Verbrauchertäuschung

Sterneschwindel hält an: Wettbewerbszentrale mahnt Hotels ab

Im vergangenen Jahr musste die Wettbewerbszentrale insgesamt 4.000 Mal ausrücken und Firmen abmahnen. Darunter waren auch viele Hotels und Beherbergungsbetriebe.

Freitag, 31.03.2017, 09:34 Uhr, Autor: Markus Jergler
Hotel Rezeption mit Serviceklingel und Schlüssel

Noch immer sind falsche Hotelsterne im Umlauf( Foto: © viperagp / fotolia)

Verbraucher werden häufig getäuscht, egal ob es um das Herkunftsland von bestimmten Lebensmitteln, parabenfreie Kosmetikartikel oder die Anzahl der Sterne von Hotels und Beherbergungsbetrieben geht. Um sicher zu stellen, dass Unternehmen und Firmen nur mit Kennzeichnungen, Kategorisierungen und Preisangaben werben, die auch der Wahrheit entsprechen, gibt es in Deutschland die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, kurz Wettbewerbszentrale. Diese musste vergangenes Jahr auch immer häufiger Mahnungen gegen Hotels aussprechen. Und auch dieses Jahr werben zahlreiche Unterkünfte mit falschen Sternen.

Laut der Welt seien es nicht nur „kleine Bruchbuden“, die sich selbst ungerechtfertigt mit Sternen schmücken, sondern auch größere Häuser. So hätten 2016 beispielsweise das Sofitel in Berlin am Gendarmenmarkt oder das Kameha Grand Hotel in Bonn durch illegal ausgewiesene Sterne auf sich aufmerksam gemacht. „Es gibt eben bestimmte Regeln, nach denen diese Sterne vergeben werden“, so Reiner Münker, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der Wettbewerbszentrale.

DEHOGA in der Kritik
Wie ZDF-Reporter vergangenes Jahr enthüllten, schmückte sich 2016 jedes vierte Hotel mit Sternen, die es eigentlich gar nicht besitzt. Grundlage dieser Aussage war eine Überprüfung von 1.000 Unterkünften in zehn deutschen Städten. Die ausgewiesenen Sterne waren entweder abgelaufen oder nie vorhanden.

Das Vergabe-System des DEHOGA sei „lasch“ und „inkonsequent“ zweifelte Tourismuswissenschaftler Martin Linne die Vorgehensweise des Verbandes im vergangenen August an. Es mangele an einer systematischen Kontrolle durch den Interessenverband, so Linne. Folgende Faktoren wurden kritisiert:

  • Lediglich stichprobenartige Prüfung der Angaben im Erhebungsbogen
  • Viel zu schwammig formulierte Bewertungskriterien
  • Quantität statt Qualität im Fokus
  • Fehlende Vergleichbarkeit innerhalb der Sternekategorien

Der sicherste Weg sei nach wie vor die Bewertungen früherer Hotelgäste zu vergleichen. Denn diese seien unabhängig und anonym. (WELT / MJ / hotelreservierung.de)

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