Veranstaltung

15. Bayerischer Ausbildungsbotschafter-Tag der Hotellerie und Gastronomie

Ulrike Scharf, Angela Inselkammer neben Frau Staatsministerin und Oliver Baumbach
Als feierlichen Höhepunkt des Tages verlieh Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, hier in Mitte zu sehen, gemeinsam mit „Dehoga Bayern“-Präsidentin Angela Inselkammer, links im Bild neben Frau Staatsministerin und Oliver Baumbach, Stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Industrie- und Handelskammer für Nürnberg und Mittelfranken, an die 27 neu ernannten Ausbildungsbotschafter für drei Jahre, die 13 Top-Ausbildungsbetriebe der bayerischen Hotellerie und Gastronomie und gratulierten den Koch-Azubis zur Stipendium der Gerhard-Günnewig Stiftung. (Foto: © Hendrik Steffens)
Am 18. März 2026 fand in Nürnberg der diesjährige Ausbildungsbotschafter-Tag des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Bayern statt. Unter dem Motto „Ausbildung für ein erfolgreiches Leben – Verantwortung, die wirkt!“ ging es um Ideen, wie man Talente gewinnen, begleiten und langfristig binden kann – und das über kulturelle und generationelle Grenzen hinweg.
Freitag, 20.03.2026, 08:34 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

Im historischen Feuerbachsaal der Industrie- und Handelskammer für Nürnberg und Mittelfranken eröffneten „Dehoga Bayern“-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert und Geschäftsführerin Berufsbildung und Fachkräftesicherung Catherine Karanja zusammen mit ihrer Stellvertreterin Maria Oppermann am 18. März 2026 den 15. Bayerischen Ausbildungsbotschafter-Tag. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Wertschätzung für engagierte Ausbildungsbotschafter und Top-Ausbildungsbetriebe.
 
„Ausbildung im Gastgewerbe ist längst mehr als Fachvermittlung. Sie ist Beziehungsarbeit. Sie ist Integrationsarbeit. Und sie ist der erste Schritt zu selbstbewussten Fachkräften und oft auch zu zukünftigen Unternehmern“, betonte „Dehoga Bayern“-Präsidentin Angela Inselkammer. „Doch erfolgreiche Ausbildung beginnt noch früher. Sie beginnt mit guter Berufsorientierung und mit Menschen, die junge Talente ernst nehmen.“ Dazu gehöre eine frühzeitige und regionale Nachwuchsgewinnung, erlebbare Berufsorientierung, etwa durch Initiativen wie die Miniköche, eine sichtbar hohe Ausbildungsqualität, beispielsweise durch das Siegel „Top-Ausbildungsbetrieb“, sowie Programme zur Weiterentwicklung junger Talente wie die Akademie Junger Gastronomen.

Gleichzeitig machte Inselkammer deutlich, dass weiterhin an attraktiven Rahmenbedingungen gearbeitet werden müsse. So könne insbesondere eine flexible Wochenarbeitszeit helfen, wirtschaftlicher zu handeln und den Bedürfnissen der Mitarbeiter besser gerecht zu werden.

In einer Branche, in der Arbeit naturgemäß nicht im Homeoffice stattfinden kann, sei mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit ein wichtiger Schlüssel für Mitarbeiterbindung, Planungssicherheit und moderne Arbeitsbedingungen.

Förderung junger Talente

Für rund 11.000 junge Menschen in Bayern – ob hier aufgewachsen oder aus anderen Ländern gekommen – ist eine duale Ausbildung im Gastgewerbe der Beginn eines neuen Lebenskapitels. In Hotels, Gasthäusern und gastronomischen Betrieben finden sie nicht nur einen Beruf, sondern echte Chancen für persönliche Entwicklung, Selbstständigkeit und ein erfolgreiches Berufsleben.

„Viele dieser jungen Menschen entwickeln Ideen, übernehmen Verantwortung und werden später selbst Unternehmer“, erklärte Inselkammer. „Mit Formaten wie der Akademie Junger Gastronomen, dem Netzwerk Forum Junge Gastgeber oder dem Projekt Junge Gründer fördern wir diese Talente. Wir schaffen Netzwerke, Austausch und Perspektiven.“
 
Als system- und lebensrelevante Branche mit fast 500.000 Erwerbstätigen böte das bayerische Gastgewerbe vielfältige Perspektiven und Karrierewege. Gerade vor dem Hintergrund stabiler Ausbildungszahlen könne die Branche selbstbewusst zeigen, wie attraktiv deren Berufe sind.

