Dehoga Bayern widerspricht NGG: „7 Prozent kommen bei den Mitarbeitern an“
Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern weist die Kritik der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), dass viele Wirte beim Lohn „knausern“ würden, entschieden zurück.
„Von einem Tarifpartner erwarten wir Unterstützung bei unserem Kampf für mehr Netto vom Brutto statt ständiger Nestbeschmutzung“, sagt Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern. "Im europäischen Vergleich haben wir in Deutschland mit die höchsten Bruttolöhne bei gleichzeitig den niedrigsten Nettolöhnen. Seit 2022 sind Arbeitskosten um 34 Prozent, Energiekosten um 27 Prozent und Lebensmittelpreise um 26 Prozent gestiegen. Die 7 Prozent sind kein Geschenk – sie sind für viele Betriebe der letzte Rettungsring."
Löhne steigen
Die NGG behaupte, Gastronomen würden Steuervorteile nicht an Mitarbeiter weitergeben. Die Realität sieht laut des Dehoga Bayern jedoch anders aus: Nach der Erhöhung von 7 auf 19 Prozent Anfang 2024 stiegen die Preise in der Gastronomie nur um 6,6 Prozent.
„Viele Wirte haben die Mehrbelastung aus eigener Tasche bezahlt – trotz Kostenlawine“, betont Geppert. Noch dazu erhöhten sich in der aktuellen Tarifrunde die Löhne in drei Schritten um fast 15 Prozent. „In einer Branche, in der Personalkosten oft über 40 Prozent des Umsatzes liegen, ist das ein Kraftakt – und zeigt, dass wir investieren, wenn es Spielraum gibt“, betont Geppert.
„Wir wollen Gäste zurückgewinnen, Arbeitsplätze sichern und das Wirtshaussterben stoppen“
Laut einer aktuellen Dehoga-Umfrage liegen Lohnsteigerungen auf Platz eins der Nennungen auf die Frage, mit welchen Maßnahmen Wirte auf die Senkung der Mehrwertsteuer bei Speisen auf 7 Prozent reagieren wollen. Demnach wollen 62,9 Prozent die Bezahlung der Mitarbeiter verbessern, weitere 8,4 Prozent planen dies. Darüber wollen 29,2 Prozent weitere Mitarbeiter einstellen bzw. haben dies in Planung.
„Wir wollen Gäste zurückgewinnen, Arbeitsplätze sichern und das Wirtshaussterben stoppen“, betont der Landesgeschäftsführer. Dabei seien kleine Betriebe von den Belastungen besonders betroffen, erklärt Geppert. 80 Prozent der bayerischen Gastrobetriebe hätten weniger als zehn Beschäftigte. „Das sind Familienunternehmen. Wer sie schwächt, gefährdet regionale Arbeitsplätze und unsere Wirtshauskultur“, warnt Geppert: „Nur wenn die Betriebe überleben, gibt es auch in Zukunft faire Löhne, Vielfalt und Gastfreundschaft in Bayern.“
„Wir erwarten Unterstützung von der Gewerkschaft und keine Diffamierungen“
Auch die aktuellen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik würden zeigen, wie sehr Bayerns Gastgewerbe unter Druck stehe: Zwar wuchs der nominale Umsatz 2025 gegenüber dem Vorjahr um 2,0 Prozent, real ging er jedoch um 1,4 Prozent zurück. Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten um 2,5 Prozent. „Hier erwarten wir uns Unterstützung von der Gewerkschaft und keine Diffamierungen“, mahnt Geppert.
„Ganz davon abgesehen scheint es der NGG entgangen zu sein, dass die Mehrwertsteuer nur auf Speisen und nicht auf Getränke reduziert worden ist, so dass ihr Rechenbeispiel entweder unbewusst falsch oder bewusst irreführend ist“, fährt Geppert fort, „auch scheint es, als hätte die NGG nie in die Begründung des Gesetzes geschaut. Denn dort heißt es ‚Mit der Steuersenkung will die Bundesregierung gezielt die Gastronomiebranche stärken‘, denn nur wirtschaftlich gesunde Unternehmen können Arbeitsplätze sichern bzw. ausbauen.“
(Dehoga Bayern/SAKL)