Tankrabatt-Aus: Was bedeutet das für das Gastgewerbe?
Heute um Mitternacht ist der Tankrabatt ausgelaufen. Die Bundesregierung hatte ihn im Mai eingeführt, um Verbraucher und Unternehmen bei den durch den Ölpreisschock wegen des Iran-Kriegs sprunghaft teurer gewordenen Spritkosten zu entlasten. Nun ist der Steuerrabatt in Höhe von 16,7 Cent pro Liter auf Kraftstoff bei der Lieferung an die Tankstelle um Mitternacht ausgelaufen – mit spürbaren Folgen an den Tankstellen.
Schon am Morgen ist Sprit viel teurer als einen Tag zuvor. Um 8.00 Uhr war Superbenzin der Sorte E10 um 13,4 Cent teurer als zur gleichen Zeit am Dienstag, wie der ADAC mitteilt. Bei Diesel fiel der Anstieg mit 15,6 Cent sogar noch stärker aus. Zusammen mit den Anstiegen vom Dienstagmorgen ist der Tankrabatt damit weitestgehend Geschichte.
Der Tankrabatt galt vom 1. Mai bis 30. Juni. Der Staat ging in früheren Schätzungen von Steuermindereinnahmen von rund 1,6 Milliarden Euro aus.
Für das Gastgewerbe ist das Ende der Steuerermäßigung vor allem ein indirektes, aber trotzdem relevantes Kostenthema. Denn höhere Kraftstoffpreise können nicht nur private Autofahrer belasten, sondern auch Lieferketten, Cateringfahrten, mobile Gastronomiekonzepte und Mitarbeiter, die auf das Auto angewiesen sind.
Warum das Gastgewerbe betroffen ist
Für Hotels und Restaurants geht es beim Tankrabatt-Aus nicht allein um die Fahrt zur nächsten Zapfsäule. Relevant sind vor allem mögliche Folgekosten im Betrieb. Zulieferer, Dienstleister und Großhändler sind auf Transport angewiesen. Steigende Diesel- und Benzinpreise können sich daher zeitverzögert in höheren Liefer- oder Logistikkosten bemerkbar machen – etwa bei Lebensmitteln, Getränken oder anderen Waren.
Auch Caterer, Eventgastronomen und Lieferdienste können stärker betroffen sein. Wer täglich mehrere Fahrzeuge einsetzt, Speisen ausliefert oder Veranstaltungen an wechselnden Orten betreut, hat Kraftstoffkosten direkt in der Kalkulation. Hinzu kommt die Situation vieler Mitarbeiter: In ländlichen Regionen, Feriengebieten oder Stadtrandlagen sind Beschäftigte häufig auf das Auto angewiesen. Höhere Spritpreise können damit auch die Attraktivität von Arbeitswegen beeinflussen.
Gleichzeitig wirken steigende Kraftstoffpreise auf die Verbraucher. Wenn Haushalte mehr Geld für Mobilität ausgeben, kann dies die Kaufkraft schmälern – und damit auch Ausgaben für Restaurantbesuche, Kurzreisen oder Freizeitangebote beeinflussen.
Tankrabatt dämpft Inflation
Hinzu kommt, dass der Tankrabatt nach Einschätzung der Bundesbank die Inflation um etwa einen viertel Prozentpunkt gedämpft hat und schon im Mai die Teuerungsrate deutlich gedrückt hatte. So sind die Verbraucherpreise in Deutschland im Juni mit dem Tankrabatt und fallenden Ölpreisen nicht mehr so schnell gestiegen.
Die Inflationsrate beträgt im Vergleich zum Vorjahresmonat 2,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt auf Grundlage vorläufiger Daten berichtet. Im Mai waren die Verbraucherpreise noch um 2,6 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen und im April sogar um 2,9 Prozent – die höchste Rate seit Januar 2024.
Insbesondere Tanken war mit dem Ölpreisschock wegen des Iran-Kriegs sprunghaft teurer geworden. Im Juni kosteten Haushaltsenergie und Sprit 3,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, so die Statistiker. Im Mai hatten die Energiepreise aber noch um gut 6,6 Prozent angezogen, im April waren es rund zehn Prozent. Insgesamt ließen die Verbraucherpreise von Mai auf Juni um 0,3 Prozent nach.
