Debatte

Vorteile für Geimpfte: verfrüht oder nachvollziehbar?

Könnten gegen das Coronavirus geimpfte Menschen künftig mehr Freiheiten genießen? Für viele kommt die Frage zu früh. Für andere ist es hingegen schon klar, dass es so kommen wird.

Freitag, 05.02.2021, 08:33 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Gepackter Koffer in dem zwei Handy mit geöffnetem digitalen Impfpass liegen

Sollen geimpfte Personen mehr am öffentlichen Leben teilhaben dürfen? (© iStockphoto)

Der Deutsche Ethikrat hält es für falsch, die Corona-Einschränkungen für Geimpfte früher zu beenden. Auch private Unternehmen sollten Menschen nicht ungleich behandeln, wenn es um die „gleichberechtigte Teilhabe am Leben“ gehe. Dass Veranstalter nur Geimpfte den Zugang etwa zu Konzerthallen erlauben, sei hingegen denkbar. Ohnehin müsse erst geklärt werden, ob von geimpften Menschen weiter eine Ansteckungsgefahr ausgehe oder nicht.

„Eigentlich halte ich die Debatte für verfrüht“

Der Landesregierung scheint die Debatte verfrüht: „Wir konzentrieren uns darauf, diejenigen, die geimpft werden wollen, schnell zu impfen“, teilte ein Sprecher mit.

„Eigentlich halte ich die Debatte für verfrüht“, sagte auch der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf. Sie sei populär, weil sie „so viel Potenzial für Polarisierung hat“. Er verwies auf die noch wenigen Impfungen. Woitendorf rechnet allerdings damit, dass bestimmte Unternehmen in Zukunft geimpfte und nicht geimpften Menschen ungleich behandeln werden. Er glaube nicht daran, „dass das keiner macht.“

Laut Wotiendorf geht es nicht unbedingt um hinzukommende Rechte. „Ich würde das auch noch von einer anderen Seite betrachten, dass man sagt, diejenigen, die geimpft sind, die können eben alle ihre Rechte wieder voll in Anspruch nehmen“, sagte Woitendorf. So oder so lehne er jede Ungleichbehandlung ab, „bevor nicht auch der Letzte hat eine Impfung bekommen können“.

„In dem Punkt sollte es keine Denkverbote gebe“

Der Hotel- und Gaststättenverband Mecklenburg-Vorpommern sprach sich für eine offene Debatte aus. „Ich glaube, in dem Punkt sollte es keine Denkverbote geben“, sagte Verbandspräsident Lars Schwarz. Er könne es keinem Unternehmen verdenken, wenn es sich in dieser schwierigen Zeit darüber Gedanken mache, wie es sein Geschäft ermöglichen kann. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis so etwas diskutiert wird. „Wenn wir in allen Sachen als Wirtschaft so lange warten müssen oder würden, bis die Politik sagt, ‚das ist der richtige Zeitpunkt, jetzt diskutieren wir das‘, dann würden wir in vielen Sachen sehr lange warten“, kritisierte Schwarz.

Für den Hauptteil seiner Branche werde eine Unterscheidung von geimpften und nicht geimpften Menschen keine große Rolle spielen, sagte Schwarz. „Weil die eben schneller wieder da sein wird.“ Hier würden etwa Teststrategien eine größere Rolle spielen.

„Erst wenn wir so weit sind, werden wir uns mit den weiteren Detailfragen auseinandersetzen“

„Es ist gut, das sich viele Branchen schon Gedanken machen, um möglichst viel Normalität nach dem Lockdown für uns alle zu ermöglichen. Hierfür sind niedrige Neuinfektionszahlen und auch möglichst viele Impfungen nötig“, sagte Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU). Daher sei die Diskussion aktuell noch wenig zielführend.

Die Kinokette Cinestar beschäftigt sich nach eigener Aussage noch nicht mit einem entsprechenden Szenario. Es stehe zunächst ein bundesweit einheitlicher Eröffnungstermin im Vordergrund, teilte Geschäftsführer, Oliver Fock mit. „Erst wenn wir so weit sind, werden wir uns mit den weiteren Detailfragen des künftigen Gästemanagements auseinandersetzen.“

(dpa/NZ)

 

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