Nichtraucherschutz

Rauchverbot: CDU und FDP wollen Lockerung in NRW

Frau raucht in Kneipe
Kippt die Politik das Rauchverbot in NRWs Kneipen und Restaurants? (© pressmaster / fotolia)
Seit das Rauchverbot in vielen gastronomischen Betrieben besteht, müssen die nikotinsüchtigen Gäste vor der Tür ihren Dampf ablassen. Politiker der CDU und FDP wollen nun eine Lockerung des Nichtraucherschutzgesetzes in NRW erwirken.
Donnerstag, 16.03.2017, 14:39 Uhr, Autor: Felix Lauther

„Wir haben uns immer gegen ein absolutes Rauchverbot ausgesprochen“, betont Thorsten Hellwig von der Dehoga NRW gegenüber RP Online. „Die Entscheidung müsse dem Gastwirt überlassen werden“. Eine Position für oder gegen das Rauchen ergreife der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband NRW damit aber nicht, wie Hellwig ergänzt. „Das ist eine unternehmerische Entscheidung, die der Gastronom mit seinen Gästen treffen soll.“

Viele Gastronomen in NRW begrüßen die Lockerung
Marvin Schorn vom „Hamtorkrug“ in Neuss will eine Lockerung des Gesetzes. Die Gastwirte müssten wieder selbst bestimmen können, ob Gäste im Gastraum rauchen dürfen oder nicht. Umsatzeinbußen hätte er seit 2013 nicht festgestellt. Die Leute hättensich an das Rauchverbot schon gewöhnt. „Nur hin und wieder hört man von den Gästen, dass sie es nicht so gut finden, dass sie zum Rauchen immer nach draußen gehen müssen“, wie Schorn im Interview mit der Rheinischen Post erklärt.

„Im Sommer stehen viele Leute dann vor der Bar, nicht nur die Raucher, sondern auch ihre Freunde, die nicht rauchen. Dann ist es draußen natürlich lauter. Das stört die Nachbarn.“ Falls die Lockerung nach der Wahl umgesetzt werde, wolle er seinen Gästen aber erst ab Mitternacht erlauben, im Gastraum eine Kippe anzuzünden

Mladen Ivankovic führt zwei Brauerei-Ausschänke: das „Bürgerhaus“ in Ratingen und das „Frankenheim“ in Mettmann. Beides größere, traditionelle Gastronomien mit deutlich mehr als 100 Plätzen. Die Vorschläge von CDU und FDP interessieren ihn sehr. Denn die Gesetze zum Nichtraucherschutz sind seine Umsätze stark zurückgegangen, sagt er. „Die Zahl der Thekengäste, die einfach sitzen und ihre Zigarette genießen wollen, hat sich durch das Rauchverbot halbiert.“

Er will jetzt wissen, was konkret geplant ist. „Ich hoffe, ein neues Gesetz würde nicht nur für Eckkneipen gelten, sondern auch für größere Läden wie meine.“ Auf jeden Fall wäre er glücklich, wenn der Nichtraucherschutz gelockert würde. Die Gastronomie in Deutschland habe an Ausstrahlung verloren. „Ich beobachte das oft: Da sitzt eine Runde um den Tisch und diskutiert ein interessantes Thema. Auf einmal steht die Hälfte auf und geht rauchen. Damit ist das interessante Gespräch vorbei“, wie er gegenüber der Rheinischen Post erklärt.

„Habe Umsatzeinbußen seit dem Rauchverbot“
Ralph Heinz von der Neusser Kneipe „Flotte Theke“ hingegen klagt sein Leid: „Wir haben durch das Rauchverbot Gäste verloren. Neue Gäste hinzugewonnen haben wir nicht.“ Er stimme einer Lockerung des Rauchverbotes zu und ist der Meinung, dass die Gastronomen selbst entscheiden sollten, wie sie es handhaben wollen. „Falls es zu einer Lockerung kommt, würde ich meinen Gästen das Rauchen in den Abendstunden erlauben“, sagt Heinz der Rheinischen Post weiter.

