Strafen bis 3000 Euro

Krawall am Ballermann: Mallorca will Sauftourismus verbieten

Der Ballermann macht wieder einmal Negativ-Schlagzeilen: Zuletzt haben sich Prügeleien und Gewalt an der berühmt-berüchtigten Playa de Palma gehäuft. Vor allem betrunkene Deutsche waren beteiligt. Palmas Bürgermeister Antoni Noguera will sich das nicht länger ansehen.

Dienstag, 25.07.2017, 09:29 Uhr, Autor: Felix Lauther
Karikatur Ballermann Sänger auf Podest

Mallorcas neuer Bürgermeister Antoni Noguera will den Kampf gegen alkoholisierte Touristen und Krawallmacher aufnehmen. (© HSB-Cartoon / fotolia)

Prügeleien zwischen Touristen, ein Hammer-Angriff, ein ins Koma geschlagener Deutscher: seit Wochen gibt es am Ballermann auf Mallorca immer wieder Krawall. Auslöser ist meist Alkohol, denn auch im Sommer 2017 boomt der Sauftourismus an der Playa de Palma. Die Regionalregierung fordert nach Informationen von Spiegel Online sogar bereits ein Alkoholverbot in den Ferienfliegern und am Flughafen.

Dass viele ausschließlich auf die Baleareninsel reisen, um sich hemmungslos zu betrinken und zu feiern, ist auch an Souvenirständen zu sehen: T-Shirts mit Aufschriften wie „Ich bin nur zum Saufen hier“ gelten als Kassenschlager. Dem Image Mallorcas ist all dies wenig zuträglich, das weiß auch der neue Bürgermeister von Palma, Antoni Noguera. Er hat die negativen Schlagzeilen gründlich satt und lud deshalb die deutsche Konsulin Sabine Lammers zu einer Lagebesprechung ins Rathaus.

© Knuddelfuddel2/ YouTube

Antoni Noguera bezeichnet Krawallmacher als „Abschaum“
Bereits seit Wochen redet Noguera Klartext, nannte die sturzbetrunkenen Krawallmacher, ebenso wie die Neonazis, die sich bei Schlagerkonzerten Gehör verschaffen wollten, schlichtweg „Abschaum“, und betonte: „Diese Art von Urlauber ist hier nicht willkommen.“ Dabei ist der 38-jährige Sozial- und Jugendpädagoge erst seit Anfang Juli im Amt. In der kurzen Zeit hat er aber bereits deutlich gemacht, dass er das Image Palmas nicht länger beschmutzen lassen will.

Mallorca leidet unter den Folgen des Sauftourismus
„Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass Orte wie die Schinkenstraße und ihre Umgebung keine positiven Auswirkungen weder für die Stadt noch für den Tourismus haben“, betonte er nach dem Treffen mit der Konsulin. In der Straße, in der auch das berühmte Lokal „Bierkönig“ liegt, war Ende Juni eine Massenschlägerei unter Deutschen entbrannt, ein Großaufgebot der Polizei musste anrücken.

Nur wenige Tage zuvor hatten Neonazis im „Bierkönig“ während eines Auftritts der Sängerin Mia Julia eine Reichkriegsflagge gehisst.

Auch im Juli kam es zu zwei gewalttätigen Zwischenfällen. In einem Fall wurde ein Deutscher ins Koma geprügelt, weil er versucht haben soll, einer Frau zu helfen. Sie war am frühen Morgen nach einer langen Partynacht von dem mutmaßlichen Täter an einem Imbiss belästigt worden. Im zweiten Fall wurde ein Urlauber ohne ersichtlichen Grund mit zwei Hämmern attackiert und leicht verletzt.

Strafen von bis zu 3.000 Euro
Nicht nur die Stadt Palma, auch die Regionalregierung der Balearen will helfen, das Image aufzupolieren und das exzessive Trinken einzudämmen. In Läden, die Eimer und Alkohol verkaufen, soll es zu diesem Zweck Inspektionen geben. Da der Verkauf von Spirituosen und Plastikbehältern aber im Prinzip nicht illegal ist, wird stattdessen geprüft, ob etwa Eiswürfelpackungen korrekt etikettiert sind. Zudem ist der Alkoholkonsum auf offener Straße an der Playa de Palma bereits seit vergangenem Jahr verboten. Bei Verstößen kann es zu Strafen bis zu 3.000 Euro kommen. Die Kontrollen gelten bisher aber als ziemlich lasch.

Mallorcas Hotellerie wünscht sich mehr Konsequenz
Die Hotelbesitzer am Ballermann sind vom Sauftourismus ebenso genervt. Francisco Marín, Sprecher des Hotelierverbandes an der Playa de Palma (AHPP), hat eine Plattform aus Nachbarschaftsverbänden, Restaurants und Jacht-Clubs gegründet. „Damit wollen wir politischen Druck ausüben. Es kann nicht sein, dass es zwar Gesetze gibt, dass unzivilisiertes Verhalten aber dann nicht geahndet wird.“ Laut Marín hat sich das Problem in den vergangenen Jahren noch verschlimmert.

„Betrunkene hatten wir hier schon immer aber jetzt dauert die Saison dieser Art von Tourismus von Jahr zu Jahr immer länger.“

Am liebsten würden die Linken als auch die „Autonome Gesellschaft der Balearen“ nicht nur Rechtsradikale, sondern auch Budget-Hotels und Partytouristen von der Insel schmeißen. Es klingt paradox, dass sich gerade diese politischen Entscheidungsträger statt den „persona non grata“ mehr reiche Besucher, den Bau von Luxushotels und gehobeneren Strandbars wünschen…

(dpa / Spiegel.de / ZDF / FL)

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