Statement

„Öffnungschaos, das jedweder Beschreibung spottet“

Von einer einheitlichen Öffnungsstrategie ist in Deutschland nichts mehr zu merken. Nachvollziehbare Konzepte und vernünftige Perspektiven wie sie die Branche schon lange fordert, gibt es nicht.  In seinem Statement zur derzeitigen Situation der Hotellerie fordert HDV-Vorsitzender Jürgen Gangl daher, endlich mit Branchenverbänden und Hotelexperten zusammenzuarbeiten. 

Mittwoch, 12.05.2021, 14:11 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Jürgen Gangl

Jürgen Gangl, 1. Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland, äußert sich zur aktuellen Situation in der Hotellerie. (Foto: © HDV)

Bei den Lockerungen des Lockdown kocht jedes Bundesland sein eigenes Süppchen – zum Leidwesen der Betriebe. Jürgen Gangl, 1. Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland, zur aktuellen Situation in der Hotellerie:

„Das Chaos in der Frage um Eröffnungen und Lockerungen im Gastgewerbe ist perfekt. Es ist Wahlkampf, und kaum nimmt hierzulande die Impfkampagne an Fahrt auf, werden vage bis höchst irritierende Aussagen gemacht. Headlines in den einschlägigen Branchennewslettern lauten „Endlich Biergarten: Viele Kreise in Bayern wollen am Montag Außen-Gastro öffnen“ – „Berlins Bürgermeister Müller spricht von Lockerungen für Gastronomie“ – „Neustart für Tourismus an der inneren Lübecker Bucht“ – „Brandenburg prüft Öffnung von Gaststätten und Tourismus im Freien“ -„Noch ohne Gastro und Hotel: Rheinland-Pfalz öffnet in Regionen mit Inzidenz unter 100“ – „Keine Öffnungspläne für Hessen“- „Minister und Virologe machen Hoffnung auf Sommerurlaub“. Und dann ist da noch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, der zum wiederholten Male mit (Hotel-)Äußerungen für Verwirrung sorgt. Darüber hinaus hält Bayerns Ministerpräsident Markus Söder eine Verlängerung des Lockdowns über Juni hinaus für möglich. Was ist das für eine Nachrichtenlage?

Nach über einem Jahr Pandemie mit existenzbedrohenden Einbußen, Hilfen, die zu spät oder gar nicht kommen und hochgradiger Ignoranz seitens der Politik gegenüber der Hotellerie wird uns nun ein Öffnungschaos serviert, das jedweder Beschreibung spottet. Wir fordern schon lange zumindest eine Perspektive, ein nachvollziehbares Konzept, das uns einen intelligenten, vernünftigen und einheitlichen Öffnungsweg weist. Die Hotellerie ist sehr gut vorbereitet, erfüllt alle Sicherheits- und Hygienebestimmungen und ist wissenschaftlich nachgewiesen kein Pandemietreiber.

Wäre es nicht zur Abwechslung eine gute Idee, einen Weg gemeinsam mit den Branchenverbänden, mit den anerkannten Hotelexperten zu erarbeiten? Einfach auf Expertise zu setzen?

Es zeigt sich auf bedrückende Weise, dass in einem Land wie Deutschland mit einem Top-Ausbildungsniveau, dem unbeirrten Glauben an die Wissenschaft und einem hohen Anspruch an praktisches und theoretisches Wissen an den entscheidenden Stellen ausgewiesene Laien die politischen Weichen stellen und ganze Branchen an den Rand der Existenz bringen.

Wir haben in der Krise viel gelernt, unsere Welt hat ihre Umlaufbahn kurzzeitig verlassen und bahnt sich gerade einen Weg zurück in die Vor-Pandemie-Zeit. Die Blessuren sind unübersehbar und werden uns noch lange begleiten.“

(HDV/NZ)

 

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