Serif Abdulahi, Geschäftsführer der „Tank-Stelle“ in Dormagen, unterstützt die Initiative von CDU und FDP: „Für die Gastronomie wäre das eine gute Sache. Der Umsatz ist mit dem Rauchergesetz runtergegangen. Zum Alkohol gehört einfach eine Zigarette“, sagt er der Rheinischen Post. Auch Tobias Bühnemann von der Gaststätte „Bei d’r Tant“ in Dormagen-Rheinfeld begrüßt eine Lockerung der bisherigen Regelung: „Wir haben damals extra einen Wintergarten für die Raucher angebaut. Als das Gesetz verschärft wurde, war er dann ein weiterer Gastraum für uns. Kommt es zu einer Lockerung des Gesetzes, würden wir den Wintergarten den Rauchern zur Verfügung stellen.“ Der Umsatz sei aber durch das Rauchverbot nicht eingebrochen – „wir haben viele Stammgäste“, so Bühnemann. (Rheinische Post / FL)

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Geträ#nke im Glas
Vorläufiges Reformaus
Vorläufiges Reformaus

Kanzleramt stoppt vorerst Klingbeils Zuckersteuer

Die geplante Abgabe auf zuckerhaltige Getränke liegt vorerst auf Eis. Das Bundeskanzleramt hat den am Mittwoch von Finanzminister Lars Klingbeil vorgelegten Entwurf gestoppt. Damit ist auch die geplante Belastung für Getränkehersteller zunächst wieder offen.
Ein Mitarbeiter im Restaurant sitzt erschöpft an der Theke und informiert den Arbeitgeber per Smartphone über seinen Ausfall.
Meldepflicht
Meldepflicht

Krankmeldung im Gastro-Job: Fristen, Attest und eAU einfach erklärt

Wer vor oder während einer Schicht erkrankt, muss schnell handeln. Entscheidend sind der korrekte Meldeweg, die ärztliche Feststellung und klare Absprachen mit dem Betrieb.
Essen in Mehrwegbehältern
Verpackungssteuer
Verpackungssteuer

Potsdam macht Einweg für Gastro-Betriebe teurer

Seit dem 1. Oktober gilt in Potsdam eine kommunale Verpackungssteuer. Für Einwegbecher und Speiseverpackungen werden jeweils 50 Cent fällig – die Kosten dürften vielfach bei den Gästen landen.
Barista mit Cappucciontasse
Tag des Kaffees
Tag des Kaffees

Das Geschäft mit der Tasse

Kaffee ist in der Gastronomie ein Milliardengeschäft. Doch wie viel Potenzial tatsächlich in der kleinen Tasse steckt, hängt von Qualität, Angebot und effizienten Abläufen ab. HOGAPAGE hat mit einem Kaffee-Experten gesprochen. 
Essen im Benedict Berlin
Konzeptwechsel
Konzeptwechsel

Benedict macht abends weiter

Vom Frühstücksklassiker zur Gastrobar: Das Berliner Benedict führt sein im Sommer gestartetes Dinnerformat béné dauerhaft fort – mit Sharing Plates, Weinen und kreativen Drinks.
Porträt von Sunil Choudhary, Performance Marketing Manager bei der ON7 GmbH.
Einstellung
Einstellung

Infektionsschutzbelehrung für Gastronomie und Hotellerie

Die Vorgaben nach § 43 IfSG sorgen bei der Einstellung neuer Küchen- und Servicekräfte immer wieder für Rückfragen. Welche Nachweise erforderlich sind und wie Betriebe typische Verzögerungen vermeiden, erklärt Sunil Choudhary im HOGAPAGE-Interview.
Villa Speyer
Genussreise
Genussreise

The Florentin by Althoff Collection startet erstes Culinary Villa Retreat

Ein Wochenende zwischen historischer Villa und Spitzenküche: The Florentin bietet im November erstmals ein Culinary Villa Retreat an. Das Angebot verbindet einen Aufenthalt in der historischen Villa Speyer mit gemeinsamen Kochmomenten und weiteren kulinarischen Erlebnissen.
Familie beim Essen
Analyse
Analyse

So verändert sich Europas Foodservice-Markt

Europas Foodservice-Markt wächst trotz sinkender Besuchszahlen. Doch hinter den stabilen Zahlen verschiebt sich die Gästestruktur deutlich. Eine aktuelle Circana-Analyse zeigt, welche Generationen besonders häufig gastronomische Angebote nutzen – und wo für Betriebe noch Potenzial liegt.
Die Finalisten von „Koch des Jahres 2026“ und ihre Assistenten
Wettbewerb
Wettbewerb

Koch des Jahres 2026: Finalisten kochen erstmals gemeinsam

Sechs Köche, sechs unterschiedliche Geschichte, ein Menü: Die Finalisten von „Koch des Jahres 2026“ haben in der FRALounge am Flughafen Frankfurt erstmals gemeinsam gekocht. Mit einem Sechs-Gänge-Menü gaben sie einen Vorgeschmack auf das Finale am 16. November in München.