im Nahen Osten dauert, desto spürbarer werden die Auswirkungen bis auf den Teller im Lokal“, erklärt der ehemalige Bundestagsabgeordnete. „Wenn wir die Gastwelt als Wertschöpfungsfaktor erhalten wollen, müssen wir sowohl die Kostenbasis der Unternehmen stabilisieren als auch die Nachfrage stärken. Beides gehört zusammen.“

Risiko für Beschäftigung und Wertschöpfung

Ohne gezielte Gegenmaßnahmen droht nach Einschätzung der Denkfabrik ein weiterer Rückgang von Angebot, Beschäftigung und regionaler Wertschöpfung. Mit rund sechs Millionen Beschäftigten ist die Gastwelt ein zentraler Arbeitgeber und ein wichtiger Faktor für wirtschaftliche Dynamik und gesellschaftliches Leben in Deutschland.

(DZG/ SAHO)

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