Gesunde Ernährung

Nach dem Nutri-Score die Zuckersteuer?

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßt die politische Entscheidung zur neuen Lebensmittelkennzeichnung – erklärte aber auch, dass das allein als Präventionsmaßnahme gegen Fettleibigkeit nicht ausreiche.

Montag, 07.10.2019, 10:54 Uhr, Autor: Kristina Presser
Glas voller Zuckerwürfel

Kommt bald die Zuckersteuer? Gefordert wird sie bereits seit Langem. (© Foto: Dmytro Sukharevskyi)

Um Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen vorzubeugen, braucht es eine Zuckersteuer. Das fordert jetzt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) im Zuge einer Stellungnahme zum kürzlich vorgestellten Nutri-Score durch Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (HOGAPAGE berichtete). BVKJ-Vizepräsidentin Dr. Sigrid Peter: „Wir brauchen so schnell wie möglich ein Werbeverbot für speziell an Kinder gerichtete Lebensmittel, weiterhin darf es den Verkauf von zuckerhaltigen Getränken in Schulen nicht mehr geben, außerdem wünschen wir uns eine Zuckersteuer. Von Adipositas sind hauptsächlich Kinder und Jugendliche aus armen und bildungsfernen Familien betroffen. Hier müssen wir mit gezielter Prävention ansetzen. Wir brauchen explizite Qualitätsstandards für Kita- und Schulessen und auch eine kostenlose Schulverpflegung.“

Eine Wiedereinführung wird seit Längerem in der Politik diskutiert. Bis 1993 gab es schon einmal eine Zuckersteuer. Die Gesundheit spielte aber weder bei der Einführung noch Abschaffung eine Rolle. Vielmehr sollt bei Einführung im Jahr 1841 die heimische Zuckerrübe geschützt werden, bei der Abschaffung die Wettbewerbsverszerrungen auf dem EU-Binnenmarkt beendet werden, wie vor einiger Zeit das Ärzteblatt schrieb.

Dass eine gesetzliche Zuckersteuer ein wirksames Vorgehen sei, zeigten Beispiele aus dem Ausland (etwa Großbritannien, Irland, Frankreich, Ungarn und Finnland), wie BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach unter anderem von der Zeit zitiert wird. „Durch die Einführung von Zucker-Abgaben und damit höheren Preise ist den Verbrauchern dort die Lust auf Süßes weitgehend vergangen, die Absatzzahlen an Süßgetränken gehen seit Einführung der Steuer deutlich zurück.“ Dass gesetzliche Verbote wirkten, habe bereits das Rauchverbot gezeigt und auch die Alkopops-Steuer.

Der Nutri-Score alleine reicht nicht

Davon abgesehen begrüße der Verband die Einführung des Nutri-Scores, erklärte Dr. Thomas Fischbach, der lange vom Berufsverband gefordert wurde. Gleichzeitig stellte er klar, dass diese Maßnahme alleine noch nicht als Präventionsmaßnahme gegen Adipositas ausreiche. „Um Kinder und Jugendliche in Deutschland vor Übergewicht und seinen Folgeerkrankungen zu schützen, brauchen wir weitere Maßnahmen.“

Über den Nutri-Score

Der Nutri-Score ist ein Kennzeichnungssystem zum Nährwert von Lebensmitteln, dessen Wirksamkeit durch vielen wissenschaftlichen Studien belegt ist. Er bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe und Proteine in eine Gesamtbewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an – auf einer fünfstufigen Skala von „A“ auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes „C“ bis zu einem roten „E“ für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben. Das neue Logo soll eine Ergänzung für die EU-weit verpflichtende Nährwerttabelle sein, die meist auf der Rückseite von Packungen steht. Erste Produkte damit sind bereits in deutschen Supermärkten zu kaufen.

 

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