Jetzt ist der Laden dicht

AfD-Wahlparty: Gastwirt schmeißt nach Anfeindungen hin

Die schleswig-holsteinische Landtagswahl hat einen Gastronomen die Existenz gekostet. Er überließ der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) seinen Gastraum und musste sich danach üble Verunglimpfungen gefallen lassen. Zu viel für die Nerven und das Geschäft des Wirtes.

Donnerstag, 01.06.2017, 09:37 Uhr, Autor: Felix Lauther
Afd-Wahlparty

Anhänger der AfD verfolgen am am 07. Mai 2017 in Aukrug (Schleswig-Holstein) bei der Wahlparty der Partei eine Fernsehübertragung aus dem Landtag. (© dpa)

Sie zerstochen seine Reifen, beschmierten die Türen und luden Pferdemist vor seiner Gaststube ab. Was sich Gastronom Sven Lohse gefallen lassen musste, war zu viel des Guten. Dabei hatte der geschäftstüchtige Gastwirt aus Schleswig-Holstein sein Lokal an die Partei Alternative für Deutschland (AfD) für eine Wahlkampfparty vermietet. Die umstrittene Partei feierte dort ihr Wahlergebnis bei der Landtagswahl im nördlichsten Bundesland der Republik. Frauke Petry, Parteivorsitzende der AfD, war genauso vor Ort wie andere Spitzenpolitiker der Partei. Am 3. März eröffnete Petry in Sven Lohses Restaurant „Tivoli“ in Aukrug auch den Wahlkampf, bis es dann in der Wahlnacht am 7. Mai ordentlich zur Sache ging.

Selbst Erdogan würde bei Sven Lohse zu Wort kommen
Rund drei Wochen nach der rauschenden AfD-Party schmiss der Gastronom hin. Nach Informationen der „Kieler Nachrichten“ wurde das „Tivoli“ nach der Wahlnacht zum Ziel wüster Anfeindungen und Vandalismus. So wurden die Eingangstüren mit linksradikalen Sprüchen beschmiert, Pferdemist mit zerrissenen Wahlplakaten der AfD vor der Gaststätte platziert, Lohses Autoreifen zerstochen – sogar beim Hausmeister des Gebäudes. Sven Lohse ging zur Polizei und erstattete Anzeige, wie die Zeitung weiter schreibt. Hinter dem Angriff sollen Linksextremisten stehen. Eine heiße Spur zu den Tätern gibt es noch nicht.

„Wir haben die Schnauze gestrichen voll“, sagt Lohse gegenüber den „Kieler Nachrichten“. Er musste sein Lokal schließen, weil keine Gäste nach den Vorfällen mehr zu ihm kamen. Mit den Personen, die seinen Betrieb angriffen, geht er hart ins Gericht. „Im Namen der Demokratie“ würden einige übers Ziel hinausschießen, was er nicht verstehen könne. Vertrage Deutschland keine Kritik, seien dies keine demokratischen Strukturen mehr. Er würde selbst Politikern wie dem türkischen Präsidenten eine Stimme geben. (Welt.de / Kieler Nachrichten / FL)

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