„Wir machen Menschen glücklich. Unsere Arbeit bringt Menschen zusammen, schafft Begegnungen und Lebensfreude – und genau darin liegt die besondere Sinnhaftigkeit unseres Berufs“, betonte Inselkammer. Umso wichtiger seien engagierte Ausbildungsbotschafter und Top-Ausbildungsbetriebe, die diese Begeisterung weitertragen, junge Menschen für die Branche gewinnen und aus eigener Erfahrung zeigen, welche Chancen eine Ausbildung im Gastgewerbe eröffnet.

Geppert: „Der Verband agiert am Puls der Zeit“

Geppert präsentierte die aktuellen Erfolge und Initiativen des Dehoga Bayern. Besonders hob er die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent hervor. Die Maßnahme verschaffe den Betrieben Planungssicherheit, wirtschaftliche Spielräume und Perspektiven.

Darüber hinaus stellte er die neue „OneDehoga-App“ vor, die Mitgliedsbetriebe kompakt und praxisnah unterstützen soll, sowie das aktuelle Ausbildungsmarketing mit neuen Messeständen und VR-Erlebnissen.

Ein weiteres Highlight sei die Ausrichtung der Bayerischen Jugendmeisterschaften in der Allianz Arena. Geppert betonte, dass der Verband am Puls der Zeit agiere, die Interessen seiner Mitglieder konsequent vertrete und dass nur gemeinsames Handeln nachhaltigen Erfolg für die Branche bringen würde.

„Ausbildungszahlen können sich sehen lassen“

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Nürnberg für Mittelfranken Oliver Baumbach präsentierte die Ausbildungszahlen aus dem HOGA-Bereich, „Zahlen, die sich sehen lassen können“. Der Zuwachs in Mittelfranken auf ein Allzeithoch zeige, dass sich junge Menschen stark für Ausbildungsberufe interessieren. Es gäbe viele gute Initiativen, auch in Zusammenarbeit mit den Auslandshandelskammern.

Als Herausforderungen nannte Baumbach: „Über 40 Prozent der HOGA-Auszubildenden in Mittelfranken stammen aus Vietnam. Unter den Vermittlern gibt es allerdings auch unseriöse Akteure, die junge Menschen mit gefälschten Ausbildungsverträgen anwerben. Zudem stellt die Sprache für viele eine große Herausforderung dar. Das sind Menschen, die wir dringend brauchen, um die Fachkräftelücke zu schließen.“

Die IHK habe zudem ein Projekt mit Kenia initiiert und arbeite dabei mit dem Ministry of Diaspora und der Deutschen Botschaft zusammen. Es wurde ein Letter of Intent unterzeichnet, und es sei geplant, ein Welcome Center für zugewanderte Fachkräfte aus Kenia zu eröffnen.

„Die Integration der zugewanderten Mitarbeiter ist von zentraler Bedeutung, um ihnen Orientierung zu geben und langfristige Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Das Welcome Center trägt daher den Namen ‚Work and Stay‘“.

Ernennung Ausbildungsbotschafter und Top-Ausbildungsbetriebe 

Als feierlichen Höhepunkt des Tages verlieh Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf gemeinsam mit Inselkammer und Baumbach die Ernennungsurkunden an 27 neu ernannten Ausbildungsbotschafter und zeichnete 13 Top-Ausbildungsbetriebe aus. 

„Eine Ausbildung ist ein solides Fundament für den Start in ein erfolgreiches Berufsleben. Das Gastgewerbe hat beste Zukunftschancen. Um für einen Beruf in der Branche zu begeistern, hilft oft ein persönlicher Bezug. Deshalb besuchen die Ausbildungsbotschafter des Dehoga Bayern jährlich rund 250 Schulen und sind auf etwa 100 regionalen Ausbildungsmessen präsent. Als Experten der Gastlichkeit werben sie authentisch für ihr Berufsfeld und stecken junge Menschen mit ihrer Begeisterung an. Ein Modell mit Vorbildcharakter, das Bayern fit für die Zukunft macht. Alle Ausbildungsbotschafter bilden in ihren eigenen Betrieben aus. Dabei achten sie neben der fachlichen Entwicklung besonders auf die persönliche Entwicklung der jungen Menschen“, hob Ulrike Scharf hervor. „Mit dem Ausbildungsbotschaftertag zeigt der Dehoga Bayern erneut, wie wichtig die Ausbildung für die Fachkräftesicherung ist. Ich danke dem Dehoga Bayern für dieses langjährige großartige Engagement. “

