Integration & Gastronomie

Systemgastronomie als Chance für Migranten

Der Bundesverband der Systemgastronomie und die NGG haben ein Pilotprojekt zur Gewinnung von Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund initiiert. 32 Bewerber wurden daraufhin in den Arbeitsmarkt integriert.

Dienstag, 23.04.2019, 15:05 Uhr, Autor: Thomas Hack
Ein farbiger Kellner bedient zwei Gäste

In einem groß angelegten Migrationsprojekt wurden durch intensive Vermittlungs- und Beratungsarbeit die teilnehmenden Bewerber mit Unternehmen der Systemgastronomie zusammengebracht. (© Daniel Ernst/Fotolia)

Die Systemgastronomie soll nicht nur für guten Geschmack, entspannte Atmosphäre und gleichbleibende Qualität sorgen, sondern hat auch in einem anderen Bereich einiges zu bieten: Sie zeigt sich als eine Branche voller Chancen, die sich mit Beschäftigten aus über 125 Nationen zu Recht als „Integrationsweltmeister“ bezeichnet. Gerade Dienstleistungsbranchen wie die Systemgastronomie sind deutlich offener und aufnahmebereiter als Großunternehmen anderer Branchen. „Rund 40 Prozent der Beschäftigten in unserer Branche sind Menschen mit ausländischen Wurzeln. Viele sind Angelernte, die nicht über einen formalen Berufsabschluss verfügen. Doch genau diese enorme Sprachvielfalt und die vergleichsweise geringen Einstiegshürden erleichtern es, berufliche Perspektiven für Menschen mit Flucht- oder Asylhintergrund zu schaffen“, erläutert Andrea Belegante, seit 2017 Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Systemgastronomie.

Gewinnung von Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund
Aus diesem Grund haben die Agentur für Arbeit Saarland und die saarländischen Jobcenter im April 2018 ein Pilotprojekt mit dem Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Saar initiiert. Ziel war es, Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund für eine Beschäftigung in der Systemgastronomie zu gewinnen. In einem ersten Schritt nahm der BdS Kontakt mit seinen Mitgliedsbetrieben auf, um für eine Teilnahme am Projekt zu werben. „Unsere Mitglieder zeigten sich von Beginn an offen für das Projekt“, so Mark Baumeister, Geschäftsführer NGG Region Saar. „Die Systemgastronomie im Saarland bietet vielfältige Arbeitsplätze und gute berufliche Perspektiven. Zahlreiche Erfolgsgeschichten belegen bereits das große Potenzial für eine gelungene Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Das Projekt gab Unternehmen den Anstoß, sich ebenso aktiv für die Integration von geflüchteten Menschen in die Arbeitswelt einzusetzen.“

Intensive Vermittlungs- und Beratungsarbeit
In einem zweiten Schritt sprachen die Agentur für Arbeit Saarland und die saarländischen Jobcenter Kunden an den Standorten Saarbrücken, Neunkirchen und Merzig-Wadern an, um ihr Interesse für eine Tätigkeit in der Systemgastronomie zu wecken und ihre Eignung für die angestrebte Tätigkeit abzuklären. Durch intensive Vermittlungs- und Beratungsarbeit wurden in einem dritten Schritt die am Projekt teilnehmenden Bewerber mit den Unternehmen zusammengebracht. Eine besondere Rolle spielte dabei die Beratung der Arbeitgeber zu aufenthaltsrechtlichen Regelungen und Besonderheiten bei der Förderung einer Arbeitsaufnahme Geflüchteter. Die Bewerber erhielten Unterstützung bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, wurden während des Bewerbungsverfahren gecoacht und auf Vorstellungsgespräche vorbereitet.

Integration von 32 Bewerbern in den Arbeitsmarkt
„Insgesamt konnten durch das Projekt 32 Bewerber in den Arbeitsmarkt integriert werden“, so Jürgen Haßdenteufel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Saarland. Nicht immer sei ihm zufolge eine Ausbildung der Königsweg zur beruflichen Integration. „Das Konzept der dualen Ausbildung ist in vielen Ländern schlichtweg nicht bekannt. Eine dreijährige Ausbildung mit Berufsschulbesuch passt oftmals nicht zu den Vorstellungen geflüchteter Menschen. Viele sind jung und hochmotiviert, stehen aber nicht selten unter dem Druck, rasch Geld zu verdienen. Dienstleistungsbranchen wie die Systemgastronomie, wo learning by doing eine größere Rolle als beispielsweise im Handwerk spielt, bieten in diesen Fällen einen leichteren Arbeitsmarktzugang.“

Aufgrund der guten Erfahrungen wird das Projekt fortgesetzt. Geplant sind neben den bisherigen Aktivitäten auch Job-Speed-Datings und Unternehmensbesuche, bei denen kleinere Gruppen interessierter Bewerber vor Ort Einblicke in die Arbeitsabläufe und Anforderungen der Unternehmen erhalten sollen.

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