Corona in Europa

Staaten wagen Schritte aus dem Lockdown

Während Deutschland die Zügel enger fasst, wagen sich andere Länder langsam aus der Deckung und zeigen, auch bei Lockerungen kann die Zahl der Neuinfektionen stabil bleiben.

Donnerstag, 29.04.2021, 13:45 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
zwei Menschen stoßem mit einem Glas Rosé an

Einige europäische Länder haben die Corona-Einschränkungen bereits teilweise oder ganz aufgehoben. Die Neuansteckungen blieben meist stabil. (Foto: © iStockphoto)

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie haben die EU-Staaten unterschiedliche Herangehensweisen. Trotz teilweise hoher Inzidenzen hoffen viele europäische Staaten weiterhin auf viele Urlauber und ein paar gute Wochen für die Tourismusbranche. Regeln zur Einreise beschließen die Länder selbst, oftmals werden dabei Quarantäneregeln und Corona-Tests angeordnet.  Künftig sollen die aktuell recht unterschiedlichen Einreiseregelungen durch das Impfzertifikat ein Stück weit vereinheitlicht werden.

Restaurants in Belgien ab 8. Mai geöffnet

In den vergangenen Wochen galten in Belgien verschärfte Regeln. Seit 26. April haben Geschäfte ohne Terminvergabe geöffnet. Auch Friseure dürfen wieder arbeiten. Im Freien dürfen sich zehn Personen mit Maske treffen. Ab dem 8. Mai dürfen dann auch Restaurants und Bars nach monatelanger Zwangspause wieder ihre Außenbereiche öffnen. Auch die nächtliche Ausgangssperre fällt dann weg. Die Zahl der Neuinfektionen hat sich zuletzt bei mehr als 400 pro 100.000 Einwohner am Tag eingependelt. Fast jeder dritte Erwachsene wurde bislang zumindest einmal geimpft. Die Einreise ist nur mit ausgefülltem Formular und negativem PCR-Test erlaubt. Nach Einreise müssen Menschen mindestens für sieben Tage in Quarantäne, am siebten Tag ist ein Test Pflicht. Wer mit Auto, Bus oder Bahn einreist und weniger als 48 Stunden bleibt, ist von PCR-Test- und Quarantänepflicht ausgenommen.

Dänemark: Niedrige Inzidenz trotz weitreichender Öffnungen

Die Geschäfte haben längst wieder geöffnet und die Straßen sind voller Menschen. Cafés, Restaurants und Bars dürfen seit einer Woche wieder Kunden bedienen – im Inneren allerdings nur, wenn die Gäste per App einen negativen Corona-Test, eine Impfung oder eine überstandene Infektion nachweisen können. Dabei fällt auf: Die dänischen Neuinfektionszahlen sind stabil niedrig geblieben, liegen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 seit langem unverändert unter den deutschen Werten. Dänemark verzichtet als einziges EU-Land auf den Einsatz des Impfstoffs von Astrazeneca. Trotzdem sind knapp 22 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens einmal geimpft. Vollständig geimpfte Touristen aus Deutschland könnten bald ohne Test- und Quarantäneanforderungen einreisen, eine endgültige Entscheidung steht dazu aber noch aus.

Volle Pubs und Restaurants in Großbritannien

In Großbritannien hat sich die Corona-Lage dank eines langen, konsequenten Lockdowns und der weit fortgeschrittenen Impfkampagne mittlerweile deutlich entspannt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist bereits einmal geimpft, ein Viertel sogar vollständig. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei rund 25 Fällen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Pubs und Restaurants dürfen in England und Wales draußen wieder Gäste empfangen, in Schottland sogar bis abends auch drinnen. Geschäfte, Fitnessstudios und Zoos sind weitgehend wieder geöffnet. Treffen in Innenräumen und Reisen ins Ausland bleiben allerdings noch bis mindestens Mitte Mai verboten. Einreisende aus Deutschland müssen sich für zehn Tage privat in Quarantäne begeben und außerdem ein teures Testpaket für mehrere hundert Pfund buchen, um an Tag zwei und acht nach der Einreise einen PCR-Test zu machen.

