Kassengesetz

„Bonpflicht kostet einen Baum pro Stunde!“

Ein Artbeiter fällt einen Baum
Die neue Kassenverordnung wird nicht nur ein Bürokratiemonster werden, sondern auch ein Umweltkiller, wie jetzt eine neue Studie zeigt. (© Lunghammer/stock.adobe.com)
Das Forschungs- und Beratungsinstitut EHI hat das kommende Kassengesetz unter die Lupe genommen und warnt vor verheerenden Umweltschäden. 
Freitag, 06.12.2019, 09:59 Uhr, Autor: Thomas Hack

Der Verbrauch von Bonpapier wird sich ab dem Jahreswechsel drastisch erhöhen. Grund ist die neue Regelung des Kassengesetzes. Ab 1. Januar 2020 müssen alle Handelsunternehmen in Deutschland ihrer Kundschaft an der Kasse einen Beleg aushändigen. Durch zusätzliche verpflichtende Informationen auf den Kassenzetteln wird jeder Bon deutlich länger. Das Forschungs- und Beratungsinstitut EHI rechnet dadurch mit mehr als 2 Mio. Kilometern zusätzlichem Bonpapier pro Jahr im Handel, für das pro Stunde etwa eine Fichte gefällt werden muss. „In vielen Geschäften erwartet die Kundschaft heute keinen Kassenbon. Während der Handel über die Reduzierung von Papierbons nachdenkt, sorgt die Politik nun für noch mehr Müll“, kritisiert Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI.  Mit dem Kassengesetz, das die lückenlose elektronische Dokumentation der Kassendaten fordert, will die Bundesregierung Kassendatenmanipulationen verhindern.

Knapp 6 Millionen kg zusätzliches Kassenpapier pro Jahr

Von Einzelhandelsunternehmen verlangt die neue Regelung nun außerdem, dass jedem Kunden nach Abschluss eines Kaufprozesses ein Kassenzettel ausgehändigt wird. Darüber hinaus müssen die Kassenzettel zusätzliche Informationen zu Technischen Sicherheitseinrichtungen (TSE) und einen QR-Code enthalten. Diese Informationen – mit denen die Kundschaft normalerweise gar nichts anfangen kann – verlängern jeden Bon um durchschnittlich 12 cm. Bei knapp 20 Mrd. Transaktionen im deutschen Handel bedeutet das pro Jahr 2,375 Mio. Kilometer bzw. 5,7 Mio. Kilogramm zusätzliches Kassenpapier. Zur Herstellung des Papiers werden etwa 12,54 Mio. Kilogramm Holz verbraucht. Das entspricht pro Jahr ca. 8.500 Fichtenbäumen mit einer Höhe von 25 Metern und einem Durchmesser von 0,4 Metern. Oder einem gefällten Baum pro Stunde. Es gibt im Handel zwar teilweise die Möglichkeit, den Kassenbon digital zu erhalten – z.B. im Rahmen einer Händler-App – das Angebot wird aber zurzeit nur wenig genutzt.

Zurück zur Startseite

Weitere Themen

Kassenbons auf einem Tisch
Bürokratiekultur
Bürokratiekultur

Kaum Ausnahmen bei der Bonpflicht

Allmählich wird deutlich: Die Ausnahmen bei der Kassenbonpflicht lassen sich an einer Hand abzählen. So genehmigt beispielsweise das Bundesland Sachsen bisher fast keine Anträge auf Befreiung.
Ein Stapel Kassenbons
Bürokratie
Bürokratie

Finanzamt lehnt Ausnahmen von Bonpflicht ab

In rheinland-pfälzischen Finanzämtern wurden bisher 180 Anträge auf Befreiung von der Bonpflicht bearbeitet. Sämtliche Bitten wurden abgelehnt, da Umweltbelastung und Gesundheitsgefährdung nicht als Gründe zählen.
Ein Kassenrolle mit Bons
Studie
Studie

Bonpflicht spaltet die Verbraucher

Quittungen für Kleinstbeträge an der Eisdiele oder beim Bäcker? Viele Bundesbürger lehnen die Bonpflicht ab – vor allem aus Umweltgründen. Doch auch die Gruppe der Befürworter ist relativ groß…
Kassenbons
Bürokratie
Bürokratie

Neuer Vorstoß gegen Kassenbonpflicht

Nachdem zahlreiche Gastronomen, Verbände und Politiker Änderungen der Bonpflicht-Regelung forderten, kommt nun ein neuer Vorstoß seitens der deutschen Handwerksbranche. Diese fordert vom Finanzminister mehr Praxistauglichkeit.
Ein Fleisch in Plastik eingepackt
Umweltpolitik
Umweltpolitik

EU prüft Verbot von Plastikverpackungen

Die EU-Kommission will das gesetzliche Verbot von Plastikverpackungen prüfen, um den Kunststoffmüll einzudämmen. Auch Plastik-Steuern und recyclebare Materialen sind im Gespräch.
Eine alte Registrierkasse
KassenSichV
KassenSichV

Die wichtigsten Infos zum neuen Kassengesetz

Noch immer herrscht große Verunsicherung bei Hoteliers und Gastronomen, was es beim neuen Kassengesetz alles zu beachten gibt. Ein aktuelles Merkblatt gibt nun im Detail Auskunft darüber.
Eine Wäscheleine voller Kassenbons
„Bürokratie-Kunst“
„Bürokratie-Kunst“

Restaurant zeigt Auswirkungen der Kassenbonpflicht

Das Karlsruher Gasthaus Gutenberg führt mit deutlich sichtbaren Mitteln vor Augen, welche Umweltauswirkungen die Kassenbonpflicht 2020 haben wird. Bei den Gästen kommt der dekorative Bürokratieprotest gut an.
Die Meldepflicht in Hotels fällt bald weg. Eine Übergangslösung ist gefragt. (Foto: © Mego-studio /stock.adobe.com)
Tourismus
Tourismus

Wegfall von Hotelmeldepflicht: Übergangsfrist gefordert

Für die Hotellerie ist es grundsätzlich sehr positiv, dass demnächst weniger Bürokratie anfällt beim willkommen heißen neuer Gäste. Allerdings bedarf die Umsetzung der neuen Situation etwas mehr Vorlauf und Anpassungszeit.