Finanzielle Unterstützung

Gastgewerbe fordert Verlängerung der Corona-Hilfen

Wegweiser mit der Aufschrift Überbrückungshilfe
Inselkammer: „Wir erleben, dass die gastgewerblichen Betriebe zwar offen sind, aber keiner mehr kommt“ (Foto: © hkama – stock.adobe.com)
Angesichts der Verschärfungen für die Gastronomie und Hotellerie fordert der Dehoga Bayern, die Überbrückungshilfe III Plus zu verlängern. Die Mehrwertsteuersenkung soll nach Auffassung des Branchenverbandes zudem entfristet werden.
Donnerstag, 18.11.2021, 15:08 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz

Die Lage im Gastgewerbe spitzt sich trotz geöffneter Betriebe wieder zu. Das geht aus einer aktuellen Branchenumfrage des bayrischen Dehoga hervor. Diese zeigt auch, dass die aktuelle Infektionslage und das Signal, das durch die 2G-Regelung gesendet wurde, das Gästeverhalten derzeit stark beeinflussen. So gibt es bereits jetzt 96,8 Prozent an coronabedingten Absagen von Weihnachtsfeiern in den Betrieben. Die Stornierungen betreffen auch den Bereich Veranstaltungen und Tagungen (94,7 Prozent) und Übernachtungen (57,2 Prozent). „Wir erleben, dass die gastgewerblichen Betriebe zwar offen sind, aber keiner mehr kommt“, so Dehoga Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer. Dabei gilt der Besuch in den gastgewerblichen Betrieben durch die strengen Hygienevorgaben nach wie vor als sicher. Das Gastgewerbe war nie Pandemietreiber, sondern bietet einen geschützten Raum für notwendige soziale Kontakte.

Überbrückungshilfe III Plus und Mehrwertsteuersenkung verlängern

„Verzweiflung und starke Betroffenheit auch bei unseren Mitarbeitern macht sich breit. Wir haben in weiten Teilen alles getan, dass Menschen sicher sind, und sie sind es auch weiter. Nur kommt jetzt die Angst auf und dagegen sind wir machtlos“, beklagt Inselkammer. „Wir wollen jetzt nicht schwarzsehen, aber vom Licht am Ende des Tunnels – das uns durch die Impfungen gegeben wurde – entfernen wir uns wieder mehr und mehr.“ Laut Umfrage hat sich der Umsatz seit dem 1. November 2021 im Vergleich zum Vorkrisenniveau (Jahr 2019) um 40 Prozent ins Minus entwickelt. Der Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern Dr. Thomas Geppert fordert deshalb auch weiterhin finanzielle Unterstützung durch die nun hervorgerufenen Umsatzausfälle: „Die Betriebe haben laufende Kosten, die Gäste aber bleiben größtenteils fern“. Die Überbrückungshilfe III Plus müsse unbedingt erweitert und verlängert werden. Ebenso sei die Entfristung der Mehrwertsteuersenkung unter einem Einbezug von Getränken wesentlich. „Vor allem den getränkegeprägten Betrieben, die am meisten von der Krise betroffen waren, wäre damit nachhaltig geholfen“, so Geppert.

2G wäre vermeidbar gewesen

Mit den Krisenfolgen wird die Branche noch lange zu ringen haben. Zu den finanziell größten Herausforderungen für die Betriebe zählen die Rückzahlung von Hausbank- und KfW-Krediten, sowie fällige Zahlungen gestundeter Mieten und Pachten, von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. „Vor diesem Hintergrund und der sich erneut zuspitzenden Situation brauchen wir dringend finanzielle Zusicherungen“, betont Geppert. Der Landesgeschäftsführer begrüßt in diesem Zusammenhang auch die Verlängerung des Rahmens für staatliche Beihilfen durch die Europäische Kommission sowie insbesondere, dass die Obergrenzen für Kleinbeihilfen und Fixkostenhilfen erneut erhöht wurden. Dazu Geppert: „Damit ist die Grundlage geschaffen, um Betrieben vielfach überhaupt noch helfen zu können, da ihr Rahmen bereits ausgeschöpft war.“ Die derzeitige Verschärfung der Regelungen auf größtenteils 2G sei wegen der derzeit akut drohenden Überlastung des Gesundheitssystems, insbesondere durch Ungeimpfte, unvermeidbar und vorhersehbar gewesen, dennoch dürften jetzt keine weiteren Einschränkungen mehr folgen. „Das würde für viele gastgewerbliche Betriebe endgültig das Aus bedeuten“, so Geppert.

