Millionenbetrag gestrichen

Zulieferer: Bäuerliche Schnapsbrenner erhalten keine Subventionen mehr

Über Jahrzehnte wurde die bäuerliche Produktion von Hochprozentigem vom Bund mit jährlich zweistelligen Millionensummen subventioniert. Doch damit ist bald Schluss. Geht der Gastronomie damit der Schnaps aus der Region aus? 

Dienstag, 20.06.2017, 11:29 Uhr, Autor: Felix Lauther
Mann schenkt sich Schnaps in ein Glas

Für viele bäuerliche Schnaps-Hersteller wird sich Produktion aufgrund fehlender Subventionen nicht mehr lohnen. (© Firma V / fotolia)

Das nahende Ende des deutschen Branntweinmonopols bedroht einen traditionellen Nebenerwerb vieler Bauern: die Schnapsbrennerei. Wenn das Monopol Ende dieses Jahres endgültig ausläuft, wird sich die Alkoholproduktion für viele Landwirte nicht mehr lohnen.

„Es wird weitere Brennereien geben, die aufhören“, sagte Gerald Erdrich, der Geschäftsführer des Bundesverbands der Obst- und Kleinbrenner in Karlsruhe. Derzeit sind es noch 16.000, im vergangenen Jahrzehnt waren noch mehr als 20.000 Mini-Brennereien in Deutschland aktiv.

Viele Bauern werden keinen Schnaps mehr brennen
Vom Aus bedroht sind auch mehr als 60 bäuerliche Brennereigenossenschaften in Bayern, die bislang den Bund belieferten. Denn die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein in Offenbach stellt nach Abwicklung ihrer restlichen Verwaltungsaufgaben Ende 2018 die Tätigkeit ein, 100 Jahre nach Gründung durch den letzten Kaiser Wilhelm II. Für die Brennereigenossenschaften entfällt mit der Auflösung der Behörde der Abnehmer und somit auch das Geschäftsmodell. „Viele werden aufhören“, erwartet Jürgen Gros, der Chef des bayerischen Genossenschaftsverbands.

Die Monopolverwaltung wurde 1918 gegründet, um die durch den Ersten Weltkrieg ruinierten Staatsfinanzen aufzubessern. Für die Bauern hatte die Monopolverwaltung den Vorzug, dass die Behörde bis heute Garantiepreise für Agraralkohol zahlt, die weit über den Weltmarktpreisen liegen.

Zehn von neun Brennern orientieren sich am Monopol
Die Abhängigkeit der Bauern von der Monopolverwaltung variiert von Region zu Region. „Bei uns in Franken sind neun von zehn Brennern am Monopol orientiert“, sagte Hubert Fröhlich, Vorsitzender des fränkischen Obst- und Kleinbrennerverbands.

Auswirkungen auf die Schnapspreise oder die Herstellung von Obstbränden in Deutschland wird das Ende des Monopols voraussichtlich nicht haben. Die Versorgung mit Obstler ist nicht durch Brüssel gefährdet, sondern durch die Natur: Wegen des späten Frosts im April erfroren viele Blüten: „In diesem Jahr wird fast gar nichts gebrannt, weil es fast kein Obst gibt“, sagte Geschäftsführer Erdrich vom Bundesverband der Kleinbrenner.

Gastronomen müssen nun aber keine Angst haben, dass Ihnen der Schnaps aus der Region ausgeht. Der Nachwuchs der Schnapsbrenner steht schon in den Startlöchern und wird die bäuerliche Produktion peu à peu ergänzen. „Wir haben eine neue Gruppe von Brennern; junge Rentner, die ein bisschen wohlhabend sind und Spaß an der Brennerei haben“, sagte der fränkische Kleinbrenner-Vorsitzende Fröhlich. „Das ist ein Lebensgefühl.“ (dpa / FL)

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