Regionale Öffnungen in Italien

Italien befindet sich seit kurzem auf einem schrittweisen Lockerungskurs. Wo die Corona-Zahlen moderat sind, dürfen Restaurants und Bars auch abends im Außenbereich an Tischen servieren. Ab 22 Uhr gilt ein Ausgangsverbot. Museen und Kinos in den sogenannten Gelben Zonen haben bereits geöffnet. Ab 1. Juni sollen die Menschen in Lokalen wieder drinnen sitzen dürfen. Italien peilt den 2. Juni für den Start der Sommersaison an. Bislang können Touristen zwar anreisen, das machen aber nur wenige. Flüge sind noch stark reduziert, viele Hotels aber zu. Bisher gilt eine mehrfache Testpflicht – mit PCR-Test oder einem Antigen-Schnelltest – vor und nach der Einreise sowie eine meist fünftägige Quarantäne. Wie genau die Regelungen für Einreisende im Juni aussehen werden, ist noch nicht bekannt. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei etwa 160. Mehr als 22 Prozent der Bevölkerung sind mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft.

Außenbereichen in den Niederlanden geöffnet

Die Niederlande haben am 28. April trotz anhaltend hoher Corona-Zahlen die ersten Maßnahmen seit dem strengen Lockdown von Mitte Dezember gelockert. Die abendliche Ausgangssperre ist abgeschafft, Geschäfte dürfen wieder Kunden ohne Termin empfangen und Gaststätten im Außenbereich unter Auflagen wieder Gäste bedienen – zumindest von 12 bis 18 Uhr. Zuhause dürfen die Menschen wieder zwei statt bisher einen Besucher am Tag treffen. Verboten bleiben alle Veranstaltungen mit Publikum wie etwa Museen, Kinos und Theater. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 317. Rund 30 Prozent der Bevölkerung wurde mindestens einmal geimpft. Von Einreisen wird derzeit noch dringend abgeraten. Touristen brauchen bei der Rückkehr einen negativen Corona-Test und müssen in manchen Bundesländern auch in Quarantäne. Für Geimpfte gibt es bislang keine Vorteile.

Schweiz: Kaum Anstieg bei der Inzidenz

Bereits seit Anfang März haben Läden, Museen und Bibliotheken trotz steigender Infektionszahlen wieder geöffnet. Seit 19. April sind auch Restaurantterrassen, Kinos, Theater und Fitnesszentren wieder in Betrieb. Auch Open-Air-Konzerte und Fußballspiele dürfen wieder stattfinden. Dabei gelten Hygieneregeln wie etwa eine Begrenzung der Anzahl von Anwesenden oder die Maskenpflicht. Seit Ostern – vier Wochen nach der Öffnung von Läden und Museen – ist der Anstieg der Corona-Zahlen nur noch sehr gering. Anders als in anderen Ländern wird in der Schweiz eine 14-Tage-Inzidenz berechnet. Laut Bundesamt für Gesundheit lag sie am Mittwoch bei 315 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner. Nach jüngsten Zahlen waren knapp zehn Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Wer mit dem Flugzeug ankommt, muss grundsätzlich einen negativen Test vorweisen. Außer aus Sachsen und Thüringen können Deutsche auf dem Landweg problemlos einreisen.

Neuansteckungen in der Slowakei rückläufig

Vor eineinhalb Wochen haben die Geschäfte unter Einhaltung strenger Hygiene- und Abstandsregeln wieder geöffnet. Gastronomiebetriebe dürfen seit 26. April wieder in ihren Außenbereichen Speisen und Getränke servieren. Bei professionellen Sportveranstaltungen sind seit 27. April auch wieder Zuschauer erlaubt. Die Zahl der Neuansteckungen ist rückläufig und gemessen an der Einwohnerzahl inzwischen auch deutlich unter den Zahlen für Deutschland. Bis Mittwoch wurden nach offiziellen Angaben rund 20 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft. Ungeimpfte Touristen müssen nach vorheriger Internet-Registrierung eine 14-tägige Quarantäne antreten, von der ein „Freitesten“ nach frühestens acht Tagen möglich ist. Geimpfte dürfen sich diese Zeit verkürzen, indem sie sich sofort nach der Einreise einem PCR-Test unterziehen.

(dpa/NZ)

 

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