(Dehoga Bayern/NZ)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Zwei Gastronomen bei der Abrechnung
Ratgeber
Ratgeber

7-%-Mehrwertsteuer in der Gastronomie: Was ist jetzt zu tun?

Die dauerhafte Rückkehr zur 7-Prozent-Mehrwertsteuer auf Speisen ist beschlossen – und bringt der Gastronomie ab 2026 endlich Planungssicherheit. Doch was müssen Betriebe jetzt konkret tun?
Markus Söder, Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Saskia Esken
Koalitionsvertrag
Koalitionsvertrag

7-Prozent-Mehrwertsteuer kommt zurück!

Fast vier Wochen lang haben Union und SPD über den Koalitionsvertrag verhandelt. Heute gab es endlich den Durchbruch. Die Parteichefs stellten nun ihre Ergebnisse vor – mit einer erfreulichen Nachricht für die Gastronomie. 
Markus Soeder, Friedrich Merz, Lars Klingbeil and Saskia Esken
Zukunft
Zukunft

Sieben Prozent Umsatzsteuer sind in Sichtweite

Sehr gute Nachrichten für das Gastgewerbe! Aus dem Sondierungspapier der künftigen Koalition geht hervor, dass Union und SPD die umstrittene Mehrwertsteuer in der Gastronomie wieder dauerhaft auf 7 Prozent senken wollen. 
Gäste in einem Gasthaus bekommen bayerische Schmankerl serviert
Entwicklung
Entwicklung

Mehr Systemgastronomie, weniger Gaststätten in Bayern

Der Dehoga Bayern äußert sich zu den kürzlich veröffentlichen Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik und gibt Einblicke hinter die Zahlen. Obwohl die Zahl der gastronomischen Einrichtungen weitestgehend stabil bleibt, gibt es doch große Bewegungen in der Branche. 
Zwei Gastronomen gehen ihre Einnahmen durch
Umfrage
Umfrage

Dehoga schlägt Alarm: Mehrwertsteuererhöhung bedroht Tausende Betriebe

Sollte die Mehrwertsteuer auf Speisen wieder auf den alten Wert von 19 Prozent angehoben werden, könnte dies laut dem Dehoga Bayern verheerende Folgen haben. Eine Umfrage unter den Mitgliedern des Verbands ergab, dass über 2.000 Betriebe befürchten, in diesem Fall schließen zu müssen. 
Reinhard Meyer
Deutscher Tourismusverband
Deutscher Tourismusverband

„Dauerhafte Mehrwertsteuersenkung bringt Planungssicherheit“

Die Zusicherungen von Olaf Scholz schlagen hohe Wellen: Für den Tourismus bringen die dauerhafte Mehrwertsteuersenkung sowie die Verlängerung der Überbrückungshilfe Planungssicherheit, ist der DTV sicher.
ervicekraft mit Tablett in einem modernen Restaurant, im Hintergrund ein weiterer Kellner.
IHK Befragung
IHK Befragung

Stimmung im norddeutschen Gastgewerbe hat sich gebessert

Eine Umfrage der IHK Nord zeigt: Hotels und Restaurants in Norddeutschland bewerten ihre Lage deutlich positiver als im Vorjahr. Die Reisewirtschaft meldet dagegen eine Verschlechterung.
Hand reicht eine McDonald’s-Papiertüte im McDrive durch das Ausgabefenster
Entlastung
Entlastung

McDonald’s begrüßt Mehrwertsteuersenkung und setzt ein Zeichen für seine Gäste

Das Unternehmen senkt im Zuge dessen die unverbindlichen Preisempfehlungen für fünf stark nachgefragte Menüs spürbar, teils um mehr als 15 Prozent – und setzt damit ein Signal an den Markt.
Kellner beim Abkassieren
Stabilisierung
Stabilisierung

7-%-Mehrwertsteuer: Warum der Dehoga nicht mit Preissenkungen rechnet

Der Bundesrat hat den Weg frei gemacht für eine Mehrwertsteuersenkung auf Speisen in Gaststätten. Doch Gäste werden wohl nur bedingt von der Steuersenkung profitieren. Der Dehoga Mecklenburg-Vorpommern erklärt, warum.