Im Anschluss gratulierten Scharf und Inselkammer dem Kochauszubildenden Benedikt Wurm, der zuvor zwei Jahre bei den Europa-Miniköchen als Pate mitgewirkt hatte, zu dem Ausbildungsstipendium der Gerhard-Günnewig-Stiftung. Die Urkunde wurde von dessen Vorstandsvorsitzenden Klaus Hübenthal und Geschäftsführerin Dagmar Becker-Tewes überreicht.

Präsentation der internationalen Ausbildungsinitiative

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch die internationale Ausbildungsinitiative „Talent Gateway“ vorgestellt, die jungen Menschen aus Kenia eine Ausbildung im bayerischen Gastgewerbe ermöglichen soll. Die stellvertretende Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses des Dehoga Bayern und Unternehmerin Gabi Dreisbach, Hans Oskar von Oskar Catering in Forstern sowie Carol Mühlenbrock, Projektbotschafterin und TV-Köchin, berichteten von ihrer Delegationsreise im Januar nach Kenia.

In diesem Zusammenhang werden im August 18 kenianische Auszubildende nach Bayern kommen und ihre Ausbildung unter anderem in den Betrieben der Delegationsteilnehmer absolvieren.

„Generation Gemeinsam“ – mehr als ein Konzept

Inhaltlich stand zudem das generationenübergreifende Miteinander auf der Agenda. Unter dem Leitgedanken „Generation Gemeinsam im Gastgewerbe. Ausbildung trifft Erfahrung – im Miteinander steckt die Superkraft“ zeigte Jugendforscher Simon Schnetzer auf, wie Betriebe die Zusammenarbeit mit der Generation Z erfolgreich gestalten und entwickeln können.

„Generation Gemeinsam“ sei mehr als ein Konzept – es sei eine Haltung, die das Miteinander in Teams neu definiere. Im Fokus stehe dabei, sich von starrem Schubladendenken zu lösen, um stattdessen das volle Potenzial durch ein gemeinsames Wirken zu entfalten.

Wertvolle Impulse, praxisnahe Einblicke und inspirierende Begegnungen

Einen praxisnahen Impuls zur Unternehmenskultur gab der Direktor des Wellnesshotels Bayerwaldhof Alfons Weiß. In seinem Vortrag „Azubis kommen wegen der Stelle – bleiben wegen der Kultur: Das Mideinand-Prinzip“ verdeutlichte er, wie strukturierte Einarbeitung, Beteiligung und eine starke Betriebskultur junge Menschen langfristig an Unternehmen binden.

Ergänzend boten Workshops Impulse für den Ausbildungsalltag: Dr. Lisa Teufele von der Technischen Universität München zeigte, wie Ausbildungsinhalte sprachsensibel und mithilfe von KI vermittelt werden können, um Auszubildende mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen besser zu erreichen. Gedächtnis- und Lernexpertin Kirsten Wunderle vermittelte praxisnahe Strategien, wie Wissen im anspruchsvollen Hotel- und Gastronomiealltag strukturiert gelernt und dauerhaft verankert werden kann.
 
Zum Abschluss des Tages fassten „Dehoga Bayern“-Vizepräsident Andreas Brunner und Schneider die wichtigsten Eindrücke zusammen und würdigten die wertvollen Impulse, praxisnahen Einblicke und inspirierenden Begegnungen. Sie gaben einen Ausblick darauf, wie die gewonnenen Erkenntnisse direkt in die tägliche Ausbildungsarbeit einfließen können. Gleichzeitig richteten sie einen Appell an alle Betriebe, die Chance zu nutzen, ihre exzellente Ausbildung mit der Zertifizierung zum Top-Ausbildungsbetrieb sichtbar zu machen. 

(Dehoga Bayern/SAKL)

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