Schweiz

Jeder fünfte Betrieb musste bereits schließen

Der Schweizer Branchenverband GastroSuisse hat die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter seinen Mitgliedern veröffentlicht. Die krisenbedingte Entwicklung im Gastgewerbe ist dramatisch. Der Verbandspräsident übt scharfe Kritik an der Politik.

Freitag, 05.03.2021, 07:13 Uhr, Autor: Kristina Presser
GastroSuisse Präsident Casimir Platzer, rechts; links: Blick durch ein Fenster in ein geschlossenes Restaurant oder Café, in dem die Stuhle umgedreht auf den Tischen abliegen

GastroSuisse-Präsident Casimir Platzer sagt zu den schleppenden Finanzhilfen der Politik: „Das ist untragbar.“ (Fotos: ©Maurizio/stock.adobe.com; GastroSuisse)

Im Schweizer Gastgewerbe mussten bereits fast 20 Prozent ihren Betrieb aufgeben. Weitere 20 Prozent stehen kurz davor. Fast die Hälfte all jener, die ein Härtefall-Gesuch eingereicht haben, warten seit mehreren Wochen auf eine Antwort. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Verband für Hotellerie und Restauration in der Schweiz, GastroSuisse, von 26. Februar bis 02. März 2021 unter seinen Mitgliedern durchgeführt hat. 3.556 Betriebe nahmen teil. Der Verband fordert daraufhin wiederholt und verstärkt, dass Restaurants wieder öffnen dürfen und Gesuche rasch bearbeitet werden. Zwingend notwendig sei auch, dass die Kantone die Betriebe möglichst umfangreich entschädigen, heißt es. Aktuell decken die A-fonds-perdu-Beiträge nämlich deutlich weniger als zehn Prozent des Umsatzes.

Dass der Nationalrat jüngst im Rahmen seiner Sitzung verlangt hat, dass Restaurants zum 22. März wieder öffnen dürfen, sei erfreulich, teilte GastroSuisse mit. Für den Bundesrat sei diese Erklärung leider aber nicht verpflichtend. Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse, sagte: „Es ist bitternötig, dass der Ständerat nachzieht und den Bundesrat zum Handeln auffordert.“ Die Situation im Gastgewerbe sei dramatisch.

Jeder vierte Betrieb kämpft ums Überleben

Wie dramatisch zeigt die Mitgliederbefragung. 20 Prozent haben ihren Betrieb bereits aufgegeben. Zu sehr hat ihnen die Corona-Krise zugesetzt. „Und jeder vierte Betrieb kämpft weiterhin ums nackte Überleben“, sagt Platzer. Wenn diese Betriebe nicht sofort finanziell entschädigt würden, müssten auch sie für immer ihre Türen schließen. „Das bedeutet, dass dann vier von zehn Restaurants dem Corona-Virus zum Opfer fallen“, erklärt Platzer.

Nur ein Drittel der Befragten kann die Krise ohne finanzielle Entschädigung überstehen. Wie viele Restaurantbetreiber am Ende Corona tatsächlich überstehen, hängt wesentlich davon ab, wie schnell und wie viele A-fonds-perdu-Beiträge bezahlt werden. 70 Prozent der Befragten haben ein Härtefall-Gesuch eingereicht, 20 Prozent werden noch eines einreichen. Tragisch ist: Erst die Hälfte der Gesuche wurde bewilligt, wie die Umfrage ergab. Und die andere Hälfte wartet seit mehreren Wochen auf eine Antwort. „Das ist untragbar“, sagt Platzer und betont: „Unsere Branche leidet und benötigt dringend finanzielle Hilfe, die sie noch immer nicht bekommen hat!“ Aber auch wenn Geld geflossen ist, reichen die A-fonds-perdu-Beiträge nirgends hin. Zwei von drei Betrieben haben nämlich mehrheitlich deutlich weniger als zehn Prozent Umsatzausfall erhalten. „Damit kann man die ungedeckten Fixkosten des zweiten Lockdowns nicht decken“, sagt Platzer. Dabei könnten Bund und Kantone das Doppelte bezahlen. Denn die Obergrenzen für A-fonds-perdu-Beiträge liegen bei 20 Prozent des Vorjahresumsatzes.

Außen- und Innengastronomie muss öffnen dürfen

GastroSuisse forderte nun erneut, dass Restaurants im Außenbereich als auch im Innenbereich geöffnet werden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil nur eine Überlastung des Gesundheitswesens einen Lockdown rechtfertigen kann. Der Nationalrat wies jüngst ebenfalls nochmals darauf hin, dass die Maßnahmen weder verständlich und nachvollziehbar sind. GastroSuisse fordert zudem vehement Nachbesserungen bei der Härtefall-Entschädigung. „Ungleichbehandlungen und Ungerechtigkeiten müssen korrigiert werden“, betont Platzer.
(GastroSuisse/KP)

 

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