„Die Inflation ist im Juni vor allem wegen des gesunkenen Ölpreises zurückgegangen“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Im Juli sollte sie aber wieder steigen, weil der Tankrabatt wegfällt.“ Mit der Beruhigung im Nahen Osten ebbe der Inflationsschock ab, sagte Stephanie Schoenwald, Ökonomin bei KfW Research. Die Lage im Persischen Golf bleibe jedoch fragil.
Ob das Ende des Tankrabatts die Inflation im Juli deutlich antreibt, hängt nun auch von der weiteren Entwicklung der Rohölpreise ab. Silke Tober, Ökonomin am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, ist optimistisch: „Hält die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran an, dürfte sich sogar das Ende des Tankrabatts im Juli wegen der nun geringeren Rohölpreise nur wenig auf die Inflation auswirken.“
Für Gastronomen und Hoteliers bleibt die Entwicklung dennoch relevant. Denn selbst wenn der direkte Effekt auf die Verbraucherpreise begrenzt bleibt, können höhere Mobilitäts- und Transportkosten die betriebliche Kalkulation belasten – besonders dort, wo Lieferwege, Fuhrpark oder pendelnde Mitarbeiter eine große Rolle spielen.
Lebensmittel und Dienstleistungen bleiben im Blick
Für das Gastgewerbe ist neben den Energiepreisen auch die Entwicklung bei Lebensmitteln wichtig. Denn steigende Einkaufspreise wirken sich direkt auf den Wareneinsatz von Restaurants, Hotels, Caterern und Gemeinschaftsverpflegern aus.
Für Nahrungsmittel mussten Verbraucher im Juni laut Statistik 0,4 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor – ebenso wie im Mai.
KfW-Volkswirtin Stephanie Schoenwald warnt, dass es mit der sehr günstigen Lebensmittelpreisentwicklung auch wegen negativer Klimafolgen bald vorbei sein könnte. „Die hohen Düngerpreise der letzten Wochen und der sich abzeichnende gravierende El Niño dürften Wirkung zeigen.“
Für Gastronomen und Hoteliers bleibt damit die Kalkulation anspruchsvoll: Wenn Lebensmittel-, Energie- und Transportkosten steigen, erhöht das den Druck auf Speisekarten, Frühstückspreise, Bankettangebote und Pauschalen. Gleichzeitig lassen sich höhere Kosten nicht immer vollständig an Gäste weitergeben, ohne Nachfrageverluste zu riskieren.
Volkswirte fürchten zudem, dass Unternehmen zeitverzögert höhere Energie- und Transportkosten an Kunden weitergeben und die Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen weiter steigen. Auch die Importpreise haben angezogen, sie stiegen im Mai so stark wie seit Ende 2022 nicht mehr. Immerhin: Mit Hoffnung im Iran-Krieg planen nach Ifo-Daten weniger Firmen Preiserhöhungen.
Krieg bringt Preisdruck auf Verbraucher
Der Krieg im Iran verunsichert Verbraucher und bremst den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze für die Konjunktur ist. Das kann sich auch auf das Gastgewerbe auswirken: Restaurantbesuche, Hotelaufenthalte und Freizeitangebote gehören zu den Ausgaben, bei denen Gäste in unsicheren Zeiten schneller sparen.
Der Sachverständigenrat ("Wirtschaftsweise") erwartet dieses Jahr einen deutlichen Anstieg der Inflation auf im Schnitt 3,0 Prozent – nach moderaten 2,2 Prozent 2025.
Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft der Verbraucher: Sie können sich dann für einen Euro weniger leisten. Für gastronomische Betriebe kann das bedeuten, dass Gäste preissensibler reagieren, seltener auswärts essen, günstigere Angebote wählen oder Reisen kürzer planen.
Nach der Preiswelle infolge des Ukraine-Krieges ebbte die Teuerung zwar ab, viele Preise sind aber dauerhaft erhöht. Damit bleibt die Balance zwischen kostendeckender Kalkulation und bezahlbaren Angeboten für Hotels und Gastronomen eine zentrale Herausforderung.
(dpa/SAKL)